Nordrhein-westfälisch-britische Städtepartnerschaften im Jubiläumsjahr 2026

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Fördermittel, Schul- und Jugendaustausch am Mittwoch, 25. März 2026 | 11-13 Uhr | Online

Angebote für den Schulaustausch mit dem Vereinigten Königreich

–> zur Präsentation Schulministerium NRW

In der Diskussion wurde besonders die Rückkehr des Vereinigten Königreichs zum Erasmus+ Programm ab 2027 hervorgehoben, welche neue Möglichkeiten für den Schüler- und Jugendaustausch eröffnet. Beim Austausch zu Möglichkeiten des internationalen Freiwilligendiensts nach NRW wurde allgemein bedauert, dass das Programm „kulturweit“ leider ab 2027 eingestellt wird – ein wichtiger Einschnitt für internationale Freiwilligendienste. Weitere Informationen hierzu sind auf der Website des PAD zu finden.

Deutsch-britischer Jugendaustausch, die schulische und außerschulische Perspektive

Einen Rundumblick über die schulische und die außerschulische Perspektive auf den deutsch-britischen Jugendaustausch auf Bundesebene boten Julia Müller vom deutschen UK-German Connection Büro im Schulbereich (angesiedelt beim Pädagogischen Austauschdienst) und und Christina Gerlach, Leiterin des Geschäftsbereichs Internationale jugendpolitische Zusammenarbeit bei der Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. (IJAB), in einer gemeinsamen Präsentation. Sie stellten die Entwicklung von IJAB und UK-German Connection über die vergangenen Jahre vor und erklärten die Verbindungen zu den entsprechenden staatlichen Stellen auf beiden Seiten. Zudem gaben sie einen Überblick über die jeweiligen Angebote ihrer Institution im Jugend- bzw. Schulbereich, sowie auch über die Bereiche, die jeweils nicht gefördert werden können. Klar benannten beide Expertinnen die zahlreichen Herausforderungen, die im deutsch-britischen Austausch bestehen, und erläuterten Lösungsansätze und Perspektiven. Weiterführende Links in der Präsentation geben Auskunft zu Themen wie Einreisebestimmungen, Safeguarding und Sicherheit.

–> zur Präsentation UK German Connection PAD und IJAB

Von großer Bedeutung für die künftige Zusammenarbeit ist – so Christina Gerlach – der Kensington-Vertrag (offiziell: Vertrag über Freundschaft und bilaterale Zusammenarbeit), der im Juli 2025 von den Regierungschefs beider Länder in London unterzeichnet wurde. Der Vertrag soll nach den Verwerfungen des Brexits eine neue Ära der engen Partnerschaft einläuten und umfasst Bereiche wie Verteidigung, Wirtschaft, Energie, Wissenschaft sowie auch den gesellschaftlichen Austausch. Die Stärkung der Beziehungen zwischen den Menschen – insbesondere der Jugend – ist eine der zentralen Säulen des Vertrags. Der Kensington-Vertrag und die daraus sich ergebenden Projekte sehen wichtige Erleichterungen und Bestrebungen gerade für den Schüleraustausch vor – etwa die Wiedereinführung von Schülersammellisten, die Förderung bestehender Strukturen, den Ausbau von Mobilität und Bildung, aber auch bilaterale Veranstaltungen, um junge Menschen direkt miteinander zu vernetzen. Zu letzterem gehört der deutsch-britische Jugendgipfel (UK-Germany Youth Summit), der im März in Berlin stattfand. Christina Gerlach brachte direkte Eindrücke von dieser Zusammenkunft mit, die als Kooperationsprojekt des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ), des Department for Education (DFE) und des Department for Digital, Culture, Media and Sport (DCMS) stattfand. Betraut mit der Durchführung des Projekts waren IJAB und der British Council. 

Gründung neuer Schulpartnerschaften: Praxisbeispiel Dortmund-Leeds

Ein konkretes Beispiel, wie eine neue Schulpartnerschaft ins Leben gerufen werden kann, welche Hürden es dabei geben, und wie man diese überwinden kann, gaben in einer gemeinsamen Präsentation Geoff Tranter, Leiter der Deutsch-Britischen Gesellschaft in Auslandsgesellschaft und Florian Hagebeucker vom Heisenberg-Gymnasium Dortmund.

Geoff Tranter gab zunächst einen Überblick über die Städtepartnerschaft Dortmund-Leeds, deren Wurzeln bis ins Jahr 1949 zurückreichen, und erläuterte die Situation des Deutschunterrichts in der britischen Partnerstadt. So gibt es in der fünfgrößten britischen Stadt nur noch ein halbes Dutzend Schulen mit dem Fach Deutsch, von denen nur zwei bis zum Abschluss A-Level unterrichten, dem Pendant des deutschen Abiturs. Zu dieser Herausforderung kommen die Problematik der Familienunterbringung aufgrund der notwendigen Vorlage eines „erweiterten Führungszeugnisses“ der britischen Gasteltern, sowie die Spät-Folgen von Brexit und Pandemie. Dennoch konnte ein Kontakt mit der Ralph Thoresby School in Leeds geknüpft werden – über das Department of International Relations der Stadt Leeds, und zähe Bemühungen an die Adresse der Schulen in Leeds mit Schulfach Deutsch. Parallel wandte sich das Heisenberg-Gymnasium Dortmund an UK German Connection in Bonn, die den Kontakt mit der Deutsch-Britischen Gesellschaft in Dortmund herstellten. Nach der Kontaktaufnahme der Lehrkräfte der beiden Schulen begannen die Beziehungen der Schülerinnen und Schüler mit Penpal-Kontakten. Im Januar 2026 konnte schließlich eine erste Leeds-Fahrt des Heisenberg-Gymnasiums stattfinden – mit dem Reisebus sowie einem Umweg über York aufgrund von der preiswerteren Unterbringungsmöglichkeit in einer Jugendherberge dort. Das abwechslungsreiche und inspirierende Programm vor Ort in Leeds begeisterte dann alle Teilnehmenden – mit dabei war ein Besuch der Partnerschule, eine Stadtrallye mit Schnitzeljagd und ein eigener Empfang beim Lord Mayor mit kleinen Gastgeschenken, Tee und traditionellen „Biscuits“ sowie einer feierlichen Eintragung im Gästebuch. Die Rückreise erfolgte über Canterbury and Calais. Im Nachgang reflektierten die Schülerinnen und Schüler ihre Erfahrungen, insbesondere die Unterschiede im Schulsystem und Eindrücke zum Thema Nachhaltigkeit. Geplant sind nun weitere gegenseitige Besuche und Penpal-Kontakte. Mittlerweile ist eine weitere Schulpartnerschaft zwischen Dortmund und Leeds in der Anbahnung. Schlussfolgerung des Praxisbeispiels: im Zusammenspiel mehrerer engagierter Akteure – Verein, Schule, Kommune, UK-German Connection – und durch kluge und innovative neue Formate und eine pfiffige Reisegestaltung können Schulpartnerschaften auch vor dem Hintergrund größerer Hindernisse erfolgreich an den Start gehen.

–> zur Präsentation Deutsch-Britische Gesellschaft Dortmund und Heisenberg Gymnasium Dortmund

Praxisbeispiel trilateraler Austausch Dortmund – Leeds – Cluj-Napoca

Ein weiteres überaus erfolgreiches Praxisbeispiel, diesmal für den Jugendaustausch, stellten Johannes Schaffeldt und Miriam Golda-Langner vom Jugendring Dortmund vor. Sie berichteten von den internationalen Verbindungen, die bereits die Gründung des Jugendrings 1946 begleiteten, und erläuterten die Strukturen des Jugendrings Dortmund und seine Anbindung an städtische Stellen sowie die breite Palette seiner Angebote. 2021 kam über eine Anfrage des American Council on Germany der Stein ins Rollen – und zwar mit dem Vereinigten Königreich, da die Fördemittelakquise hier einfacher schien als für die USA. Auch hier lief die Verbindung ins britische Leeds über das Büro für Internationales der Stadt Dortmund und das International Relations Office in Leeds. Für eine erste Reise wurde ein Antrag auf Zuschuss beim Landesjugendamt gestellt. Der Erfolg des vielgestaltigen Programms – Politik, soziale Projekte, Tourismus, Nachhaltigkeit, Erinnerungskultur, Demokratie, Junges Engagement, Diversität und Empowerment – zog weitere Projekte nach sich. Ausführlich erläuterten Johannes Schaffeldt und Miriam Golda-Langner die weitere Entwicklung des Projekts, das bald mit der Einbeziehung der rumänischen Partnerstadt Dortmunds Cluj-Napoca ein trilaterales wurde, und gingen auf Herausforderungen und Erfolge ein. Mittlerweile haben sich die Kontakte nach Leeds diversifiziert – mit Einbeziehung etwa von DGB Jugend und TUC Leeds, von SJD – Die Falken und Woodcraft Folk Leeds, von Naturfreundejugend sowie Climate Action, oder auch von Jufo Jugendfeuerwehr und dem West Yorkshire Fire and Rescue Service.

–> zur Präsentation Jugendring Dortmund 

Schlussfolgerung und Ausblick

Die verschiedenen Beiträge stießen auf großes Interesse der Teilnehmenden, die detaillierte Nachfragen stellten und die Gelegenheit nutzten, sich untereinander zu vernetzen. Die mit viel Begeisterung und einigem Augenzwinkern vorgestellten Praxisbeispiele zeigten, dass Durchhaltevermögen, Humor, Ideenreichtum und Erfindungsgeist wesentliche Zutaten gelungener Austauschprojekte sind. Gleichzeitig wurde deutlich, an wie vielen Stellen unterschiedliche Akteure daran arbeiten, Lösungen zu finden, um den deutsch-britischen Dialog lebendig und zukunftsfähig zu gestalten.
 

Terminvorschau
16. April 2026 – online – NRW-britische Partnerschaften: Erasmus+, Hochschul- und Berufsbildung | –> Einladung und Anmeldung
07. Mai 2026 – online – Brücken zwischen Städtepartnerschaften und Unternehmenswelt | Einladung folgt
29. Juni 2026 – Städtepartnerschaftsgipfel NRW meets UK: 80 Jahre Freundschaft im Landtag NRW, Düsseldorf | Einladung folgt


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