21.-22. November 2025 | Gustav-Stresemann-Institut, Bonn





Ein einem anderthalbtägigen Seminar mit Übernachtung im GSI in Bonn waren die Vertreterinnen und Vertreter von Städtepartnerschaftsvereinen in NRW eingeladen, sich mit der Seminarleitung und anderen Gleichgesinnten über die Herausforderungen auszutauschen, denen sie sich gegenübersehen. Geschaut werden sollte aufs große Ganze, aber auch ins Detail der unterschiedlichen Themengebiete.
Die Vereinsvertreter*innen, die sich mit sehr ähnlichen Fragestellungen auseinandersetzten, kamen aus ganz NRW. Im Fokus standen Themen wie die effektive Nutzung von Förderprogrammen, die Gewinnung neuer — besonders jüngerer — Mitglieder, erfolgreiche Kommunikationsstrategien sowie die Sichtbarkeit des eigenen Engagements. Dazu kamen strategische Überlegungen zur langfristigen Vereinsentwicklung, zu Führung, Kultur und zur Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und Partnern.
Praktische Themenpakete
Das Gesamtprogramm des Seminars war in mehrere Themenpakete gegliedert:
- Förderprogramme – welche Fördermittel existieren, und wie gelingt der Zugang?
- Best Practices – erfolgreiche Projekte aus den Vereinen sowie bewährte Vorgehensweisen.
- Strategieentwicklung – Stand und Ausrichtung der Vereine im Blick auf die nächsten Jahre.
- Mitgliedergewinnung – besonders mit Blick auf junge Engagierte.
- Nächste Schritte – persönliche und organisatorische Handlungspläne.
Abwechslungsreicher Methodenmix
Um das Potenzial aller Teilnehmenden zu heben, wurden verschiedene Formate eingesetzt: Neben klassischen Präsentationen mit Fragerunden gab es partizipative und kreative Methoden, die geistige, visuelle, haptische und emotionale Zugänge ermöglichten:
- In einem Vorstellungsspiel in Dreiergruppen suchten die Teilnehmenden Gemeinsamkeiten und visualisierten diese auf Stellwänden in Form von Dreiecken.
- Beim World Café arbeiteten sie an fünf Thementischen, um Best Practices und Herausforderungen sichtbar zu machen – die gewonnenen Ideen flossen in eine „Ideenfundgrube“ ein, auf die später zurückgegriffen wurde.
- In der kollegialen Beratung wurde ein Raum dafür geschaffen, wertfrei zuzuhören, Anregungen zu reflektieren und gemeinsam neue Perspektiven zu entwickeln.
- In der Ideenwerkstatt bündelten die Teilnehmenden ihre zentralen Erkenntnisse und Ideen aus dem Seminar und strukturierten sie gemeinsam im Hinblick auf konkrete Umsetzung im eigenen Verein.
- Den Abschluss bildete eine Feedbackrunde, in der die Teilnehmenden Rückmeldungen gaben – sowohl an die Seminarleitung als auch untereinander.
Knackpunkt Mitgliedergewinnung
Vor dem Hintergrund der für viele Vereine zentralen Mitgliedergewinnung wurde dem Vortrag von Jennifer Haunhorst vom Deutsch-Französischen Jugendausschuss (DFJA) besondere Aufmerksamkeit zuteil. Sie schilderte sehr eindrucksvoll die Ansätze ihres noch recht jungen Vereins, junge, aber auch ältere engagierte Menschen im deutsch-französischen Raum überregional und transnational miteinander zu vernetzen und gemeinsame Projekte umzusetzen. Dabei erklärte sie auch, wie Synergien mit klassischen Städtepartnerschaften entstehen können – etwa über die Broschüre „101 Ideen“ – ein Impuls, der von vielen Teilnehmenden als sehr wertvoll empfunden wurde. Zudem stellte sie mehrere spannende Projekte ihres eigenen Städtepartnerschaftsvereins Partnerschaftskomitee Beuel-Mirecourt e.V. vor.
Sichtbarkeit und Öffentlichkeitsarbeit als übergreifendes Thema
Ein wiederkehrender Begriff bei allen Formaten und Diskussionen war der der Sichtbarkeit: wie können Veranstaltungen zu Städtepartnerschaften innerhalb der eigenen Kommune sowie darüber hinaus bekannt gemacht und relevante Zielgruppen erreicht werden? Eine Plattform für den deutsch-französischen Partnerschaftsbereich ist die Website jumelage.eu mit einem eigenen Bereich, in dem Akteure der deutsch-französischen kommunalen Partnerschaften ihre Projekte präsentieren können. Die Teilnehmenden berichteten von ihren Erfahrungen mit lokalen und regionalen Medien, über eigene oder städtische Newsletter oder Veranstaltungsportale, Schnittstellen zu Schulen und anderen Orten, an denen die gewünschte Zielgruppe zusammenkommt und Informationen erhält, sowie auch Social Media. Wer zu diesem Thema weitere Praxisbeispiele sucht, kann in den Veranstaltungsberichten des „Forum Städtepartnerschaften NRW“ fündig werden, bei dem sich Kommunen und Vereinen über ebensolche austauschen, z.B. hier.
Am Rande, aber nicht unwichtig: Versicherungsschutz für Vereine
Am Rande der Diskussionen kam ein weiteres wichtiges Thema für die Vereine auf, der Versicherungsschutz. Ob es um Reisen ins Ausland zur Partnerstadt geht, um Haftpflicht- oder Unfallversicherung bei Projekten vor Ort, Veranstaltungsmanagement oder Jugendcamps; die Bandbreite von Fragen und Erfahrungen ist groß. Informationen zu Institutionen, die zu Versicherungsfragen für Vereine weiterhelfen können, können auf der Website der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften eingesehen werden. Hervorzuheben sind auf jeden Fall die Angebote der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE). Weitgehend kostenfreie Weiterbildungsmöglichkeiten für Vereine u.a. auch zu diesen Themen gibt es zudem bei der Westfalen-Akademie NRW. Auch die Vereinigung Deutsch-Französischer Gesellschaften für Europa e.V. (VDFG) stellt nützliche Informationen zu diesem Thema zusammen.
Strategische Selbstreflexion und Wandel des Ehrenamts
Wo steht der eigene Verein derzeit, wo will er hin? Dieses Thema nahm breiten Raum ein, und betraf insbesondere die Frage des ehrenamtlichen Engagements heute. So konnten im Themenpaket „Mitgliedergewinnung“ Erkenntnisse jüngster Engagementstudien vorgestellt werden, die bereits zu verschiedenen Gelegenheiten Gegenstand von Veranstaltungen der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften gewesen waren, etwa bei einem Vortrag von Prof. Dr. Wibke Riekmann, Mitautorin des dritten Engagementberichts der Bundesregierung mit dem Titel „Zukunft Zivilgesellschaft: Junges Engagement im digitalen Zeitalter.“ Oder auch bei einem Vortrag von Prof. Dr. Andrea Walter, Autorin des Buchs „Miteinander – Füreinander – Zivilgesellschaft in Nordrhein-Westfalen“. Weitere interessante Literatur zum Thema findet sich in der Linkliste unten.
Feedbackrunde und Ausblick
In der Abschlussrunde berichteten die Teilnehmenden, den methodischen Mix und insbesondere die Gruppenarbeit sehr bereichernd gefunden zu haben. Besonders geschätzt wurde die Schwarmintelligenz des gemeinsamen Austauschs: Die neuen Kontakte wurden vielfach als eine große Ressource für die eigene Vereinsarbeit bewertet.
Darüber hinaus ergaben die Netzwerkanbahnungen neue Perspektiven: Die Teilnehmenden machten deutlich, dass sie insbesondere von einer kleinräumigeren Vernetzung, etwa auf Kreisebene, profitieren könnten. Auch eine stärkere Vernetzung entlang von Partnerland-Gruppen (z. B. deutsch-französisch, deutsch-britisch) wurde als wünschenswert erachtet, was langfristig auch unter Fördergesichtspunkten weiterentwickelt werden könnte.
Am Ende des Seminars verließen die Teilnehmenden die Veranstaltung nicht nur mit vielen frischen Impulsen, sondern auch mit neu geknüpften Kontakten – und dem festen Vorsatz, diese aktiv für ihre zukünftige Partnerschaftsarbeit zu nutzen.

Fotos: Beate Brockmann
Weitere Links
Partnerschaftsreisen
Angebote der Reiseabteilung der Auslandsgesellschaft: Begleitung von Kommunen und Vereinen bei der Planung und Durchführung ihrer Reisen in die Partnerstädte (zum Flyer). Beispiele von solchen Partnerschaftsreisen finden sich hier, hier und hier sowie im Format Bildungsurlaub hier.
Engagement und Ehrenamt – Tipps, Leitfäden, Literatur
Auslandsgesellschaft.de e.V.: Städtepartnerschaften. Entwickeln. Leben. Ausbauen. Finanzieren. Aktualisierte Neuauflage (2024): Kapitel zu Engagement und Ehrenamt in Städtepartnerschaften (S. 36-37): https://staedtepartnerschaftennrw.org/wp-content/uploads/2024/10/Broschuere_Staedtepartnerschaften_2024.pdf
Vereinigung Deutsch-Französischer Gesellschaften für Europa e.V., Leitfäden mit Tipps und Inspiration für Ihr zivilgesellschaftliches Engagement (2024/2025): https://vdfg.de/praxistipps/
Deutsch-Französischer Jugendausschuss e.V., Broschüre „101 Ideen für die deutsch-französische Freundschaft“: https://dfja.eu/101-ideen/
Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE): MENSCHEN FÜR ENGAGEMENT BEGEISTERNENGAGEMENT BEGEISTERN. Tipps und Strategien aus der Praxis, um Freiwillige zu gewinnen. (2024): https://www.deutsche-stiftung-engagement-und-ehrenamt.de/wp-content/uploads/2024/07/DSEE_Ratgeber_Menschen-fuer-Engagement-begeistern.pdf
Deutscher Freiwilligensurvey (FWS) der Bundesregierung (2024): https://www.bundesregierung.de/breg-de/bundesregierung/bundeskanzleramt/startseite-staatsministerin-fuer-sport-und-ehrenamt/bericht-zur-lage-von-engagement-und-ehrenamt-veroeffentlicht-2393064
Ruhr-Universität Bochum: ZEFIR-Materialien Band 24: REIN DIGITAL, NUR GELEGENTLICH ODER IM AUSLAND? Neue Formen des freiwilligen Engagements junger Menschen in Stadt und Land. (2024): https://omp.ub.rub.de/index.php/ZEFIR/catalog/view/324/285/1513
Körber Stiftung, Reihe Spotlight Demografie 9: Engagiert euch, Boomer! Das Potenzial der Älteren für unsere Kommunen. (2024): https://koerber-stiftung.de/site/assets/files/43159/engagiert_euch_boomer_koerber-stiftung.pdf
Studien zu Städtepartnerschaften
Deutsches Polen-Institut (2020). Suchen, was uns verbindet. Entwicklung, Chancen und Herausforderungen deutsch-polnischer Städtepartnerschaften (Hrsg.: Loew, Peter Oliver; et al.) [kostenloser Download hier].
Keller, Eileen (2018). Städtepartnerschaften – den europäischen Bürgersinn stärken. Eine empirische Studie (Hrsg.: Bertelsmann-Stiftung, Deutsch-Französisches Institut) [kostenloser Download hier].
