Offenes Austauschformat Forum Städtepartnerschaften NRW für Städtepartnerschaftsvereine

Online | 27.05.2026 | 18-20 Uhr

Das 24. Forum Städtepartnerschaften NRW bot erneut eine Plattform für den Austausch von Partnerschaftsvereinen aus ganz Nordrhein-Westfalen. Im Mittelpunkt standen aktuelle Herausforderungen, innovative Ideen und bewährte Praxisbeispiele rund um die Pflege internationaler Beziehungen. Besonders betont wurde die Bedeutung von Emotionen, persönlichen Kontakten und langfristigen Bindungen – sei es durch Sport, Kultur, Schulen oder Wirtschaft. Wie von einem Verein ermutigend betont wurde, seien bereits zwei engagierte Personen – eine pro Partnerschaft –  ausreichend, um nachhaltige Aktivitäten zu initiieren und zu tragen.

Ein zentrales Anliegen war die Attraktivität der Vereine und ihrer Angebote für junge Menschen. Viele Vereine stehen vor der Herausforderung, ehrenamtliche Vorstände zu verjüngen und neue Zielgruppen zu erreichen. Gleichzeitig wurde die Bürokratie als Hürde für neue Engagierte thematisiert, etwa durch erforderliche Führungszeugnisse oder komplexe Antragsverfahren.

Fördermittel

Die Diskussion um Fördergelder war, wie oft, das Einstiegsthema. Verwiesen wurde direkt auf die Website der Netzwerkstelle mit einem eigenen Bereich zum Thema Fördermittel sowie dem entsprechenden Kapitel in der Broschüre „Städtepartnerschaften Entwickeln-Leben-Ausbauen-Finanzieren“. Viele Hinweise finden sich zudem in Veranstaltungsberichten vergangener Ausgaben des „Forum Städtepartnerschaften NRW“.
Die NRW Landesinitiative Europa-Schecks wurden als erfolgreiches weil sehr niederschwelliges Instrument hervorgehoben. Ein Verein berichtete, er habe bereits zum zweiten Mal Mittel für Projekte wie Busfahrten oder kulturelle Veranstaltungen beantragt und erhalten – mit positiver Resonanz.

Der Deutsch-Französische Bürgerfonds steht insbesondere für Projekte mit Frankreich zur Verfügung, und fördert – anders als etwa die bilateralen Jugendwerke – auch generationenübergreifende Projekte.

Fördermittel speziell zu Städtepartnerschaften mit der Ukraine können beim 2024 abgeschlossenen Projekt Reallabor Ukraine eingesehen werden. Wichtig für NRW-Kommunen kann die bestehende Regionalpartnerschaft Nordrhein-Westfalens mit der Oblast Dnipropetrowsk sein. Für Fördermittel mit Ukraine-Bezug besonders interessant ist die SKEW (Servicestelle Kommunen in der Einen Welt).

Allgemein wird empfohlen bei der Antragstellung von Fördermitteln Kooperationspartner, falls vorhanden, mitanzugeben. Dank der Unterstützung eines Projekts durch Partnerorganisationen können die Erfolgschancen oft erhöht werden. Bei gemeinsamen Antragen kann eine Kooperation mit anderen Vereine und eine Teilung der anfallenden Kosten (z. B. bei gemeinsamen Veranstaltungen wie Konzerten) eine sinnvolle Strategie sein, um Ressourcen zu schonen. Manche Fördergeber bieten auch Fördermöglichkeiten für Übersetzungsbedarfe an; hier sollte jeweils in die Ausschreibungsunterlagen von Förderprogrammen geschaut und im Voraus explizit nachgefragt werden. Auch pfiffige neue Ideen können Win-Win-Situationen schaffen – wie in einem Praxisbeispiel, bei dem Auszubildende eines Fotostudios im Rahmen eines Projekts der Stadtverwaltung Fotos von einer Veranstaltung anfertigten von dieser Zusammenarbeit profitierten beide Seiten.

Vereinsarbeit & neue Zielgruppen

Ein großes Thema war die Erschließung neuer Zielgruppen für die Vereinsarbeit.  

Schulen und Bildungseinrichtungen:

Grundschulen und Gesamtschulen wurden als besonders zugänglich hervorgehoben. Ein Verein berichtete, dass eine frühe Einbindung und positive Erfahrungen mit Städtepartnerschaften, also bereits im Grundschulalter, oft eine wichtige Grundlage sind, damit diese jungen Menschen sich später selbst im Verein einbringen. Der Kontakt erfolgt dann über die Ansprache und Einladung der Lehrkräfte, die die Angebote an ihre Schülerinnen und Schüler weitergeben. Auch wenn es nicht immer so klappt wie geplant – in einem Fall hatte eine Lehrerin nur ihre Schüler*innen mitgeschickt, selbst aber nicht an der Austauschfahrt teilgenommen – ist der Ansatz grundsätzlich sehr erfolgversprechend. Aus einem Verein kam der Hinweis auf sein sehr erfolgreiches Projekt, bei dem in Kooperationen mit Uni und Berufskollegs für ältere Schülerinnen und Schüler ein „Job Shadowing“ angeboten wird – das regen Zuspruch erfährt.

Neben Austauschfahrten können auch andere niederschwellige Angebote an Schulen gemacht werden, etwa, wie ein Verein berichtet, ein Frankreich-Quiz. Dabei konnten die Jugendliche Preise gewinnen, wie kostenlose Fahrten oder Einladungen zu Vereinsveranstaltungen.

Sportvereine:

Sport funktioniert international nach denselben Regeln, und benötigt oft keine Fremdsprachenkenntnisse. Über diese „Brücke“ können Städtepartnerschaftsvereine neue Zielgruppen ansprechen und spannende Kooperationsprojekte auf die Beine stellen. Ein Verein berichtete von seinem sehr lebendigen Sportaustausch mit einer französischen Partnerstadt in der Bretagene, der seit Jahrzehnten erfolgreich läuft, mit Unterbringung in Gastfamilien und persönlichen Kontakten. Ein anderer von seinem Wunsch, den deutschen Breitensport für einen Austausch mit einer schottischen Partnerstadt zu nutzen, und dafür Kontakte aufzubauen.

Landwirt*innen

Aus einer ländlichen Kommune kamen besonders zahlreiche Beispiele der Einbeziehung verschiedener Zielgruppen, neben etwa Grund- und Gesamtschulen, Sportvereinen und Chören waren dort über die Städtepartnerschaft auch die lokalen Landwirte beider Seiten in Kontakt gekommen. Seitdem tauschen diese sich im Rahmen der Städtepartnerschaft ebenfalls aus, etwa durch gemeinsame Ausstellungsbesuche. Sprache spielt dabei eine untergeordnete Rolle; stattdessen stehen gemeinsame Erfahrungen und Aktivitäten wie gemütliches Beisammensein  bei Imbiss und Getränken sowie die lokale Identität im Vordergrund.

Feuerwehr oder Polizei

Von der erfolgreichen Zusammenarbeit dieser beiden Institutionen über die städtepartnerschaftliche Brücke konnten gleich mehrere Vereine berichten. Für den Jugendbereich spielt die freiwillige Feuerwehr oft eine große integrierende Rolle.

Kunstvereine

Kunst kennt keine Grenzen – und so können auch Museen, Künstler*innen und Kunstvereine sehr gut neue Brücken in die Partnerstädte schlagen. Das Kulturbüro Dortmund etwa unterstützt gezielt den künstlerischen Austausch zwischen Dortmunder Kulturschaffenden und den internationalen Partnerstädten. Im Zentrum steht hierbei das Förderprogramm KUNST.TRANSFER, das Kunst- und Kulturprojekte über Landesgrenzen hinweg finanziell und strukturell fördert. Zwischen Krefeld und seiner französischen Partnerstadt Dunkerque kooperieren die beiden Kunstmuseen. Aus einem Kunstverein kam die Idee und der Wunsch, eine große Veranstaltung mit Kunstvereinen aus allen Partnerstädten zu realisieren, dafür wurde noch nach Vorbildern und Finanzierung gesucht. Rückmeldung gab es aus einem anderen Verein, der für sich entschieden hatte, sich samt Satzung von einer rein im Kunsbereich verorteten Aktivität zu öffnen für weitere Projekte und Kooperationen, und der sich dadurch zahlreiche neue Fördermöglichkeiten erschlossen hat.

Musik

Auch Musik verbindet international, und es gibt zahlreiche gute Beispiele dazu, etwa auch beim letzten Tag der Städtepartnerschaften in Bielefeld einen Vortrag vom Landesmusikrat zu Möglichkeiten der Kooperation und Förderung von musikalischen Projekten innerhalb von Städtepartnerschaften. Aus einem Verein wird aktuell ein neues Projekt angegangen, einen Dudelsack-Kontest mit Erwachsenen mit einer schottischen Insel-Kommune als Partner auf die Beine zu stellen.  

Junge Erwachsene und Senior*innen:

Junge Erwachsene (z. B. Auszubildende) können über Auslandsaufenthalte und Austauschmöglichkeiten wie Erasmus+ oder Praktika angesprochen werden, die ihnen auch konkret in ihrer eigenen Lebensgestaltung und Entwicklung Chancen bieten. So organisiert ein Verein regelmäßig Hospitationen von Bäckerauszubildenden in der Partnerstadt. Als Herausforderung wird von einigen Vereinen gesehenen, dass ehrenamtliche Arbeit bei jungen Menschen an Attraktivität verliert zugunsten von Work-Life-Balance. Sinnvoll ist daher die Kopplung ehrenamtlicher Aktivätäten an den Erwerb von Kompetenzen durch das Engagement.

Schließlich sind auch Seniorinnen und Senioren eine wichtige Zielgruppe, gerade mit Hinblick auf die Generation der „Babyboomer“, die man in den Blick nehmen und ansprechen sollte.

Jubiläen

Feierlichkeiten bieten Gelegenheit, Partnerschaften sichtbar zu machen. Kooperationen innerhalb der eigenen Kommune sind möglich: Ein Beispiel zeigte, wie mehrere Vereine gemeinsam einen Europascheck beantragten. Aber auch mit den Städtepartnerschaftsvereinen anderer Kommunen kann man Projekte „poolen“; so plant etwa ein deutsch-französischer Partnerschaftsverein für das kommende Jahr die Einladung einer Sängerin aus Frankreich und sucht nach weiteren Interessierten für die Organisation einer Tour für diese mit mehreren Stopps, sowie zur gemeinsamen Bewerbung um Fördergelder.

KI & Digitalisierung

Übersetzungssoftware wie DeepL und ChatGPT werden von einigen Vereinen für kurze Texte (z. B. Einladungen) genutzt – die Ergebnisse waren, so die Rückmeldungen in der Runde, meist flüssig und gut verständlich. Grenzen gab es hingegen meist bei längeren Texten (ab 1–3 DIN-A4-Seiten), hier kam es öfters zu Fehlern (z. B. bei der Konzeption/ Dokumentation einer Ausstellung zur falschen Zuordnung von Ausstellungsstücken). Als Problem wurde auch genannt, dass die Künstliche Intelligent Dialekte mische (z. B. US-amerikanisches und schottisches Englisch) oder unpassende Formulierungen generiere – so sollte in jedem Fall ein Muttersprachler am Ende doch wieder die Texte final korrigieren und freigeben müssen, um Missverständnisse und „faux pas“ auszuschließen. Insbesondere bei rechtlicher Relevanz der benötigten Texte wurde von der Nutzung abgeraten.

Ein Verein berichtet über eigene Erfahrungen mit einem Tool zur Simultanübersetzung namens AICOOL, die Zufriedenheit damit war jedoch aufgrund fehlener Verlässlichkeit gering. Zudem wurde vor Abo-Fallen gewarnt. Angeblich soll es bei DeepL in den nächsten Monaten neue Entwicklungen in die Richtung Simultanübersetzung geben.

Bei der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) gibt es ein kostenloses Lernportal mit Hinweisen auch zu digitalen Angeboten zum Thema KI im Verein.

Länder

Marokko/Arabischsprachige Länder:

Eine neu gegründete Partnerschaft mit Marokko wurde vorgestellt. Über  Austauschprogramme wie Erasmus+ werde bereits nachgedacht. Für eine gewünschte Vernetzung zu anderen Partnerschaften mit arabischsprachigen Ländern gab es bei Nachfrage in der Runde nur wenige Kontakte – hier kann eine Abfrage bei der Datenbank des RGRE der kommunalen Partnerschaften helfen, es kann hier gezielt nach Ländern abgefragt werden.  

Türkei:

Ein Teilnehmer berichtete von seiner aktuellen Intitiative zum Aufbau einer neuen städtepartnerschaftlichen Verbindung mit der Türkei, bei der insbesondere die Gemeinsamkeit eines bedeutenden Kulturerbes auf beiden Seiten verbinden sein soll. Mit der kreativen Idee gemeinsamer Wanderungen wurde die Anbahnung der Partnerschaft auf einen guten Weg gebracht.

Dennoch sehen sich Engagierte bei städtepartnerschaftlichen Verbindungen mit der Türkei derzeit großen Herausforderungen gegenüber. Die politische Lage erschwere derzeit den Jugendaustausch. Früher seien direkte Aufenthalte in türkischen Verwaltungen möglich gewesen, heute müssten Anträge direkt in Deutschland gestellt werden. Andere Teilnehmende, die ebenfalls städtepartnerschaftliche Verbindungen zur Türkei hatten, teilweise mit jahre- oder jahrzehntelanger Erfahrung, boten sich spotant zum bilateralen Austausch im Nachgang der Veranstaltung an. Mögliche wertvolle Ansprechpartner zum Thema Austausch mit der Türkei sind zudem beim Zentrum für Türkeistudien in Essen, der Deutsch-Türkischen Jugendbrücke sowie der Parlamentariergruppe Türkei im Landtag in NRW zu finden. Auch die Netzwerkstelle hat bereits zu Städtepartnerschaften mit der Türkei Veranstaltungen angeboten.

Das Forum zeigte: Trotz bürokratischer Hürden und Herausforderungen bei der Gewinnung junger Menschen gibt es erfolgreiche Wege, um Aktivitäten von Städtepartnerschaftsvereinen nachhaltig zu gestalten – sei es durch Zusammenarbeit mit Schulen, Sportvereinen, Kulturvereinen oder weiteren Initiativen.

Kontaktliste der Vereine

Erneut wurde bei der Diskussion der Wunsch nach einer gemeinsamen Kontaktliste geäußert, damit sich die Vereine untereinander leichter kontaktieren könnten.

Gerne stellen wir hier einen Link zur Verfügung, über den Sie uns Ihren Verein und Ihre Kontaktdaten nennen können. Wir sammeln alle Kontakte in einer gemeinsamen Liste, die wir nur den dort genannten Personen im Anschluss zukommen lassen. Wir hoffen, mit diesem Angebot eine gute Lösung für die Vernetzungs- und Austauschwünsche der Partnerschaftsvereine zu schaffen.

Terminankündigung

Städtepartnerschaftsgipfel
„NRW meets UK: 80 Jahre Freundschaft“
Landtag NRW, Düsseldorf

Montag, 29. Juni 2026 | 10-16 Uhr
Anmeldung bis Dienstag, 09. Juni 2026
–> Einladung und Anmeldelink –> Programm

Berichte zurückliegender Veranstaltungen „Forum Städtepartnerschaften NRW“ zum Nachlesen finden Sie im
–> Archiv Online Veranstaltungen Forum Städtepartnerschaften NRW