
Städtepartnerschaftsgipfel
NRW meets UK: 80 Jahre Freundschaft
29.06.2026 | 10:00 – 16:00 Uhr
Landtag NRW | Düsseldorf





Acht Jahrzehnte Freundschaft zwischen Nordrhein-Westfalen und dem Vereinigten Königreich feiert die Landesregierung im Jahr 2026. Unter dem britischen Codenamen „Operation Marriage“ war Nordrhein-Westfalen 1946 entstanden. Die Staatskanzlei NRW förderte in diesem Zusammenhang ein Projekt der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften der Auslandsgesellschaft.de e.V., um die NRW-britischen Städtepartnerschaften zu stärken und zu vernetzen. Der Städtepartnerschaftsgipfel „NRW meets UK: 80 Jahre Freundschaft“ stellte den Projektabschluss dar – vorangegangen waren eine ausführliche Bestandsaufnahme sowie vier Online-Veranstaltungen zu aktuellen Themen und Fragestellungen der NRW-britischen Städtepartnerschaften.
Rund 170 kommunale und zivilgesellschaftliche Akteure aus der Städte- und Projektpartnerschaftsarbeit sowie britische Städtepartner aus Politik, Verwaltung und Vereinen waren der Einladung in den Landtag NRW gefolgt und tauschten sich bereits schon vor der Veranstaltung bei einem Willkommenscafé miteinander aus.
Grußworte

Landtagspräsident André Kuper erinnerte in seiner Rede an die 80-jährige Freundschaft zwischen Nordrhein-Westfalen und dem Vereinigten Königreich und hob die historische Rolle der Briten bei der Gründung des Landes und des Landtags hervor. Anlässlich dieses Jubiläums feiere man eine „Woche der Demokratie“. Kuper betonte dabei besonders das zivilgesellschaftliche Engagement in den zahlreichen Städtepartnerschaften: Die dort aktiven Menschen seien wichtige Botschafterinnen und Botschafter für Demokratie, Zusammenhalt und ein friedliches Europa.
Klaus Wegener, Präsident der Auslandsgesellschaft, dankte in seinem Grußwort der Staatskanzlei NRW für die Förderung des Projekts und dem Landtag NRW für die Einladung des Städtepartnerschaftsgipfels in das Landtagsgebäude. Er zeichnete den historischen Weg der Auslandsgesellschaft nach, die selbst nach dem Zweiten Weltkrieg aus einer deutsch-britischen zivilgesellschaftlichen Initiative hervorgegangen war, und erläuterte ihre enge jahrzehntelange Verbindung zu den Dortmunder, aber auch den anderen nordrhein-westfälischen Städtepartnerschaften aufgrund zahlreicher Projekte der vergangenen zwanzig Jahre. Insbesondere würdigte Wegener die Verdienste der Deutsch-Britischen Gesellschaft in der Auslandsgesellschaft, in Person ihres Vorsitzenden Geoff Tranter, der als gebürtiger Leedser seit vielen Jahren die Verbindungen zwischen den Partnerstädten Leeds und Dortmund stärkt, u.a. durch aktives Vernetzen von Zivilgesellschaft, Schulen, Unternehmen, Verwaltungen und Handelskammern. Wegener erinnerte auch an die erste Bestandsaufnahme von NRW-britischen Städtepartnerschaften, die 2009/10 durch die Auslandsgesellschaft vorgenommen worden war, sowie an eine Neuauflage im Jahr des Brexit 2020 durch die neu gegründete Netzwerkstelle Städtepartnerschaften.


Roseanna Watson, Britische Generalkonsulin in Düsseldorf für Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland, hob in ihrer Ansprache die besondere Bedeutung des 80. Jubiläumsjahres sowie des Kensington Abkommens hervor. Sie betonte, dass die Verbindung zwischen dem Vereinigten Königreich und Nordrhein-Westfalen längst über historische Wurzeln hinausgehe. Die Tiefe dieser Partnerschaft spiegele sich heute in einer lebendigen Zusammenarbeit wider – getragen von rund 130 Städte- und 200 Schulpartnerschaften sowie mehr als 1.600 britischen Unternehmen in der Region.
Begrüßung und Impuls
Nathanael Liminski, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes Nordrhein-Westfalen und Chef der Staatskanzlei, sprach in seiner Begrüßung von den vielfältigen Verbindungen zwischen NRW und dem Vereinigten Königreich und erwähnte dabei insbesondere die historische, gesellschaftliche, kulturelle und wirtschaftliche Dimension, so etwa mit der jahrzehntelangen britischen Militärpräsenz, dem kulturellen Austausch sowie der großen Zahl britischer Firmen in NRW, bis hin zur regionalen Partnerschaft zwischen der Metropole Ruhr und dem Großraum Manchester. Das Jubiläumsjahr sei nicht nur ein Grund zum Feiern, sondern auch eine Chance, um zehn Jahre nach dem Brexit verbliebene Hürden gemeinsam anzugehen. Ziel sei es, neue Impulse für die Zusammenarbeit zu setzen. Dank der Landesinitiative „Europa-Schecks“ konnten bereits zahlreiche lokale Projekte wie Schüleraustausche oder Bürgerbegegnungen realisiert werden. Der Kensington-Vertrag gebe zwar den Rahmen vor, entscheidend sei jedoch das Engagement der Menschen vor Ort.

Podiumsdiskussion „10 Jahre Brexit und die Zukunft der NRW-britischen Städtepartnerschaften“




Die anschließende Podiumsdiskussion wurde moderiert von Wolfram Kuschke, Staatsminister a.D., sowie Kuratoriumsvorsitzender der Auslandsgesellschaft und gleichzeitig Initiator und ehrenamtliche Leitung der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften. Gemeinsam mit den Podiumsgästen widmete er sich der Frage, welche Beeinträchtigungen in Kommunen, Partnerschaftsvereinen, in der Diplomatie sowie in der Politik durch den Brexit erlebt worden und wie diesen in den vergangenen Jahren begegnet worden sei. In den Blick genommen wurden auch mögliche Impulse, um deutsch-britische Städtepartnerschaften für die Zukunft gut aufzustellen, sowie Potentiale und Perspektiven von Regionalpartnerschaften. Ebenfalls Thema war auch der „Kensington-Vertrag“ (offiziell Vertrag über Freundschaft und bilaterale Zusammenarbeit), das Abkommen zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich, das die Beziehungen beider Länder nach dem Brexit auf eine neue Grundlage stellt. Der Vertrag wurde im Juli 2025 unterzeichnet und im März 2026 vom Deutsche Bundestag ratifiziert.
Unter den Podiumsgästen war Rafe Courage in einer Doppelrolle zugegen ; als ehemaliger Generalkonsul für Nordrhein-Westfalen hatte er seinerzeit die Gründung der Regionalpartnerschaft zwischen dem Ruhrgebiet und der Region Greater Manchester begleitet, seit seinem Eintritt in den Ruhestand ist er als Leitung für Regional- und Städtepartnerschaften und Schulkooperationen bei der British-German Association (BGA) im Vereinigten Königreich tätig. Die gemeinnützige BGA setzt sich als zivilgesellschaftliche Organisation im Vereinigten Königreich seit Jahrzehnten dafür ein, die deutsch-britischen Beziehungen zu stärken und auszubauen. Rafe Courage widmet sich in seiner Position mit besonderer Aufmerksamkeit den deutsch-britischen Städtepartnerschaften und konnte von zahlreichen best practice Beispielen berichten. Seine Nachfolgerin als Britische Generalkonsulin in Düsseldorf, Roseanna Watson, brachte aktuelle Zahlen und Beispiele aus ihrem Wirken in NRW ein. Die Perspektive der Politik wurde von der Landtagsabgeordneten Astrid Vogelheim vermittelt, die in ihrer Rolle als stellvertretende Vorsitzende der Parlamentariergruppe NRW-Großbritannien zugegen war. Prof. Dr. Ilka Mindt schließlich, die den Lehrstuhl für Englische Sprachwissenschaft am Institut für Anglistik und Amerikanistik der Universität Paderborn leitet, vertrat auf dem Podium den Deutsch-Englischen Club Paderborn e.V., der bereits seit Jahrzehnten enge Kontakte mit seinen britischen Partnern in Bolton pflegt und aufgrund der britischen Militärpräsenz in Paderborn besonders enge Beziehungen – auch institutioneller Art – mit dem dortigen britischen Militärpersonal unterhält. Etwa ein Drittel der Vereinsmitglieder sind britische Staatsbürger.
Vorstellung der Landesinitiative Europa-Schecks durch zwei erfolgreiche Projekte mit UK-Bezug
Die Landesinitiative „Europa-Schecks“ wurde 2023 als eine niedrigschwellige Initiative von der nordrhein-westfälischen Landesregierung ins Leben gerufen. Sie löste den früheren Wettbewerb „Europa bei uns zu Hause“ ab. Organisiert sind die „Europa-Schecks“ als ein fortlaufender Wettbewerb, bei dem Vereine, Kommunen, Schulen und andere gemeinnützige Träger Zuschüsse beantragen können. Für Projekte mit britischem Bezug eignet sich das Programm hervorragend, da das Vereinigte Königreich als Mitgliedsland des Europarates in die Förderrichtlinien eingeschlossen ist. Gerade im Kontext von 80 Jahren Freundschaft zwischen NRW und dem Vereinigten Königreich werden Vorhaben unterstützt, die Städtepartnerschaften pflegen, grenzüberschreitende Begegnungen organisieren oder neue Kooperationen aufbauen. Auch Ausstellungen zum Leben in Vereinigten Königreich nach dem Brexit, fachlicher Austausch für junge Menschen oder ähnliche Projekte, die den Europagedanken stärken, sind förderfähig.
Der Verein „Freundeskreis Enniskillen“ erhielt im Jahr 2025 eine Förderung durch die „Europa-Schecks“ mit seinem Projekt „Urban diplomacy“ zur Städtepartnerschaft Bielefeld Brackwede mit dem nordirischen Enniskillen. Vorgestellt wurde das Projekt von Andreas Kimpel, dem Co-Vorsitzenden des Vereins „Freundeskreis Enniskillen“.


Im Jahr 2026 erhielten die Stadt Borken und der Partnerschaftsverein Borken einen Europa-Scheck für ihr Projekt einer Netzwerkkonferenz der Partnerstädte mit Beteiligung britischen Partner sowie der Erstellung eines Konzepts zur Verjüngung der Städtepartnerschaften durch Einbindung der Auszubildenden (Social-Media-Projekt). Vorgestellt wurde dieses Projekt von Verena Boland von der Stadt Borken sowie Reinhard Elsing vom Partnerschaftsverein Borken.
Mittagsimbiss und Markt der Möglichkeiten
Während des Mittagsimbiss gab es die Möglichkeit, sich mit den anderen Teilnehmenden, den Referent*innen und Moderator*innen zu vernetzen. Parallel fand ein Markt der Möglichkeiten statt mit Info-Ständen von Institutionen und Vereinen, die aufgrund ihrer Angebote zu Projektfinanzierung und Vernetzung für die Teilnehmenden des Städtepartnerschaftsgipfels von Interesse waren. Dazu gehörten:
– Landesregierung Nordrhein-Westfalen
– Auslandsgesellschaft.de e.V. und Europe Direct Zentrum Dortmund
– Deutsch-Britische Gesellschaft Düsseldorf und Berlin
– UK-German Connection und IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublk Deutschland e.V.
– Stipendienprogramm nrw:exchange der Landesregierung
— für Auszubildende in Handwerk, Industrie und Handel, Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks e.V. (LGH)
— für Sprachreisen und Begegnungsmaßnahmen für Lehrkräfte und Schüler*innen mit bigeno (Die Genossenschaft für Bildung)
– Business Metropole Ruhr des Regionalverbands Ruhr









Workshop 1: Städtepartnerschaften, Jugend und Wirtschaft: best practice Beispiele für die Zusammenarbeit und Ideen für die Zukunft
(Moderation Roman Kurth, Referent der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften)
In diesem Workshop wurden die vier vorangegangenen Online-Veranstaltungen des Projekts in einer Synthese zusammengeführt.
Waren im Februar 2026 zunächst wichtige Akteure im deutsch-britischen Verhältnis vorgestellt worden, widmete sich die Veranstaltung im Februar der jungen Zielgruppe im schulischen und außerschulischen Austausch und nahm dafür geeignete Fördermittel in den Blick. Im April 20206 ging es in die nächstältere Zielgruppe mit dem Fokus auf Förder- und Austausch-Instrumente für Auszubildende sowie Hochschulstudierende, besonders im Hinblick auf den Wiederbeitritt des Vereinigten Königreichs zu Erasmus+, der für das Jahr 2027 geplant ist und bereits jetzt auf vielfältige Weise vorbereitet wird. Im Mai 2026 schließlich waren die Brücken zwischen Städtepartnerschaften und der Unternehmenswelt Thema, um anhand von Bedarfen und Beispielen herauszufinden, wo und wie Städtepartnerschaften von deutschen bzw. britischen Unternehmen als Akteure bereits wahrgenommen werden und umgekehrt, und welche Synergien sich zwischen beiden herstellen lassen – sei es im Bereich Fachkräftequalifizierung, Veranstaltungssponsoring, oder Bearbeitung aktueller politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Herausforderungen. Drei Grundfragestellungen sollten die Diskussion strukturieren:
- Welche Potentiale bieten Städtepartnerschaften für junge Menschen, und zwar für ihre Persönlichkeitsentwicklung, den Blick hinter den Horizont, ihr internationales Verständnis, und ihre berufliche Perspektive?
- Welche Potentiale bieten Städtepartnerschaften für die lokale und regionale Unternehmenswelt, also im Hinblick auf Image und Verankerung in Stadt und Umland, Fachkräftegewinnung, internationale/globale Perspektiven, sowie Kooperationen, Innovationen und wirtschaftliche Impulse?
- Wie können Städtepartnerschaften ihrerseits davon profitieren, sowohl junge Menschen als auch die Wirtschaft mehr in ihre Aktivitäten einzubeziehen, also etwa über Vermittlung von Praktika, Hospitationen, Ausbildungsplätzen, Arbeitsplätzen in der Partnerstadt für junge Menschen, bzw. deren Unterstützung und Förderung mit Stipendien, allgemein Weiterbildungsmaßnahmen im Bereich Sprachen/ Internationales oder auch Sponsoring von Veranstaltungen oder Reisen durch lokale bzw. regionale Wirtschaftsunternehmen mit Verbindung zum Partnerland?
Moderiert wurde dieser Workshop von Roman Kurth, dem Referenten der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften der Auslandsgesellschaft.de e.V., der kurzfristig für seine erkrankte Kollegin einsprang.
Die Podiumsgäste brachten zu diesen Fragen sehr unterschiedliche Perspektiven ein. So berichtete Michael Volkhausen, Lehrkraft am Otto-Hahn-Gymnasium in Herne, von dessen Schulpartnerschaft mit der Parrs Wood High School in East Didsbury im Großraum Manchester, einer Schulpartnerschaft zwischen den Regionalpartnern Ruhrgebiet und Greater Manchester, die kurze Zeit nach Abschluss der Regionalpartnerschaft 2020 durch die Netzwerkstelle Städtepartnerschaften vermittelt worden war. Der Schulaustausch war zunächst mit einem Scoutingbesuch durch das Schulministerium NRW gefördert wurden, seitdem fanden bereits mehrere Hin- und Rückbegegnungen der jungen Menschen aus Herne und aus Manchester statt.
Robin Phillips, ehrenamtlicher „Chair for the North-West“ bei der British-German Association (BGA) konnte nicht nur von seiner eigenen beruflichen Erfahrung berichten – er war über viele Jahre als Manager bei Siemens mit deutsch-britischen wirtschaftlichen Beziehungen befasst und auch in der regionalen Handelskammer von Manchester aktiv – sondern auch von den Angeboten der BGA, die etwa in den vergangenen Jahren eine Datenbank deutsch-britischer Städtepartnerschaften veröffentlicht, ein Netzwerk regionaler Berater für Städtepartnerschaften bzw. ihre Vereine aufgebaut, eine Liste aller britischen Schulen mit Deutschunterrichtsangebot erstellt und sich für die Gründung und den Ausbau von deutsch-britischen Regionalpartnerschaften eingesetzt hat. Zudem hat die BGE im Mai 2026 eine neue „BGA Twinning Strategy“ verabschiedet, um ihre Städtepartnerschaften zukunftsfest zu machen. Robin Phillips sprach u.a. von der wirtschaftlichen Situation in Greater Manchester und den Herausforderungen, die sich durch den Rückgang von Deutsch-Lernenden im britischen Schulsystem ergeben wie durch Pandemie, Brexit und chronischem Geldmangel in den britischen Kommunen. Große Potentiale insbesondere für Städtepartner, bei der Fachkräftequalifizierung in beiden Ländern zusammenzuarbeiten, sieht er bei den “Local Skills Improvement Plans”, einer Initiative der britischen Regierung, um die Bedarfe der Unternehmen durch eine systematische und strategische Qualifizierung der arbeitenden Bevölkerung besser unterstützen zu können. Der britische Wiedereintritt in Erasmus+ sei dafür eine hervorragende Chance, und eine Einbeziehung der Handelskammern, Colleges, Berufskollegs und Fachhochschulen auf beiden Seiten wäre ein sinnvoller erster Schritt dazu.
Micha Hoekstra brachte als Leiter der UK-German Connection für den Schulbereich in Deutschland die Perspektive dieser bilateralen Regierungsinitiative zur Förderung des deutsch-britischen Schul- und Jugendaustauschs ein. Die UK-German Connection war 2004 gegründet worden, um Kontakte, Freundschaften und das Verständnis zwischen jungen Menschen aus Deutschland und dem Vereinigten Königreich zu stärken. Seit wenigen Jahren erst gibt es mit dem Standort Bonn eine deutsche Zweigstelle. Die Organisation fungiert als zentrale Koordinierungsstelle und bietet verschiedene konkrete Förderungen und Programme an. U.a. unterstützt sie deutsche Schulen bei der Suche nach eine Partnerschule, fördert Mobilitäten im Rahmen von Partnerschaften und biete zudem ein Hospitationsprogramm für deutsche und britische Lehrkräfte. Hoekstra ist ursprünglich im Schuldienst Lehrer für Englisch und Sport und hat bis zu seiner Abordnung zum Pädagogischen Austauschdienst (PAD) 2025 an seiner Schule den Arbeitsbereich Internationale Projekte und Partnerschaften verantwortet.
Geoff Tranter schließlich vertrat die Erfahrung und die Ziele einer klassischen Deutsch-Britischen Gesellschaft und einer Städtepartnerschaft. Als gebürtiger Leedser setzt sich Tranter bereits seit Jahrzehnten u.a. im Rahmen der Auslandsgesellschaft in Dortmund für die Städtepartnerschaft Dortmund-Leeds ein. In dieser Rolle hat er Gymnasien und Berufsschulen für künftige Kooperationen vernetzt, den Austausch mit Handels- und Handwerkskammern aktiv vorangetrieben, zahlreiche Bürgerreisen in beiden Städten begleitet, und seit neuestem knüpft er zudem auch kulinarische Kontakte, etwa mit der Vermittlung von Kontakten zwischen Mikro-Brauereien in Leeds und Dortmund.
Leider kurzfristig verhindert war Peter Brock, u.a. Vorsitzender der Deutsch-Britischen Gesellschaft (DBG) Düsseldorf, Mitglied im NRW Komitee der British Chamber of Commerce in Germany, Mitglied der ehemaligen Enquête Kommission Brexit und kooptiertes Mitglied der Parlamentariergruppe NRW-Großbritannien. Er hätte u.a. berichtet von den von der DGB an Studierende vergebenen Stipendien, um im Vereinigten Königreich studieren zu können, von der Unterstützung durch die DGB von Schulaustauschen mit britischen Partnern sowie auch des Debattierwettbewerbs der International English Library Düsseldorf (IEL).
Workshop 2: Fußball, Rugby, Golf, Schwimmen, Highland Games… – wie Sport NRW mit dem Vereinigten Königreich verbindet
(Moderation Prof. Dr. Jürgen Mittag, Deutsche Sporthochschule Köln)
Sport und Städtepartnerschaften, das ist eine Kombination, die zwar bereits seit dem Beginn städtepartnerschaftlicher Aktivitäten existiert, aber bis heute eher unter dem Radar läuft – und das völlig zu Unrecht, da gerade der über alle Sprachen erhabene Sport eine besonders niederschwellige und freudebringende Verbindung quer durch alle Bevölkerungsgruppen ermöglicht.
Mit der britischen Besatzung nach dem Zweiten Weltkrieg spätestens schwappte auch die Sportbegeisterung der Briten und ihr Sinn für ungewöhnliche Sportarten nach Deutschland und NRW, so dass es sich lohnt, auf diese zahlreichen und teilweise sehr individuellen Austausche den Blick zu richten.
In Prof. Dr. Jürgen Mittag, dem Leiter des Instituts für Europäische Sportentwicklung und Freizeitforschung (IESF) an der Deutschen Sporthochschule Köln, hatte dieser Workshop einen Moderator, der sich selbst bereits seit vielen Jahren mit Forschung zu den Schnittstellen von Sport, Politik und Gesellschaft befasst. Seine Schwerpunkte umfassen hierbei die politische Instrumentalisierung, soziale Dimensionen und Strukturen des Sports, wie auch etwa internationale sportdiplomatische Beziehungen und der Vergleich nationaler Sportsysteme in Europa. Vor diesem Hintergrund konnte Prof. Mittag in seiner Einführung erläutern, inwiefern das Vereinigte Königreich Pionier war in der Entwicklung des Sports, und wie dieser von einem Phänomen lediglich für Adel und gehobene Klassen über Colleges und Universitäten bis zu einem für die breite Bevölkerung wurde, ja, dank der Ausdehnung des britischen Commonwealths sogar bis in die damals britisch dominierten Teile der Welt.
Grundfragen in diesem Workshop waren die Rolle des Sports in den NRW-britischen Städtepartnerschaften ab Gründung bis heute, aber auch die Rolle von Sport ganz allgemein als verbindendes Element in Städtepartnerschaften, und sein möglicherweise bislang noch ungenutztes Potential. Zu letztem könnten etwa neue Formate zählen wie Sportfeste zu britischen Sportarten, oder auch die gemeinsame Teilnahme binationaler Gruppen an nationalen Sportereignissen. Aber auch das historische Erbe und die soziale Funktion von Sportstrukturen sind es wert, näher beleuchtet zu werden – und schließlich sind für viele Vereine gerade die pragmatischen Fragen von vordringlichem Interesse, etwa von Einreiseerleichterungen ins Vereinigte Königreich.
Christiane Lösel berichtete aus ihrer langjährigen Erfahrung in der Leitung des Büro Internationales der Stadt Münster von der dortigen Partnerschaftsarbeit –Münsters britische Partnerstadt ist York – und insbesondere den „Twin City Games“, einem internationalen Sportfest, das Jugendliche aus den Partnerstädten der Stadt zusammenbringt. Dabei konnte sie auch auf ihre bisherigen beruflichen Erfahrungen zurückgreifen, u.a. als Referentin für Internationales bei der Sportjugend NRW und im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (BVB Fanprojekt). Die von Münster ins Leben gerufenen „Twin City Games“ verbinden sportlichen Wettbewerb mit kulturellen Begegnungen und Workshops zu Themen wie Fairtrade und Fairplay. Sie finden in der Regel über mehrere Tage statt und umfassen ein Programm aus verschiedenen Sportarten.
Sebastian Schüttler, Vorstand der Partnerschaftsvereinigung West Lothian – Hochsauerlandkreis e.V., ist seit vielen Jahren im Partnerschaftsverein aktiv. Sein Verein nutzte Fußballveranstaltungen während der Europameisterschaften zum gemeinsamen Feiern und Beisammensein mit den britischen Partnern, und organisierte u.a. den gemeinsamen Besuch des Fußballmuseums in Dortmund. Die Pandemie brachte ihn vor einigen Jahren aber auch zu einer hierzulande noch relativ unbekannten Sportart, dem britischen Rasenbowling. Damals suchte sein Kegelclub nach sicheren Alternativen unter freiem Himmel, um trotz der Kontaktbeschränkungen gemeinsam aktiv zu bleiben. Als Vorbild diente die traditionelle englische Sportart „Lawn Bowls“ (Rasenbowling), die perfekt an die damaligen Abstands- und Hygieneregeln im Freien angepasst werden konnte. Resultat: eine neue Vereinsgründung und mittlerweile auch Teilnahme an Partnerschaften im Vereinigten Königreich.
Leni Antwerpen brachte die junge Perspektive in die Diskussion ein. Sie ist Jugend-Basketballtrainerin beim New Basket 92 Oberhausen e.V. sowie Jugendsprecherin der Sportjugend Oberhausen (Jugendorganisation des SSB Oberhauen e.V.), aktiv für die Sportjugend NRW, und zudem Vertreterin der Initiative Junges Ehrenamt in NRW. Ihr eigener Weg zum Ehrenamt – zunächst als Trainerin, dann in verschiedenen Funktionen im organisierten Sport – eröffnete ihr zahlreiche neue Perspektiven sowie, was ihr besonders am Herzen liegt, die Möglichkeit, junge Menschen durch den Sport in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu begleiten – also sowohl Spaß an der Bewegung zu vermitteln, wie auch sportliche Werte wie Gemeinschaft, Fairness und gegenseitigen Respekt. In ihren Augen sind auf kommunaler Ebene Vereine wichtige Partner, um konkrete Kontakte und Austauschtreffen zu organisieren – auf Landesebene ist die Sportjugend NRW mit einer extra eingerichteten Abteilung für Internationale Jugendarbeit ein wichtiger Partner, der die Vereine bei der Organisation solcher Begegnungen unterstützen und diese ermöglichen kann. So kommen neue Ideen aus dem Partnerland zurück in den eigenen Sportverein, das Ehrenamt oder einfach nur in den eigenen Kopf.
Eine lange persönliche Geschichte verbindet Frank Langen, den Vorsitzendes des noch jungen Vereins Uerdinger Highlander e.V. in Krefeld, mit dem Vereinigten Königreich. Seit über fünfzig Jahren ist er mit einer britischen Familie aus der Krefelder Partnerstadt Leicester befreundet, der erste Kontakt lief über einen Fußballaustausch mit Gastfamilien. Sein Fall zeigt ganz klassisch, dass ein Aufenthalt in einer britischen Gastfamilie für das Englischlernen mehr bringen kann als aller Schulunterricht zusammengenommen – und dazu die Begeisterung für das andere Land weckt und lebenslange Freundschaften ermöglicht. Eine Schottlandreise vor einigen Jahren inspirierte Langen zu einem eigenen Tartan (Schottenmuster) dank der Hilfe eines dortigen Kiltmachers, der aus den Uerdinger Farben Blau und Rot und den Nebenfarben Schwarz und Gelb ein Muster kreierte, welches Langen in Schottland im Tartanregister 2022 unter dem Namen „Uerdingen“ weltweit schützen ließ. Von da kam eins zum anderen, und Langen zum Organisieren von Highlandgames im heimischen Krefeld Uerdingen – einem sportlichen Familienfest für Jung und Alt mit schottischer Tradition – und schließlich zur Gründung eines Vereins. Langen hat seine Aktivitäten seitdem stetig weiter ausgebaut: Ausrichtung eines „British Day“ in Krefeld, Einbeziehung von Stadtmarketing, Kammerchor, Sprachschulen, British Women Club, dem schottischen Clan Donald, Einladung britischer Schwimmclubs aus Leicester zu einem Trainingslager beim Uerdinger Schwimm-Club, Einrichtung eines eigenen Inklusionsteams für die Highlandgames, Angebot von Highlandgames für Schüler*innen in einem Berufskolleg und in einer Grundschule, und Erstellung von Materialien für den Englischunterricht zum Thema Highlandgames…










Workshop 3: British Army in NRW: Ansätze eines zukunftsorientierten Netzwerks mit lokal-regionaler Vergangenheit
(Moderation: Silvia Werner, Leitung Europe-Direct Dortmund)
Hinweis: richtigerweise sollte der Titel des Workshops „British Forces“ lauten, also die Britischen Streitkräfte insgesamt bezeichnen, von denen die Armee nur ein Teilbereich ist.
Immer wieder tauchen sie auf: die Verbindungen zwischen der jahrzehntelangen britischen Militärpräsenz in NRW und den im gleichen Zeitraum landesweit entstehenden NRW-britischen Städtepartnerschaften. Von den heute etwa 142 NRW-britischen Städtepartnerschaften sind über ein Dutzend gleich in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg geschlossen worden, also vor 1955. Ob in der diesem Projekt vorgeschalteten Umfrage bei Kommunen und Vereinen zum Jahreswechsel 2025/26, ob bei Jubiläumsfeiern, in Zeitungsartikeln, oder durch persönliche Berichte; diese Verbindungen haben Spuren hinterlassen, sowohl bei den stationierten britischen Soldaten und ihren Angehörigen, als auch bei der einheimischen Bevölkerung vor Ort.
Diesen Spuren nachzugehen, ihre historische Bedeutung zu erfassen, auf ihre Potentiale für die Zukunft in den NRW-britischen Beziehungen zu schauen, sollte der Zweck dieses Workshops sein. Leitend waren dabei die folgenden Fragestellungen – natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
- Welche Verbindungen gab es über die Jahrzehnte zwischen den in NRW stationierten Briten und ihren deutschen Nachbarn? Inwiefern haben diese Verbindungen mit der Gründung von NRW-britischen Städtepartnerschaften zu tun?
- Was haben die britischen Militärs und ihre Angehörigen über die Jahrzehnte an Erfahrungen aus NRW mitgenommen, was haben sie seitdem vielleicht vermisst? Gibt es Netzwerke für Briten mit NRW-Vergangenheit? Falls nein: warum nicht? Falls ja: wer könnte davon berichten? Wozu könnten sie nützen – etwa auch mit Blick auf die heutigen Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und Deutschland?
- Das Verhältnis der Briten zu ihrem Militär war immer ein besonderes. Auch das Verhältnis der Deutschen zu ihrer Bundeswehr war von Anfang an komplex. Gab oder gibt es einen Austausch, ein Nachdenken, eine Diskussion zwischen britischen Militärs und ihren deutschen Nachbarn zu diesem unterschiedlichen Stellenwert von Militär in den jeweiligen Gesellschaften? Vielleicht gibt es, vor dem Hintergrund der heutigen geopolitischen Lage und der neuen Debatte über die Wehrpflicht in Deutschland, auch Veränderungen?
- Mit Bezug zur vorangehenden Frage, kann man vielleicht den Bogen weiter spannen zu Fragen der gesellschaftlichen Resilienz und der Rolle der Präsenz von Militär/Bundeswehr in der öffentlichen Wahrnehmung? Was wären Lehren für die Zukunft?
- Und zurück zu den Städtepartnerschaften: könnten die NRW-britischen Städtepartnerschaften ein geeignetes Forum für diese Diskussion bieten? Welche Synergien gibt es möglicherweise zwischen den aufgeworfenen Fragen, den NRW-britischen Städtepartnerschaften und den verschiedenen Militär-Netzwerken beider Länder?
Die eingeladenen Podiumsgäste brachten zu diesen Fragen eine Vielzahl spannender Perspektiven und tiefgehendes Fachwissen ein. Moderiert wurde der Austausch von Silvia Werner, Leiterin des Europe-Direct Dortmund, welches sich im Herbst 2026 in einer Veranstaltungsreiche der Debatte um die Wehrpflicht ebenso widmen wird wie Fragen der gesellschaftlichen Resilienz.
Den Auftakt machte die Historikerin Dr. Bettina Blum, dieu.a. im Rahmen eines DFG-Projekts eine wissenschaftliche Aufarbeitung der britischen Streitkräfte in Deutschland vorgelegt hat, mit Beschreibung der Auswirkungen auf die Gesellschaft vor Ort. Sie ist Autorin des Buchs „British Forces in Germany: A Transnational History of Soldiers, Families and German Communities, 1945–2019” (Veröffentlichung 27. Juli 2026 bei Routledge). Zu ihren weiteren Forschungsgebieten zählen international vergleichende Besatzungsforschung, Geschlechtergeschichte und Polizeigeschichte.
In Paderborn ist der Standort des letzten verbliebenen britischen Militärlagers in NRW, und über Colonel Thomas Jefford gibt es enge Verbindungen zum dortigen Städtepartnerschaftsverein für die Partnerschaft mit Bolton. Colonel Jefford ist Commander des NATO Support & Training Centre, also Kommandant der britischen militärischen Einheit in Paderborn-Sennelager und für die Zusammenarbeit mit deutschen Behörden und Institutionen zuständig. Als Schirmherr des Deutsch-Englischen Clubs Paderborn fördert er den kulturellen und gesellschaftlichen Austausch zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich und unterstützt Projekte, die die Beziehungen zwischen den beiden Ländern stärken.
Susan Speller ist Britische Honorarkonsulin für Ostwestfalen-Lippe. Diese Stelle mit Sitz in Paderborn wurde von der britischen Botschaft in Berlin anlässlich des 75. Jahrestages der „Operation Marriage“ geschaffen. Die Rolle ist ein Zeichen für das anhaltende Engagement des Vereinigten Königreichs für die deutsch-britische Freundschaft in NRW und insbesondere in Ostwestfalen-Lippe. Spellers Hauptaufgabe ist es, die britische Botschaft bei der Unterstützung britischer Staatsangehöriger in der Region in Not- oder Krisensituationen zu helfen. Sie engagiert sich bei der Stärkung der deutsch-britischen Partnerschaft in der gesamten Bandbreite der Themenbereiche, und besonders für die Vernetzung von Unternehmen, Bildungseinrichtungen und kommunalen Akteuren. Zuvor war Speller u.a. britische Generalkonsulin in Düsseldorf und Pressesprecherin der britischen Botschaft in Berlin.
Nochmal einen anderen Blickwinkel auf das Thema brachte Professor Dr. Patrick Sensburg ein, seines Zeichens Jurist, Reservist, Bundestagsabgeordneter a.D. (und dort seinerzeit u.a. Mitglied im Verteidigungsausschuss), bis April 2026 insgesamt sieben Jahre Präsident des Reservistenverbandes, und seit 2025 Vorsitzender der Europa-Union NRW. Somit konnte Sensburg aus der Perspektive des deutschen Militärs berichten, sowie auch aus einem gesamteuropäischen Blickwinkel. Als Absolvent eines Advanced Command and Staff Course in Shrivenham (2023) hat Sensburg zudem auch eigene Verbindungen ins Vereinigte Königreich.
In der anschließenden Diskussion brachte auch das Publikum vielfältige persönliche Erfahrungen und Kenntnisse ein. So etwa ein Vertreter des sogenannten „Germany Enabling Office“ der Britischen Streitkräfte, ein Vertreter von Schulen der Britischen Streitkräfte an ihren Standorten in NRW, ein Vertreter der Reservistenkameradschaft Duisburg, sowie verschiedene Vertreter der Royal British Legion, die in NRW eine Reihe von Filialen unterhält. Die Royal British Legion (RBL) ist die größte Wohltätigkeitsorganisation für britische Streitkräfte, Veteranen und deren Familien, gegründet 1921. Mit über 180.000 Mitgliedern und ca. 2.100 Zweigstellen (darunter auch einige in Deutschland) bietet sie finanzielle, soziale und emotionale Unterstützung. Bekannt ist sie zudem für die Organisation des Remembrance Day und den Verkauf von „Poppies“. Verbindungen zwischen den RBL und NRW-britischen Städtepartnerschaften bestehen bereits seit langer Zeit, jedoch bislang nicht systematisch.
Zum Abschluss des Workshops waren sich alle Beteiligten einig, dass die Verzahnung der beiden Themen -Städtepartnerschaften und Militär- mit deutsch-britischem Fokus in Form von weiteren Austauschformaten zwischen den Akteuren fortgesetzt werden sollte.
Workshop 4: Kultur in all ihren Facetten – best practices und Inspiration
(Moderation: Astrid Vogelheim, MdL, Stellvertretende Vorsitzende der Parlamentariergruppe NRW-Großbritannien)
Kulturelle Verbindungen sind in vielen NRW-britischen Städtepartnerschaften zentraler Bestandteil der Zusammenarbeit. Gemeinhin denkt man beim Stichwort Kultur an bildende und darstellende Künste, Musik, Literatur und Medien. Für diesen Workshop erweitern wir den Begriff jedoch auf vieles mehr, was in der kommunalen Praxis tatsächlich gelebt wird, und zwar die Gesamtheit der Lebensweisen, Werte, Traditionen und des zivilgesellschaftlichen Zusammenlebens. Dazu gehören dann etwa auch Erinnerungskultur, Soziokultur, Religion, Musik, Demokratie- und Institutionenkultur, Bildung und Wissenschaft. Insbesondere seit dem Brexit kommt den kulturellen Verbindungen eine wichtige Gestaltungsfunktion als „Soft Power“ zu, um den Austausch abseits rein wirtschaftlicher oder politischer EU-Rahmenbedingungen direkt auf Bürgerebene lebendig zu halten.
Auf dem Podium saßen entsprechend unterschiedliche Persönlichkeiten aus ganz verschiedenen Bereichen. Moderiert wurde der Workshop von Astrid Vogelheim, der stellvertretenden Vorsitzenden der Parlamentariergruppe NRW-Großbritannien, die selbst in ihrer Schulzeit über ihre britische Städtepartnerschaft vor Ort Erfahrungen im Vereinigten Königreich sammeln konnte.
Dr. Susanne Jaschko, Head of Arts beim British Council Germany, berichtete von der Einrichtung Cultural Bridge und dem Fonds Soziokultur, der im Programm 2026–2027 über zwanzig britisch-deutsche soziale Kunstpartnerschaften fördert, davon einige in NRW. Häufig klinken sich hierbei lokale Kulturvereine aus Partnerstädten ein, um innovative, gesellschaftsrelevante Programme (z. B. zu Diversität oder Klimawandel) umzusetzen, auch wenn nicht alle Kooperationen immer aus etablierten Partnerstädten stammen. Aktuelle Beispiele von geförderten Projekten finden sich in der Zusammenarbeit etwa von Sheffield-Duisburg, Middlesbrough-Oberhausen, Portsmouth-Pulheim, Shropshire-Köln, Belfast-Schermbeck, Leicester-Krefeld, und Leeds-Dortmund. Der British Council Germany (gegründet 1959) ist die offizielle Vertretung des British Council in Deutschland, der weltweit agierenden Organisation des Vereinigten Königreichs für internationale Kulturbeziehungen und Bildungschancen. Er hat seinen deutschen Hauptsitz in Berlin und ist das britische Äquivalent zum deutschen Goethe-Institut. Nach dem Brexit und dem Wegfall europäischer Mobilitätsprogramme (wie Erasmus+) hat sich die strategische Rolle des British Council in Deutschland verändert und intensiviert. Die Kernaufgaben teilen sich in die drei Säulen Bilaterale Jugend- und Schulnetzwerke, Kultur- und Kreativwirtschaft sowie Wissenschaft und Hochschulen. Für den Wiederbeitritt des Vereinigten Königreichs zum Programm Erasmus+ im Jahr 2027 ist der British Council erneut als nationale Agentur zur Umsetzung des Programms benannt worden.
Dagmar Benedix ist Geschäftsführerin des Orchesters der Landesregierung Düsseldorf e.V., das seit vielen Jahren seinem Partnerorchester Reading Symphony Orchestra in der Partnerstadt Reading freundschaftlich verbunden ist. Das Orchester der Landesregierung Düsseldorf e.V. fungiert als kultureller Botschafter der Landesregierung und arbeitet regelmäßig mit internationalen Partnern zusammen. Die Zusammenarbeit mit dem Partnerorchester Reading Symphony Orchestra umfasst gemeinsame Konzerte, Austauschprogramme für Musiker*innen und die Förderung von Musikprojekten, die beide Orchester verbinden. Die Freundschaft zwischen Reading und Düsseldorf begann direkt nach dem Zweiten Weltkrieg. Die britische Armee hatte Düsseldorf besetzt und das Royal-Berkshire-Regiment war in Düsseldorf stationiert. Die damalige Bürgermeisterin Phoebe Cusden initiierte einen sehr erfolgreichen Jugendaustausch, der weiter fortgeführt wurde. Viele kulturelle Verbindungen haben sich so entwickelt. Die offizielle Städtepartnerschaft wurde 1988 unterzeichnet. Die Düsseldorf-Reading Association unterstützt zusammen mit der Landeshauptstadt Düsseldorf die bürgerschaftlichen Projekte im Rahmen der Städtepartnerschaft, unter anderem aus den Bereichen Sport und Musik.
Von der langjährigen Verbindung über Religion und Kirche berichtete Ursel Rudolph, sie ist seit vierzehn Jahren bereits Vorsitzende der Kirchenkreispartnerschaft Dortmund/Lünen mit Salford. Kirchliche Partnerschaften zwischen NRW und britischen Städten sind bislang weniger systematisch dokumentiert, aber doch vorhanden. Kirchen und Gemeinden in beiden Ländern pflegen oft individuelle Partnerschaften, die über Städtepartnerschaften hinausgehen. Beispiele finden sich in der ökumenischen Arbeit, etwa zwischen Gemeinden im Vereinigten Königreich und NRW, mit gegenseitigen Besuchen, gemeinsamen Gottesdiensten und sozialen Projekten. Ursel Rudolph war maßgeblich an der Entwicklung der Kirchenpartnerschaft zwischen Lünen (Kreis Unna, Regionalverband Ruhr) und Salford (Stadtteil von Greater Manchester) beteiligt. Aus einer anfänglichen Gemeindepartnerschaft von Brambauer (größter Ortsteil von Lünen) mit Gemeinden in Salford entstand 1984 eine Kirchenkreispartnerschaft, an deren Aufbau und Gestaltung sie federführend mitwirkte. Rudolph arbeitet eng mit der Evangelischen Kirchengemeinde Lünen und ihren Partnern in Salford zusammen, um Brücken zwischen den Gemeinden zu bauen – sei es durch Jugendaustausch, soziale Projekte oder gemeinsame Gottesdienste. Ein kürzlich neu hinzugewonnenes Thema für den Austausch ist der Klimawandel und das Thema Nachhaltigkeit. So informierten sich Delegationen aus beiden Städten über die jeweiligen Klimaschutzmaßnahmen ihrer Partner, die britische Seite erhielt Gelegenheit, das niederrheinische Braunkohlerevier zu besuchen.
Etwas aus dem kulturellen Themenrahmen hinaus fiel mit dem Thema Partnerschaft botanischer Gärten der Fachbereich von Dr. Maria Hohn-Berghorn. Zwar gehört Gartenkultur ganz klar auch zur Kultur, insbesondere im historisch gartenbegeisterten Vereinigten Königreich. Gleichzeitig aber öffnet diese Art von Kultur das Themenfeld sehr weit für alles, was mit Natur- und Umweltschutz, Bewahrung von Artenvielfalt, sowie auch mit Stadtbegrünung und Anpassung an veränderte Klimabedingungen zu tun hat – Stoff genug eigentlich für einen eigenen Workshop, aber an dieser Stelle zumindest ein Einblick in dieses weite Themenfeld. Dr. Maria Hohn-Berghorn war seit 1995 wesentlich am Ausbau Bonns als UNO-Stadt und internationaler Standort beteiligt. Sie war Ideengeberin für Ansiedlungen, Aktivitäten in internationalen Netzwerken und für den Ausbau der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit. 2013 übernahm sie die Leitung des „Liaison Office Internationale Wissenschaft“ mit dem Ziel, Netzwerke und strategische Partnerschaften zwischen Bonner Wissenschaftseinrichtungen und internationalen Organisationen zu etablieren. Diese internationale Erfahrung brachte sie mit, als sie vor einigen Jahren das Ehrenamt der Präsidentin des Freundeskreises Botanische Gärten der Universität Bonn e.V., übernahm. Bonn unterhält seit 1947 eine Städtepartnerschaft mit Oxford. Da seit 2012 auch zwischen den Botanischen Gärten der Universität Bonn und dem Botanischen Garten von Oxford eine Partnerschaftsvereinbarung besteht, lag es für den Freundeskreis der Botanischen Gärten der Universität Bonn nahe, diesen Vertrag auch seinerseits zu unterstützen. Der Freundeskreis hat über 1500 Mitglieder und unterstützt mit seinen Mitteln (Mitgliedsbeiträge, Spenden usw.) Maßnahmen im Garten, die nicht durch das Wissenschaftsministerium des Landes NRW finanziert werden können. So finanziert er etwa zu einem beträchtlichen Teil die „Grüne Schule“, die für Umweltbildung, v.a. auch für Kinder und Jugendliche steht. Rund 35 ehrenamtliche Mitarbeiter*innen entwerfen Exkursionsprogramme etc., um Geldmittel für die Förderung verschiedener Maßnahmen zugunsten der Gärten zusammenzubringen. Aus diesen Mittel werden jährlich 1500 Euro für den Austausch von Gärtner*innen mit Oxford zur Verfügung gestellt.





Netzwerken bei Kaffee und Kuchen
Nach den Workshops ging die Veranstaltung in eine Netzwerkphase bei Kaffee und Kuchen über, bei der sich informell ausgetauscht werden konnte.
Dokumente zur Veranstaltung zum Download
Programm auf Deutsch | Programm auf Englisch
Liste NRW-britischer Städtepartnerschaften
Veranstaltungsberichte vorangegangener Online-Veranstaltungen zum Thema NRW-britische Städtepartnerschaften
- Auftaktveranstaltung NRW-britische Städtepartnerschaften im Jubiläumsjahr 2026 | 25. Februar 2026 | 11-13 Uhr – https://staedtepartnerschaftennrw.org/veranstaltungsbericht-auftaktveranstaltung/
- NRW-britische Städtepartnerschaften | „Fördermittel, Schul- und Jugendaustausch“ | 25. März 2026 – https://staedtepartnerschaftennrw.org/veranstaltungsbericht-2-veranstaltung-nrw-vk-2026/
- NRW-britische Städtepartnerschaften | „Erasmus+, Hochschul- und Berufsbildung“ | 16. April 2026 – https://staedtepartnerschaftennrw.org/veranstaltungsbericht-3-veranstaltung-nrw-vk-2026/
- NRW-britische Städtepartnerschaften | „Brücken zwischen Städtepartnerschaften und der Unternehmenswelt“ | 07. Mai 2026 – https://staedtepartnerschaftennrw.org/veranstaltungsbericht-4-veranstaltung-nrw-vk-2026/
Impressionen des Städtepartnerschaftsgipfels NRW meets UK
Düsseldorf | 29.06.2026























Alle Fotos -wenn nicht anders angegeben- : Auslandsgesellschaft.de e.V. / Caroline Seidel
