Nordrhein-westfälisch-britische Städtepartnerschaften im Jubiläumsjahr 2026


„Brücken zwischen Städtepartnerschaften und der Unternehmenswelt“ in NRW-britischen Städtepartnerschaften am Donnerstag, 07.05.2026 | 11-13 Uhr | Online


Am 07. Mai 2026 fand die vierte digitale Veranstaltung im Rahmen des Projekts zu nordrhein-westfälisch-britischen Städtepartnerschaften statt. In dieser vierten und letzten Digital-Veranstaltung wurde der Blick auf die Brücken zwischen Städtepartnerschaften und der Unternehmenswelt gerichtet. Gibt es sie überhaupt ? Wo gibt es Beispiele guter Praxis? Wie denken die jeweiligen Akteure – ob Kommunen, Städtepartnerschaftsvereine, deutsch-britische Gesellschaften, Handelskammern oder Unternehmen – über mögliche Verbindungen zu der anderen Seite ? Und welchen Sinn könnten diese Verbindungen überhaupt machen, welche Funktion erfüllen? Welche Rolle könnten größere Cluster, wie Regionalpartnerschaften, spielen ? Eingeladen waren Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Seiten, um aus ihren Perspektiven einen ersten Überblick zusammenzusetzen. Nach einer kurzen Einleitung durch die Netzwerkstelle ging es direkt in die einzelnen Beiträge.
–> Präsentation Netzwerkstelle Städtepartnerschaften
Wie können Unternehmenskontakte deutsche-britische Städtepartnerschaften stärken, wo liegen Herausforderungen und Chancen – die britische Perspektive
Den Auftakt machte Robin Phillips, Chair for the North-West, British-German Association (BGA), der mit seiner persönlichen Vorstellung direkt deutlich machte, wo Synergien und Mehrwert zu finden sind – so deckt er selbst mit seiner langjährigen Vergangenheit als Siemens-Manager im Vereinigten Königreich, sowie Positionen u.a. in der University of Manchester, der Greater Manchester Chamber of Commerce und German British Chamber of Industry & Commerce North und seiner jetzigen ehrenamtlichen Rolle in der British-German Association, die ganze Bandbreite zwischen Zivilgesellschaft, Wirtschaft, und Forschung ab. Phillips sprach über die wirtschaftliche Situation in Greater Manchester und die Potentiale, die sich daraus ergeben, ließ aber auch die Herausforderungen nicht aus, die sich u.a. durch den Rückgang von Deutsch-Lernenden im britischen Schulsystem ebenso ergeben wie durch Pandemie, Brexit und chronischem Geldmangel in den britischen Kommunen. Große Potentiale sieht er bei den “Local Skills Improvement Plans”, einer Initiative der britischen Regierung, um die Bedarfe der Unternehmen durch eine systematische und strategische Qualifizierung der arbeitenden Bevölkerung besser unterstützen zu können. Bei diesen Plänen gäbe es zahlreiche Möglichkeiten für internationale Partner, insbesondere Städtepartner, bei der Fachkräftequalifizierung in beiden Länderen zusammenzuarbeiten. Der britische Wiedereintritt in Erasmus+ sei dafür eine hervorragende Chance, und eine Einbeziehung der Handelskammern, Colleges, Berufskollegs und Fachhochschulen auf beiden Seiten wäre ein sinnvoller erster Schritt dazu. Eine Möglichkeit, diesen Ansatz zu vertiefen, böte sich, so Phillips, bei der im Juni 2026 in Manchester stattfindenden Königswinter-Konferenz.
–> Präsentation Robin Phillips, Britisch German Association (BGA)
Die Regionalpartnerschaft Ruhrgebiet–Greater Manchester: Welche Anknüpfungspunkte gibt es, welche könnte es geben?
Lena Maria Brümmer, Projektmanagerin, Internationalisierung & Standortmarketing, Business Metropole Ruhr GmbH, stellte die Business Metropole Ruhr (BMR) vor, die unter dem Schirm des Regionalverbands Ruhr (RVR) als seine Wirtschaftsförderungsgesellschaft die Aktivitäten der regionalen Wirtschaftsförderungen vernetzt und mit eigenen Initiativen eine größere Sichtbarkeit für die Region schafft. Sie erläuterte das Anliegen und die Strategie von RVR und BMR, internationale Partnerschaften einzugehen, und stellte die bisher erfolgten Initiativen und Projekte mit dem britischen Partner Region Greater Manchester vor. Dabei kam sie insbesondere auf die junge Initiative des Innovation Summit zu sprechen, der abwechselnd in Manchester und im Ruhrgebiet stattfindet, und welche Möglichkeiten sich durch diese und andere Veranstaltungsformate für die Kommunen mit britischer Partnerschaft ergeben könnten. Ebenso wie zuvor Philipps ging auch Brümmer explizit auf die zahlreichen Vorteile des Wirtschaftsstandorts „Ruhrgebiet“ sowie „Greater Manchester“ ein, die – aufgrund einer ähnlichen Erfahrung mit Bergbau und Strukturwandel und aktueller Ambitionen in zukunftsträchtigen Branchen – sich 2021 zu einer strategischen Partnerschaft zusammengeschlossen haben, die mit der Dachmarke „Innovation Bridge“ die Sichtbarkeit gemeinsamer Initiativen erhöht und staatlichen Institutionen, Wissenschaft und Wirtschaft zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung miteinbezieht.
–> Präsentation Lena Maria Brümmer, Business Metropole Ruhr GmbH
Britische Unternehmen in NRW: welche Rolle könnte eine NRW-britische Städtepartnerschaft am Unternehmensstandort spielen? Gibt es Schnittmengen?
Chris Craggs, CEO von MCFT in Maidenhead, UK (Niederlassung MCFT Deutschland GmbH in Bochum), brach in seinem Beitrag eine Lanze für die kulturelle und sprachliche und letztlich auch die (geo)strategische Dimension von Unternehmensstandorten und -kontakten in und mit verschiedenen Ländern, sowie – besonders hervorzuhben – die große Bedeutung der Qualifizierung der eigenen Mitarbeitenden, u.a. durch Praktika und Weiterbildung im Ausland und durch starke Vernetzung mit Handelskammern, Wirtschaftsförderungen, (Berufs-)Schulen und (Fachhoch-)Schulen vor Ort an den Unternehmenstandorten. Anhand einer Reihe von Leitfragen stellte er den Weg seines eigenen Unternehmens – im Bereich Großküchentechnik – in die Internationalisierung dar, wie es dank der Unterstützung der Landeswirtschaftsförderung NRW.Global Business zu der Eröffnung des Standorts Bochums gekommen war, und wie er vor Ort sein Netzwerk seitdem weiter ausbaut. In Craggs Fokus steht besonders der Wiedereintritt des Vereinigten Königreichs in europäische Bildungsprogramme wie Erasmus+, und der Aufbau einer neuen Generation von Führungskräften in beiden Ländern.
–> Präsentation Chris Craggs, MCFT
Welche Rolle spielt die Wirtschaft bei der traditionsreichen deutsch-britischen Königswinter-Konferenz?
Mari Mittelhaus kam auf die bereits eingangs erwähnte deutsch-britische Königswinter-Konferenz, ihren historischen Hintergrund und aktuelle Bedeutung in den deutsch-britischen Beziehunge zu sprechen. Sie ist Geschäftsführerin der Deutsch-Britischen Gesellschaft (DBG), dort Vorstandsmitglied seit 2024, und verantwortlich für das Netzwerk der deutsch-britischen Vereinigungen in Deutschland und die Organisation der Königswinter Konferenzen der DBG, sowie stellvertretende Vorsitzende der Young Königswinter Alumni e.V. Dabei wurde deutlich, auf welch lange Tradition die Deutsch-Britische Gesellschaft und das Netzwerk ihrer 14 regional zuständigen Mitgliedsgesellschaften zurückblicken können.
Wichtig zu wissen ist in diesem Zusammenhang, dass längst nicht alle der wohl über fünfzig deutsch-britischen Gesellschaften in ganz Deutschland sich unter dem Dach der Deutsch-Britischen Gesellschaft versammeln, und auch die deutsch-britischen Städtepartnerschaftsvereine (bislang ohne eigenen Dachverband), von denen es allein in NRW über hundert gibt, noch zur großen Zahl der zivilgesellschaftlichen deutsch-britischen Vereinswelt zuzurechnen ist. Sie alle haben ihre jeweils eigenen Satzungen und Vereinsziele, auch wenn ihre Sichtbarkeit aufgrund ihres vor allem lokalen Engagements auf Landes- oder Bundesebene bislang eher gering ist, und in einer Vernetzung daher großes Potential liegen könnte.
Die DBG, von ihrer Seite, widmete sich von Anfang an der Vernetzung zwischen zivilgesellschaftlichen Akteuren, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, sowie den großen gesellschaftlich-politisch-wirtschaftlichen Themen – und spricht mit ihren (oft von global players gesponserten) Konferenzformaten bis heute insbesondere die Führungspersönlichkeiten dieser Bereiche in beiden Ländern an. So entwickelten sich früh thematische oder zielgruppenorientierte Ableger der ursprünglichen Konferenz, etwa mit der Jung Königswinter Konferenz, der Economic Königswinter Konferenz, sowie der Defence Königswinter Konferenz, die auch eigene und sehr aktive Alumni-Strukturen hervorbrachten, zuletzt mit dem New Königswinter Future Lab am 16 April 2026, bei welchem der neue Kensington treaty intensiv diskutiert wurde. Dass der Mittelstand hier bislang eher eine kleinere Rolle spielt, wird bei der DBG jedoch gesehen und aktuell neue Ideen dazu entwickelt, hier ebenfalls in eine verstärkte Zusammenarbeit zu kommen – zum Beispiel auch dank Formaten wie des „Innovation Summit“ zwischen den Regionalpartnern Ruhrgebiet und Greater Manchester.
–> Präsentation Mari Mittelhaus, Deutsch-Britische Gesellschaft
Welche Synergien bestehen zwischen Außenhandelskammern und Vereinen/Zivilgesellschaft bei der Förderung deutsch-britischer Beziehungen? Wie kommt man zusammen?
Im letzten Beitrag ging es in verschiedenen Facetten weiter um die Verbindungen zwischen Zivilgesellschaft und Wirtschaft. Dazu erläuterte Peter Brock, wie er seine verschiedenen Positionen und Titel zum Wohl der deutsch-britischen Beziehungen zueinander in Beziehung setzt. Brock ist 1. Vorsitzender der Deutsch-Britischen Gesellschaft Düsseldorf, Mitglied im NRW Komitee der British Chamber of Commerce in Germany, Mitglied der ehem. Enquête Kommission Brexit und kooptiertes Mitglied der Parlamentariergruppe NRW-Großbritannien. Er sprach sich für eine Weiterentwicklung des Themenspektrums der Deutsch-Britischen Gesellschaft Düsseldorf aus, und stellte die verschiedenen Initiativen und Formate vor, in denen diese bereits Unterstützung leistet hinein in Ausbildung, Weiterbildung und Forschung – etwa mit Schüler- und Studierendenaustauschen, der Ausrichtung einer „debating competition“ unter Teilnahme von 8 Düsseldorfer Gymnasien, sowie zahlreichen Veranstaltungen zu historischen und aktuellen Themen. Er verwies zudem auf die Verteilerliste seines Vereins, über welche die aktuellen und kommenden Veranstaltungen beworben werden.
Zudem stellte Brock die Aktivität der Parlamentariergruppe NRW-Großbritannien im Landtag vor, die auf ihren regelmäßigen Delegationsreisen ins Vereinigte Königreich wichtige Kontakte pflegt. Schließlich kam Brock noch auf Initiativen wie die des British Business Club Düsseldorf zu sprechen. Auch erwähnte er noch einmal explizit die zahlreichen Empfehlungen und Hinweise u.a. für Unternehmen im deutsch-britischen Bereich, die im 354-Seiten starken Abschlussbericht der Enquête Kommission Brexit des Landtags zusammengetragen sind, und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass diese noch in die Umsetzung gelangen mögen.
Der Austausch im Gefolge der verschiedenen Beiträge war, wie jedes mal, sehr lebhaft. So konnten die Referent*innen und Teilnehmende einander zahlreiche Fragen beantworten und hilfreiche Kontakte vermitteln, etwa zur Schweißindustrie („Welding“) in Duisburg oder Kontakten in der Region Yorkshire. Eine weitere Rückfrage betraf das British-German Forum Wilton Park; hier konnte Mari Mittelhaus berichten, dass dieses leider aus Kostengründen nicht fortgeführt werden konnte. Seitem richte die UK-Botschaft in Berlin Veranstaltungen für Alumni des British-German Forums und der Jung Königswinter gemeinsam aus.
Mit über vierzig Teilnehmenden aus Vereinen, Kommunen, Wirtschaftsförderungen und anderen Bereichen traf diese thematisch sehr dichte vierte und letzte Veranstaltung der Online-Serie erneut auf großes Interesse ganz unterschiedlicher Gruppen im NRW-britischen Bereich und konnte eine Reihe neuer Ideen und Vernetzungen anstoßen.
Terminvorschau
29. Juni 2026 – Städtepartnerschaftsgipfel NRW meets UK: 80 Jahre Freundschaft im Landtag NRW, Düsseldorf |
–> Einladung und Anmeldung
Fotos: pixabay
