alle Fotos: Horst Krückemeier/ Krückemeier Medien

Seit 2015 bietet die eintägige Konferenz alle zwei Jahre den nordrhein-westfälischen Städten, Gemeinden und Kreisen, die Städtepartnerschaften unterhalten oder sich dafür interessieren, eine Plattform für thematische Impulse, Austausch und Vernetzung. Der Einladerkreis umfasst neben Kommunen die Zivilgesellschaft sowie die kommunalen Spitzenverbände, Vertreter internationaler Organisationen und weiterer Multiplikatoren.

In diesem Jahr wurde der Tag der Städtepartnerschaften von der Landesinitiative Europa-Schecks des Ministers für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien und Chef der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen unterstützt.

Stolz auf gemeinsam Erreichtes, Ehrgeiz für die gemeinsame Zukunft

Grußworte

Karin Schrader
Bürgermeisterin Stadt Bielefeld

Bei ihrer herzlichen Begrüßung erwähnte die Bürgermeisterin der Stadt Bielefeld Karin Schrader die sieben Bielefelder Städtepartnerschaften sowie die Solidaritätspartnerschaft mit der Ukraine und mehrere Projektpartnerschaften, die mit Städten und Gemeinden im europäischen und nichteuropäischen Ausland gepflegt werden. Diese freundschaftlichen internationalen Beziehungen zeigten eindrücklich, so Schrader, dass fremde Menschen letztlich doch meist nur Freunde seien, die man einfach bislang noch nicht kennengelernt habe. Städtepartnerschaften seien ein Beitrag zum Frieden in Europa und in der ganzen Welt, bei denen deutlich werde, dass Menschlichkeit keine Grenzen kenne.

Der Präsident der Auslandsgesellschaft.de Klaus Wegener zeichnete die intensive Beschäftigung der Auslandsgesellschaft mit Städtepartnerschaften nach, die bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg mit zivilgesellschaftlichen Initiativen in Dortmund begann, aus denen die Auslandsgesellschaft hervorging. Mit Sprach- und Integrationskursen, Studien- und Bildungsreisen, Veranstaltungen zu politischer Bildung sowie fast dreißig bilateralen Länderkreisen baut die Auslandsgesellschaft zahlreiche Brücken über Länder-, Sprach- und Kulturgrenzen hinweg. Mit der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften sowie dem Tag der Städtepartnerschaften – der bislang in Münster, Düsseldorf, Hamm und Dortmund stattgefunden hat – gibt die Auslandsgesellschaft Kommunen und Zivilgesellschaft landesweit ein Forum für Austausch und Vernetzung.

Klaus Wegener
Präsident der Auslandsgesellschaft.de

Christian Wiermer
Staatssekretär für Europaangelegenheiten sowie Internationales des Landes Nordrhein-Westfalen

Er habe mit großer Aufmerksamkeit die Liste der Teilnehmenden des heutigen Tages gelesen, so Christian Wiermer, Staatssekretär für Europaangelegenheiten sowie Internationales des Landes Nordrhein-Westfalen, und sei beeindruckt von der Vielfalt und dem Facettenreichtum des Engagements in der Städtepartnerschaftslandschaft, die am heutigen Tag versammelt seien. Die große Zahl der Länder, zu denen Beziehungen unterhalten werde, und die thematische Bandbreite der Bereiche, in denen eine Zusammenarbeit stattfinde, sei eine große Bereicherung für Nordrhein-Westfalen. Wie wichtig es dabei ist, dass über dieses Engagement und diesen Einsatz auch öffentlich geschrieben und gesprochen wird – in lokalen und regionalen Medien insbesondere – wurde aus Wiermers Bericht über einen Zeitungsartikel deutlich. Bei seiner allabendlichen Zeitungslektüre las er in der Lokalpresse über einen Sechsjährigen, der bei den „Orangemen-Parades“ in der nordirischen Partnerstadt Enniskillen die Bielefelder Parade angeführt, und damit, so die Zeitung, die Partnerschaft „in die nächste Generation“ geführt habe. Damit sprach Wiermer auch direkt ein großes Problem vor allem der Städtepartnerschaftsvereine an, deren Gründergeneration nun im Rentenalter langsam aus der aktiven Arbeit ausscheidet und sich dringend Nachwuchs wünscht, um ihr Lebenswerk fortgeführt zu sehen. Städtepartnerschaften seien das Wurzelwerk der europäischen Zusammenarbeit, so der Staatssekretär, und unverzichtbar auch in der Zukunft. Deswegen unterstütze das Land NRW das europäische Engagement finanziell im Rahmen insbesondere der Landesinitiative Europa-Schecks und drücke so den Kommunen und Vereinen seine hohe Wertschätzung für die Vielfalt und die Qualität ihrer Projekte aus.

Andreas Wohland
Geschäftsführer Städte- und Gemeindebund
NRW

Mittagsimbiss

Dialog der Teilnehmenden und moderierte Gruppenarbeit

Neu im Programm des diesjährigen Tags der Städtepartnerschaften war die moderierte Gruppenarbeit, bei der die Teilnehmenden einander kennenlernen und miteinander in den Austausch kommen konnten.

In Zweiergruppen, Klein- und Großgruppen wurde mit Flipchart, Stellwand und Post-its zu den Themen Erfahrungsberichte & Perspektiven, Netzwerke, Nachwuchs, Öffentlichkeitsarbeit gearbeitet. Durch Austausch, Brainstorming, inhaltliche Verdichtung und thematische Strukturierung wurden zudem neue Methoden mit partizipativem Charakter geübt. Gleichzeitig wurde so ein landesweites Netz persönlicher Beziehungen angeregt.

Mittagsimbiss und Markt der Möglichkeiten

Während des Mittagsimbisses tauschten sich die Teilnehmenden intensiv miteinander sowie mit den beim Markt der Möglichkeiten vertretenen Institutionen aus. 

Engagement Global gGmbH, Servicestelle Kommunen in der Einen Welt

Landesinitiative Europa-Schecks

Auslandsgesellschaft.de und Europe Direct Dortmund

Kontaktstelle des EU-Programms „Bürgerinnen und Bürger, Gleichstellung, Rechte und Werte“ (CERV)

Deutsch-Polnisches Jugendwerk (DPJW)

Förderverein Deutsch-Niederländisches Jugendwerk e.V. (DNJW)

Servicestelle für mehr internationale Jugendarbeit in NRW / aktuelles forum e.V.

Betreiberplattform zur Stärkung von Partnerschaften kommunaler Unternehmen, Regionalbüro Ost der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH


Vorträge mit Q&A Sessions

Der Nachmittag war Impulsen aus verschiedenen thematischen Bereichen gewidmet, die für Städtepartnerschaften interessante und bislang oft noch ungenutzte Kooperationsmöglichkeiten bieten. Dazu gaben die Referentinnen und Referenten jeweils einen Überblick über ihr Thema bzw. die Strukturen der zivilgesellschaftlichen Initiativen in diesem Bereich in Nordrhein-Westfalen. Oft konnten zudem Fördermöglichkeiten aufgezeigt und konkrete Tipps dazu gegeben werden.

Foto: Dagmar Becker/ Auslandsgesellschaft.de e.V.

„Urban diplomacy“ ins Vereinigte Königreich: Fallbeispiel Brackwede-Enniskillen

Moderiert von Dr. Kai Pfundheller, Leiter der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften und des Instituts für politische Bildung der Auslandsgesellschaft, beschäftigte sich dieser Vortrag mit der Bedeutung von Städtepartnerschaften als „urban diplomacy“ auch in Zeiten politischer Veränderungen und Herausforderungen. Gerade vor dem Hintergrund des Brexit, der die Zusammenarbeit mit britischen Partnerkommunen erheblich erschwert hat, erhält die kommunale Diplomatie hier wachsende Bedeutung. Verwiesen wurde dabei mehrfach auf das 80-jährige Jubiläum Nordrhein-Westfalens im Jahr 2026, das Anlass biete, die historischen Bande zu Großbritannien – den „Taufpaten“ des Landes – zu stärken.

Unter dem Titel „Urban Diplomacy ins Vereinigte Königreich – Fallbeispiel Brackwede–Enniskillen“ berichteten Regina Kopp-Herr, Bezirksbürgermeisterin a.D. von Bielefeld-Brackwede und Vorsitzende des Vereins Freundeskreis Enniskillen, sowie Andreas Kimpel, stellvertretender Vorsitzender des Freundeskreises, über die Geschichte, Herausforderungen und Zukunft dieser deutsch-britischen Städtepartnerschaft, die bereits 1958 begründet wurde.

Kopp-Herr zeichnete die Entwicklung dieser Verbindung nach – von den ersten Begegnungen in der Nachkriegszeit über Phasen politischer Spannungen in Nordirland bis hin zur heutigen Wiederbelebung. Besonders eindrücklich schilderten sie, wie persönliche Kontakte und gegenseitiges Vertrauen selbst in Zeiten des Nordirlandkonflikts Bestand hatten. „Unsere Partnerschaft war nie reine Symbolik“, betonte Kopp-Herr, „sie war und ist gelebte Freundschaft über Grenzen hinweg.“ Andreas Kimpel berichtete über die Neugründung des Freundeskreises Enniskillen im August 2023. Der Schritt sei notwendig geworden, um die Partnerschaft organisatorisch zu stärken und neue Impulse zu setzen – insbesondere nach den Einschnitten durch den Brexit, der Förderprogramme wie Erasmus+ beendet und viele formale Hürden geschaffen habe. Kimpel betonte, wie handlungsleitend das Konzept von „urban diplomacy“ für den Verein gewesen sei, und das folgende Vorgehen strukturiert habe. So habe man sich in Brackwede zuerst die Frage gestellt, wie ein eigener Beitrag für ein friedliches Europa aussehen könne, und daraus formuliert, dass eine lebendige Städtepartnerschaft gerade mit Enniskillen als Hebel Teil davon sein könne. Schließlich wurde ein konkretes Vorgehen definiert: Zunächst Brainstormings und Workshops in der eigenen Gemeinde,  dann persönliche Begegnungen in Enniskillen und begleitend der Aufbau von vielen parallelen Brücken über eine Vielzahl an Themen und Gruppen. Der Freundeskreis wolle zudem gezielt junge Menschen ansprechen und neue Formen der Begegnung schaffen, etwa über digitale Austauschformate, Kulturprojekte oder berufliche Praktika.

Illustriert wurde der Vortrag durch eine bildreiche Ausstellung zur Partnerschaft, welche die beiden Vorsitzenden für die interessierten Teilnehmenden mitgebracht und im Veranstaltungssaal aufgebaut hatten.

Im anschließenden Gespräch mit dem Publikum stand die Frage im Vordergrund, wie kommunale Akteure auf den Wegfall europäischer Förderstrukturen reagieren können. Mehrere Teilnehmende berichteten von ähnlichen Herausforderungen in ihren eigenen Städtepartnerschaften mit britischen Gemeinden. Auf besonderes Interesse stießen die Pläne für das NRW-Jubiläumsjahr 2026. Brackwede und Enniskillen wollen das Jubiläum zum Anlass nehmen, die Partnerschaft mit einer Reihe von Begegnungen, Ausstellungen und einem Schüler*innenaustausch neu zu beleben. Dabei soll auch das Thema beruflicher Bildung wieder aufgegriffen werden – in Form von Austauschprogrammen für Auszubildende und jungen Fachkräften.

Die abschließende Fragerunde zeigte deutlich, dass „Urban Diplomacy“ als Ansatz über klassische Städtepartnerschaften hinausweist, etwa durch die thematische Bandbreite und die globale Perspektive. Ein weiterer wichtiger Punkt, der in der Diskussion zum Tragen kam, war die Auseinandersetzung mit kulturellen Unterschieden. Es scheint zwar eine Binsenwahrheit zu sein, dass Sprachkenntnisse allein eben noch kein kulturelles Verständnis füreinander bedeuten, aber kommt – so auch in den Beiträgen der Teilnehmenden – immer wieder vor, dass fehlende kulturelle Bildung zu Mißverständnissen führen kann. Verdeutlicht wurde dies durch Beispiele aus den deutsch-niederländischen Partnerschaften, aber auch den besonders sensiblen Kontext des Nordirlandkonflikts in der Partnerschaft mit Enniskillen. In der Auslandsgesellschaft hat man diesen Bedarf erkannt und bietet in diesem Jahr erstmals zusätzlich den bisherigen Angeboten der Sprachenabteilung als Pilotprojekt kostenlose interkulturelle Trainings an, die im November und Dezember 2025 stattfinden und einen Einblick in sieben verschiedenen Länder gewähren.

–> Download Broschüre Brackwede-Enniskillen

Ohne Worte: Musik überwindet Sprachbarrieren

Musik spielt seit den Anfängen der Städtepartnerschaften eine zentrale Rolle für Verständigung und Begegnung. Zahlreiche Chöre, Orchester und Bands pflegen bereits lebendige Kontakte zu Partnerstädten, wie etwa das Beispiel der Partnerschaft der Blasorchester aus Düren und dem französischen Valenciennes zeigt. Dennoch gebe es vielerorts noch ungenutztes Potenzial: „Musik ist eine Brücke, die überall funktioniert – man muss nur den ersten Schritt wagen.“ Ziel der Veranstaltung war es daher, Ansatzpunkte für Kooperationen zwischen Musikvereinen und Städtepartnerschaften zu entdecken und zu stärken.

Laura Paul, Expertin für Förderung und Beratung im Bereich Amateurmusik beim Landesmusikrat NRW, führte die Zuhörenden zunächst in die Struktur und Aufgaben des Landesmusikrats Nordrhein-Westfalen (LMR NRW) ein – des zentralen Dachverbands der Musikszene im Land. Mit seinen 59 Mitgliedsverbänden, Organisationen und Institutionen deckt der LMR nahezu alle Bereiche des Musiklebens ab: von klassischer und traditioneller Musik über Jazz und Pop bis hin zu musikalischer Bildung und Nachwuchsförderung. Paul erläuterte, dass der LMR nicht nur Interessenvertretung gegenüber Politik und Medien sei, sondern auch aktiv Förderprogramme, Wettbewerbe und Austauschprojekte organisiere. Die Amateurmusik bildet mit rund einer Million Aktiven in NRW eine tragende Säule des kulturellen Lebens. Gerade hier liegt enormes Potenzial für internationale Zusammenarbeit. Musikvereine, Chöre und Schulensembles seien häufig sehr offen für Begegnungen mit Partnerstädten – bräuchten aber Informationen, Netzwerke und manchmal auch finanzielle Unterstützung, um internationale Projekte zu realisieren.

Ausführlich ging Paul auf die Fördermöglichkeiten des Landesmusikrats ein – allerdings mit dem Hinweis, dass die Förderrichtlinien derzeit in Überarbeitung seien und erst in den kommenden Wochen auf der Website eingestellt würden. Weitere Fördermöglichkeiten bestünden zudem über die Kulturstiftung des Bundes oder das Goethe-Institut, dazu gäbe es kleinere Fördertöpfe für Amateurmusik auf Landes- und Kreisebene. Der Landesmusikrat könne auf jeden Fall beratend tätig werden und Kontakte zu Musikverbänden, Chören oder Jugendensembles herstellen.

In der anschließenden Fragerunde zeigte sich das große Interesse der Teilnehmenden an praktischen Kooperationen. Mehrere Vertreterinnen und Vertreter aus Städtepartnerschaftsvereinen berichteten von musikalischen Initiativen in ihren Kommunen – etwa gemeinsamen Konzerten, Schüler*innenaustauschen oder Chorprojekten. Auch Herausforderungen kamen zur Sprache: Viele Musikvereine seien mit organisatorischem Aufwand, Nachwuchsmangel oder begrenzten Ressourcen konfrontiert. Hier könne die Zusammenarbeit mit Städtepartnerschaften neue Perspektiven eröffnen – etwa durch gemeinsame Probenphasen, digitale Konzerte oder Austauschreisen.

–> Vortrag Musik

Einzigartigkeit verbindet: Heimat-& Städtepartnerschaftsvereine in Kooperation

Der Vortrag von Manfred Müller, Landrat a.D. und Vorsitzender des Vereins Westfalen e.V., widmete sich der Frage, wie Heimatverbundenheit und internationale Städtepartnerschaften einander ergänzen und stärken können. Müller verdeutlichte, dass das Engagement für die eigene Region und das für internationale Freundschaften zwei Seiten derselben Medaille sind: Beide entstehen aus dem Wunsch, das Eigene wertzuschätzen und es mit anderen zu teilen.

Ausgehend von seinen vielfältigen persönlichen Erfahrungen – als Bürgermeister, Landrat und Mitgründer eines Heimatvereins – zeigte Müller auf, wie lokale Identität und internationale Offenheit zusammenwirken können. In seiner Zeit als Bürgermeister von Lichtenau pflegte er Städtepartnerschaften mit Frankreich, Polen und Ostdeutschland. Später, als Landrat des Kreises Paderborn, begründete er eine Kreispartnerschaft mit einer italienischen Region, die bewusst über kommunale Grenzen hinausging. Dabei wurden auch Wirtschafts- und Bildungseinrichtungen eingebunden, um die Kooperation auf eine breite Basis zu stellen.

Müller betonte, dass Heimatvereine und Städtepartnerschaftsvereine ähnliche Ziele verfolgen: Beide fördern Begegnung, Identifikation und Zusammenhalt. Heimatvereine bewahren Traditionen, dokumentieren Geschichte und stärken das Gemeinschaftsgefühl. Städtepartnerschaftsvereine schaffen Brücken zu anderen Kulturen und eröffnen neue Perspektiven auf das eigene Lebensumfeld. In der Zusammenarbeit beider Strukturen liege daher großes Potenzial – etwa bei Jubiläumsveranstaltungen, kulturellen Projekten oder im Bereich der Jugend- und Bildungsarbeit.

Anhand des Vereins Westfalen e.V. erläuterte Müller, wie regionale Identität heute verstanden werden kann: nicht als Abgrenzung, sondern als offene, vernetzte Heimatidee, die Vielfalt einschließt. Der Verein setze sich für die Stärkung der Region Westfalen in Wirtschaft, Kultur und Bildung ein. Ziel sei es, die kulturelle Eigenständigkeit der Region sichtbar zu machen und gleichzeitig die Kommunen zu unterstützen, ihre Besonderheiten auch international zu vermitteln.

Dass eine Kooperation zwischen Heimat- und Städtepartnerschaftsvereinen nicht überall ein Selbstläufer ist, wurde in der anschließenden sehr lebhaften Diskussion, moderiert von Wolfram Kuschke, Staatsminister a.D., Kuratoriumsvorsitzender der Auslandsgesellschaft und ehrenamtlicher Leiter der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften, deutlich. Dennoch warb Kuschke für eine Annäherung beider Vereinsarten – gemeinsame Herausforderungen können gemeinsam besser angegangen werden.

–> Vortrag Westfalen e.V.

„Wir haben nur eine Welt“: Natur- und Klimaschutz international

Heiner Flötotto, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Städtepartnerschaft Wuppertal-Matagalpa und Region in Nicaragua e.V., stellte die vielfältigen Aktivitäten seines Vereins vor. Sein Vortrag zeigte eindrucksvoll, wie eng kommunale Partnerschaftsarbeit und internationaler Natur- und Klimaschutz miteinander verbunden sind. Seit seiner Gründung 1987 fördert der Verein Projekte, die die Lebensbedingungen in der nicaraguanischen Partnerstadt verbessern sollen – von Bildungsinitiativen bis hin zu Umwelt- und Klimaschutzprojekten. Aufgrund der politischen Entwicklungen in Nicaragua, die eine offizielle Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene derzeit unmöglich machen, konzentriert sich die Partnerschaft heute auf Kooperationen mit nichtstaatlichen Organisationen vor Ort.

Eine besondere Rolle spielt dabei die Zusammenarbeit mit dem NABU Wuppertal. Erste Kontakte entstanden 2017 während des 30-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft, bei dem ein Vertreter des NABU an einer Delegationsreise teilnahm. Daraus entwickelte sich eine enge Partnerschaft mit der nicaraguanischen Umweltorganisation AGUALI, die sich der Ausbildung von Jugendlichen zu Umwelt-Guides und der Umweltbildung von Kindern widmet. Der Städtepartnerschaftsverein finanziert mehrere Ausbildungsstipendien, während der NABU die Initiative mit Fachwissen, Materialien – etwa für Vogelbeobachtungen – und Spenden unterstützt.

Der NABU NRW ist mit über 125.000 Mitgliedern der größte Naturschutzverband des Landes und setzt sich seit Jahrzehnten für den Erhalt von Artenvielfalt, Landschaft und Klima ein. Flötotto hob hervor, dass gerade diese Struktur – mit flächendeckend aktiven, ehrenamtlich getragenen Gruppen – eine gute Basis für gemeinsame internationale Initiativen biete. Durch den NABU habe sein Verein Zugang zu Fachwissen in den Bereichen Artenschutz, Umweltbildung und nachhaltige Entwicklung erhalten. Die Kooperation zeigt, wie Städtepartnerschaften und Naturschutzvereine gemeinsam globale Verantwortung übernehmen können. So organisierten NABU und AGUALI zuletzt eine gemeinsame Bird-Watching-Tour entlang der Wupper sowie Vorträge über die Vogelwelt Nicaraguas in der Wuppertaler „Station Natur und Umwelt“. Der Austausch wurde 2024 mit einem Besuch von AGUALI-Vertreter*innen in Wuppertal fortgesetzt. Der NABU plant, die Wuppertaler Initiative auf weitere Partnerstädte auszuweiten und den Austausch zwischen Kommunen und Umweltorganisationen so auch in den Partnerstädten zu fördern.

Währenddessen stellt der Städtepartnerschaftsverein seine Arbeit innerhalb der Wuppertaler Stadtgesellschaft auf eine breite Basis. Zu den gemeinsamen Projekten des Vereins mit anderen Organisationen der Zivilgesellschaft zählen solche aus dem Bereich von Umwelt- und Naturschutz, nachhaltige Mobilität aber auch Kunst und Kultur:

  • Wuppertaler Arbeitsgemeinschaft der Städtepartnerschaften
  • Bundesgartenschau 2031 – Internationales Dorf der Partnerstädte
  • Der Grüne Weg e.V. – Mit dem Fahrrad zur Partnerstadt
  • Stadt-Radeln 2026 mit Wupper-Vital, ADFC und Grüner Weg e.V.
  • Bergische Kunstgenossenschaft, Projekt: Welcome-Art 2026

In der anschließenden Diskussion, moderiert durch Dr. Kai Pfundheller, wurde deutlich, dass der NABU mit seiner lokalen Verankerung und fachlichen Expertise für den Städtepartnerschaftsverein eine wertvolle Brücke zu internationalen Umweltpartnerschaften bietet. Die Teilnehmenden diskutierten, wie ähnliche Kooperationen auch in anderen Städtepartnerschaften durch Kontaktaufnahme über lokale Umweltverbände entstehen könnten. Auf offene Ohren stieß dabei das Angebot der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global für personelle und finanzielle Unterstützung für Projekte der kommunalen Entwicklungspolitik. Einig waren sich die Teilnehmenden, dass Umwelt- und Klimaschutz in den kommunalen Partnerschaften bislang noch eine eher untergeordnete Rolle spiele und da noch viel Potenzial zu heben sei.

–> Vortrag Natur- und Klimaschutz

Andere Länder – andere Hürden?“ – Beteiligung und Inklusion in Städtepartnerschaften

Der Vortrag von Stephan Wieners und Anne Wohlfahrt vom Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben für den Regierungsbezirk Detmold (KSL-OWL) beleuchtete die Möglichkeiten und Herausforderungen, Inklusion in der Arbeit von Städtepartnerschaften zu fördern. Ausgangspunkt war die Frage, wie barrierefreie Teilhabe sowohl vor Ort in der Kommune als auch im internationalen Austausch umgesetzt werden kann. Dabei wurde deutlich, dass Inklusion nicht als individuelles Defizit, sondern als systemische Aufgabe verstanden werden muss: Barrieren in der Umwelt und in gesellschaftlichen Strukturen verhindern die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen.

Das Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben (KSL-OWL) fungiert als zentrale Anlaufstelle für Menschen mit Behinderungen in der Region. Es berät Vereine, Kommunen und Initiativen, wie Beteiligung und Teilhabe strukturell umgesetzt werden können. Wieners und Wohlfahrt stellten Praxisbeispiele vor, wie inklusive Kommunikation, barrierefreie Information und gezielte Förderprogramme in städtepartnerschaftlichen Projekten integriert werden können. Besonders hervorgehoben wurden Schüler*innen- und Jugendaustausche, die inklusiv gestaltet werden können, sowie die Beteiligung von Menschen mit Behinderungen an kulturellen und gesellschaftlichen Begegnungen in den Partnerstädten.

Ein zentrales Thema war die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK), die den Rahmen für internationale Zusammenarbeit setzt. Sie betont, dass Staaten geeignete Maßnahmen zur Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen treffen und den Aufbau von Kapazitäten fördern sollen. Dies schließt auch den Austausch mit internationalen Partnerstädten ein, etwa durch barrierefreie Veranstaltungen, Beteiligung an Vereinsarbeit oder Kooperationen mit Selbstvertretungsorganisationen in den Partnerländern.

Die Referenten gaben konkrete Hinweise für die Umsetzung: Prinzipien barrierefreier Kommunikation wie das Zwei-Sinne-Prinzip, KISS (Keep it short and simple) und gleichberechtigte Informationsweitergabe sind ebenso entscheidend wie die Einbindung lokaler Strukturen – Behindertenbeauftragte, Inklusionsbeiräte oder Selbstvertretungsorganisationen. Zusätzlich wurden Fördermöglichkeiten wie der Inklusionsscheck NRW oder Programme der Aktion Mensch vorgestellt, die Städtepartnerschaften nutzen können, um inklusive Projekte umzusetzen.

Abschließend wurde diskutiert, wie Synergien zwischen Städtepartnerschaftsvereinen und Inklusionsakteuren geschaffen werden können: Durch gemeinsame Projekte, barrierefreie Begegnungsformate und gezielte Einbindung von Menschen mit Behinderungen lassen sich internationale Partnerschaften nicht nur erweitern, sondern auch nachhaltig inklusiv gestalten.

–> Vortrag Inklusion

Wo internationale Regeln reichen: Sport in Städtepartnerschaften

Der Vortrag verdeutlichte, wie Sport als universelle Brücke zwischen Städten und Menschen internationale Kontakte ermöglicht. Prof. Jürgen Mittag von der Deutschen Sporthochschule Köln erläuterte die konzeptionellen Grundlagen: Sport verbindet über nationale Grenzen hinweg, fördert soziale Kompetenzen und ermöglicht transnationale Netzwerke. Sportvereine bieten dafür ideale Strukturen, da Regeln, Trainingsformen und Wettkämpfe international weitgehend standardisiert sind. Besonders für den Jugendaustausch eröffnet dies niedrigschwellige Beteiligungsmöglichkeiten.

Volker Wilde, Präsident des StadtSportBunds Bielefeld e.V., ergänzte die Perspektive der Praxis aus Bielefeld. Der StadtSportBund unterstützt zahlreiche Vereine, die aktiv Städtepartnerschaften pflegen. Beispiele wie „Senne meets Concarneau“ des Turn- und Sportvereins Senne 1908 in der Partnerschaft mit Concarneau, Frankreich, oder die DAV Sektion Bielefeld in der Verbindung mit Ötz/Tirol illustrieren, wie Sport langfristige, nachhaltige Begegnungen schafft. Diese reichen von gemeinsamen Wanderungen und Kletteraktionen über Fußball- oder Handballturniere wie dem Quirinus-Cup in Neuss bis hin zu kulturellen Aktivitäten.

Die Referenten betonten die praktischen Voraussetzungen für erfolgreiche internationale Projekte: Absprache zu Alter, Sportarten und Wettbewerbscharakter, Versicherungsschutz, Unterkunft und Verpflegung sowie die Einbindung ehrenamtlich engagierter Mitglieder. Dabei zeigt sich, dass Sport als „Türöffner“ fungiert: Er ermöglicht Begegnungen ohne Sprachbarrieren, fördert Teamgeist und bereitet Jugendlichen den Einstieg in internationale Projekte.

Prof. Mittag verwies auf die Rolle von Sportjugend- und Sportbünden in NRW: Mit über 110.000 Jugendlichen bieten sie Strukturen für internationalen Austausch und unterstützen die Integration von Städtepartnerschaften in die Vereinsarbeit. Volker Wilde hob hervor, dass durch Sport langfristige, wiederkehrende Begegnungen entstehen, die Vertrauen und Freundschaften zwischen den Partnerstädten stärken.

Anschließend wurde unter Moderation von Sigmar Fischer diskutiert, wie Sport als Instrument der Städtepartnerschaften gezielt gefördert werden kann: durch Kooperationen zwischen Vereinen, gezielte Fördermittel für internationale Jugendarbeit der Deutschen Sportjugend oder kommunale Unterstützung.

Jürgen Mittags Fazit lautete: „Sport kann einen nachhaltigen Beitrag zur Städtepartnerschaftsarbeit leisten, wenn dies politisch gewollt, gesellschaftlich getragen und institutionalisiert durchgeführt wird. Erfolgsfaktoren sind einfache, klare, aber vernetzte Organisationsstrukturen, kontinuierlicher Austausch und die Einbindung zivilgesellschaftlicher Akteure.“ Die Beiträge der Teilnehmenden zur Diskussion veranschaulichten das in vielen Vereinen vor Ort vorhandene Engagement und Potenzial.

–> Vortrag Sport

Netzwerken bei Kaffee und Kuchen

Netzwerken bei Kaffee & Kuchen

Bei Kaffee und Kuchen konnten die Teilnehmenden nach den beiden Vortragsrunden ihre Eindrücke und Erkenntnisse miteinander teilen.

–> Programm 6. Tag der Städtepartnerschaften


Impressionen des 6. Tags der Städtepartnerschaften
Bielefeld | 16.10.2025

Reisen Sie mit der Auslandsgesellschaft in Ihre Partnerstadt –> zum Angebot

Für Kommunalverwaltungen, die sich ein umfassendes Bild zu ihren Städtepartnerschaften machen möchten, haben wir unser Beratungsangebot „Städtepartnerschafts-Check“ entwickelt. –> zum Flyer

Unser Fortbildungsseminar für Vereinsmitglieder –> zum Flyer