Offenes Austauschformat Forum Städtepartnerschaften NRW

Online | 01. Juli 2025 | 18-20 Uhr

Mit dem „Forum Städtepartnerschaften“ nehmen wir unsere gleichnamige in den Vorjahren gut angenommene Veranstaltungsreihe in leicht geänderter Ausführung wieder aufnehmen. Anders als in den Jahren 2021-2024 gibt es daher keine Themeninputs; dafür steht der offene Austausch im Vordergrund.

Das 16. „Forum Städtepartnerschaften NRW“ der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften richtete sich mit seinem Zeitfenster in den Abendstunden insbesondere an die Ehrenamtlichen aus der Vereinswelt. Fünfzehn Teilnehmende tauschten sich über ihre jeweiligen Städtepartnerschaften und die damit verbundenen Fragen und Herausforderungen aus. Die Bandbreite der im Vorfeld bei der Anmeldung eingereichten Themenwünsche reichte diesmal von Förderung/Finanzierung über Vernetzung, Öffentlichkeitsarbeit, Nachwuchsgewinnung bis zu Kunst & Kultur. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde erfolgte direkt der Einstieg in die Themen.

Förderung/Finanzierung

Vorangestellt sei an dieser Stelle der Hinweis zum Fördermittelführer auf der Website der Netzwerkstelle, die eine Übersicht speziell für Städtepartnerschaften zusammengestellt hat:

Deutsch-Französischer Austausch

Die erste Frage betraf Finanzierungsmöglichkeiten speziell für den Deutsch-Französischen Austausch. Hierzu konnte Julia Müller als Projektbeauftragte VDFG für Europa e.V., die sich für diesen Abend ebenfalls zugeschaltet hatte, umfassend Auskunft geben.

Zunächst stellte sie ihre Tätigkeit bei der VDFG für Europa e.V. vor. Informationen zur Transformationsstelle für die deutsch-französische Zivilgesellschaft gibt es beim Dachverband der deutsch-französischen Gesellschaften: www.vdfg.de/transformation

Anschließend gab Julia Müller einen Überblick über Fördermöglichkeiten.

So gibt es auf der Plattform für deutsch-französische kommunale Partnerschaften eine Liste von Institutionen, die Zuschüsse für deutsch-französische und europäische Projekte vergeben: https://www.jumelage.eu/de/finanzierung.html

Auch der Deutsch-Französische Bürgerfonds gibt Projektförderung, mit einer eigenen Ansprechperson für NRW: https://www.buergerfonds.eu/startseite

Kostenfreie Fördermittelberatung gibt es zudem bei der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt: https://www.deutsche-stiftung-engagement-und-ehrenamt.de/fundraising-und-foerdermittel-beratung/

Auch Fundraising über Internet, so Julia Müller, sei eine gute Wahl, um Gelder für ein Projekt einzuwerben.

Europa-Schecks der Landesregierung NRW

Insbesondere in NRW ein sehr niederschwelliges und sehr geeignetes Förderinstrument für städtepartnerschaftliche Projekte ist die Landesinitiative Europa-Schecks der Landesregierung. Teilnahmebedingungen, eine Kurzanleitung, ein ausführlicher Leitfaden für den Finazierungsplan sowie ein A-bis-Z und ein FAQ und eine finden sich hier: https://mbeim.nrw/europa-schecks. Dazu wird ein Liste bisher geförderter Projekte  zur Verfügung stellt, die eine prima Inspirationsquelle darstellt, sowie eine interaktive Karte, auf der man alle Projekte geographisch auf einen Blick finden kann.

Die Europa-Schecks unterstützen sowohl kleine als auch umfangreichere Vorhaben mit bis zu 25.000 Euro. Die Projektdauer ist auf maximal 3 Monate begrenzt. Das Antragsverfahren erfolgt digital. Es gibt ein Beratungsangebot bei der Bezirksregierung Münster.

Zielgruppe sind Akteurinnen und Akteure wie Vereine, Schulen und Hochschulen, außerschulische Bildungseinrichtungen, Kommunen und allgemein Engagement aus NRW für Projekte, welche Europa inhaltlich in den Mittelpunkt stellen.

Auch Auslandsreisen, sofern sie nicht hauptsächlich touristischen Zwecken dienen und wenig mit europapolitischen Themen zu tun haben, können gefördert werden. Bevorzugt werden dabei
Vorhaben mit den regionalen Partnerschaften im weitesten Sinn, die NRW pflegt.

Dazu gehören: 

  • Hauts-de-France (Frankreich) und Schlesien (Polen)(das Regionale Weimarer Dreieck)
  • Benelux-Länder (Belgien, Niederlande, Luxemburg)
  • Piemont (Italien)
  • Nordmazedonien
  • Schottland (NB: Vorhaben mit weiteren Landesteilen des Vereinigten Königreichs werden ebenfalls unterstützt.)
  • Dnipropetrowsk (Ukraine, im Aufbau)
  • Ungarn
  • Israel

Der nächste Stichtag ist der 1. August 2025. Dies ist der letzte Stichtag, um Projektideen für 2025 einzureichen. Für die Planungen in 2026 wird im Herbst eine neue Bewerbungsrunde bekannt gegeben. 

Der Deutsch-Englische Club Paderborn hat anlässlich des 50jährigen Partnerschaftsjubiläums zwischen Paderborn und Bolton mithilfe der Förderung einen Ideenwettbewerb unter dem Titel „Blick auf – Spot on! #PaderBolton“ ausgerufen. Dabei wurden kreative Eindrücke von Jung und Alt aus beiden Städten erhalten. Genutzt wurden diese u.a. für Reisekosten für drei englische Kinder, die nach Paderborn kommen durften, für Give-aways, z.B. Tassen und Beutel mit Aufdrucken, sowie die  Erstellung der Town Twinning Fotos auch für digitale screens. Weitere Infos: https://dec-paderborn.de/paderbolton-zwei-staedte-in-europa-eine-freundschaft/

Auch der Partnerschaftsverein Coesfeld – De Bilt e.V. hat einen Europa-Scheck erhalten für ein Treffen dreier Partnervereine inMaastricht. Weitere Mittel wurden von einer Bürgerstiftung eingeworben. Zum Veranstaltungsbericht geht es hier: https://coesfeld-debilt.de/2025/05/09/europa-aus-der-geschichte-lernen-eine-gemeinsame-zukunft-gestalten-2/

Erasmus+

Ein weiteres sehr bekanntes, verbreitetes, und unglaublich vielfältiges Förderprogramm ist Erasmus+ der Europäischen Union. Es ist das EU-Programm für Bildung, Jugend und Sport. Für die Jahre 2021–2027 steht ein Budget von mehr als 26 Mrd. Euro zur Verfügung. Erasmus+ will lebenslanges Lernen fördern, nachhaltiges Wachstum ermöglichen, sozialen Zusammenhalt und die europäische Identität stärken sowie Innovationen vorantreiben. Mit Prioritäten wie Inklusion und Vielfalt, Partizipation am demokratischen Leben, Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaziele und Digitaler Wandel spiegelt es die Anliegen vieler Städtepartnerschaften wider. Dazu passt auch sein Fokus auf den Aufbau transnationaler Partnerschaften.

Leitaktionen sind die Mobilität von Einzelpersonen, die Zusammenarbeit von Organisationen und Institutionen sowie die Unterstützung politischer Entwicklung und Zusammenarbeit.

Vier nationale Agenturen setzen in Deutschland das EU-Programm Erasmus+ um und sind Ansprechpartner, wenn es um Projektberatung, Antragstellung und Unterstützung für europäische Projekte geht. Sie haben jeweils einen eigenen Fokus und eigene Zielgruppen. Es lohnt sich daher, als Städtepartnerschaftsverein zu überlegen, mit welchen Partnern eine Kooperation gesucht werden könnte, um Projektmittel aus diesem Fördertopf zu erhalten.

Die vier Agenturen sind:

  • Nationale Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeit: https://eu.daad.de/de – zuständig für Internationalisierung deutscher Hochschulen, Mobilität von Studierenden und Hochschulpersonal, Strategische Partnerschaften, internationale Dimension
  • Nationale Agentur Erasmus+ Schulbildung: https://erasmusplus.schule – zuständig für Schule.
  • Nationale Agentur Erasmus+ JUGEND IN AKTION : https://www.jugendfuereuropa.de – zuständig für die Förderung der Mobilität von jungen Menschen und Fachkräften sowie der jugendpolitischen Zusammenarbeit in Europa
  • Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung: https://www.na-bibb.de – zuständig für die Förderung der Mobilität von jungen Menschen und Fachkräften sowie der jugendpolitischen Zusammenarbeit in Europa.
EU-Förderprogramm CERV

Ein weiteres EU-Förderprogramm ist CERV (Citizens, Equality, Rights and Values). Es fördert Projekte zum Thema Unionswerte, Gleichstellung, Teilhabe und Gewaltprävention. Aufrufe zur Einreichung von Projektvorschlägen finden sich hier https://www.kontaktstelle-cerv.de/aufrufe. Bewerbungen z.B. zum Thema Europäisches Geschichtsbewusstsein sind bis 1. Oktober 2025 möglich.

Kreditinstitute, Stiftungen, Service-Clubs

Wichtige Förderinstitutionen sind Sparkassen und Genossenschaftsbanken (Volksbanken, Raiffeisenbanken), denn sie sind gesetzlich dazu verpflichtet, einen Teil ihrer Gewinne gemeinnützigen Zwecken zuzuführen. Diese Ausschüttungen erfolgen in Form von Spenden, Sponsoring oder der Förderung von Projekten im sozialen, kulturellen und sportlichen Bereich. Ihre lokale bzw. regionale Verankerung macht sie zu besonders geeigneten möglichen Fördergebern für städtepartnerschaftliche Projekte.

Auch Service-Clubs wie Rotary, Lions und andere eine wichtige Quelle für Fundraising für gemeinnützige Organisationen. Service-Clubs sind gemeinnützige Organisationen, die durch Spenden und ehrenamtliches Engagement lokale und internationale Projekte unterstützen. Meist sind sie international organisiert, mit Dachverbänden.

Veranstaltungsplanung: die Frage von runden Jubiläen

Steht ein Jubiläum an, wirft das meist seinen Schatten lange voraus. Es ist nicht unüblich, mit der Planung bereits zwei Jahre vor dem Jubiläum zu beginnen. Inspiration kann dabei leicht im Internet und bei anderen Städtepartnerschaftsvereinen gefunden werden. Dazu reicht meist eine Google-Abfrage. Auch eine zielgerichtete Suche ist möglich: auf der Datenbank des RGRE können die Gründungsdaten von Städtepartnerschaften in Deutschland abgefragt werden: https://www.rgre.de/partnerschaft/datenbank.

Aber auch in den Veranstaltungsberichten unserer Netzwerkstelle wird immer wieder über erfolgreiche Jubiläumsveranstaltungen berichtet. Etwa zu unserem Tag der Städtepartnerschaften 2021 und 2024.

Vernetzung, Öffentlichkeitsarbeit, Nachwuchsgewinnung

Verschiedene Leitfäden und Praxistipps können hier wertvolle Ideen liefern. Verwiesen sei zunächst auf die Broschüre zu Städtepartnerschaften unserer Netzwerkstelle.

Auch die Vereinigung Deutsch-Französischer Gesellschaften für Europa e.V. (VDFG) bietet auf ihrer Website seit kurzem eine Reihe an sehr guten Praxistipps an mit Unterstützung und Ratschlägen, die sich nicht nur für deutsch-französische Belange einsetzen lassen. Diese Tipps umfassen verschiedene Bereiche wie Öffentlichkeitsarbeit, Digitalisierung und die Suche nach freiwilligen Helfern.

Praxisleitfaden „10 Tipps für Städtepartnerschaften“: VDFG Praxistipps

Austausch der Städtepartnerschaftsvereine innerhalb einer Kommune : Köln und Duisburg

Zur Sprache kam weiterhin die Frage, inwiefern sich Städtepartnerschaftsvereine in der eigenen Kommune bereits miteinander austauschen.

Besonders fortschrittlich ist dabei die Stadt Köln, die bereits seit vielen Jahren ihren Städtepartnerschaftsvereinen als Dachgesellschaft die CologneAlliance an die Seite gestellt hat. Diese ist ein gemeinnütziger Verein, der es den Kölner Partnerschaftsvereinen ermöglicht, ihre Kräfte zu bündeln und ihnen zu einem gemeinsamen Außenauftritt zu verhelfen. Neben der Öffentlichkeitsarbeit ist CologneAlliance eine Plattform für viele übergeordnete Themen wie Netzwerkarbeit und Fundraising. Vertreter*innen der CologneAlliance werben im übrigen dafür, auch außerhalb der Städtepartnerschaftsvereine für „Brücken“ zu sorgen; so gibt es Austausch im Fall der Partnerstadt Indianapolis zwischen Bibliothekaren, Feuerwehren und Schulen.

In der Stadt Duisburg hat sich, inspiriert durch ein Fortbildungsseminar der Netzwerkstelle im November 2024, an der Vertreterinnen des Vereins Duisburger Portsmouthfreunde e.V. teilgenommen haben, eine Initiative entwickelt, die Städtepartnerschaftsvereine in den Austausch miteinander zu bringen. Der Verein hat sich dazu zunächst an die Stadt Duisburg gewandt. Aus Datenschutzgründen haben die zuständigen Städtepartnerschaftsbeauftragten der Stadt alle Partnerschaftsvereine und Gesellschaften für die Portsmouthfreunde angeschrieben und berichtet, dass diese zu einem gemeinsamen Treffen aller Vereine einladen. Das Interesse war so groß, dass das erste Treffen noch im Dezember 2024 stattfand. Die Stadt Duisburg hat dafür einmalig Räumlichkeiten im Historische Rathaus zur Verfügung gestellt. Die Vereine treffen sich seitdem einmal im Quartal. Hier gibt es nun auch eine Kooperation mit der VHS, sodass sie dafür deren Räumlichkeiten nutzen können. Beim Tag des Offenen Denkmals treten die Partnerschaftsvereine ab sofort gemeinsam im Innenhof des Historischen Rathauses auf und nicht mehr wie bisher in den nach den jeweiligen Partnerstädten benannten Sälen des Rathauses. Auch sonst hat sich viel entwickelt: Mitte Juni 2025 war der Termin des jährlichen Drachenbootrennens im Duisburger Innenhafen, bei dem es ein gemeinsames Drachenboot mit Duisburgern und acht Teilnehmern aus Portsmouth gab. Und am 4. Juli 2025 gibt es eine VHS Veranstaltung mit allen Partnerschaftsvereinen: „Die Partnerschaftsvereine stellen sich vor“. Wir sind gespannt, wie es weitergeht!

Deutsch-deutsche Städtepartnerschaften

Ein von den Teilnehmenden eingebrachtes Wunschthema waren deutsch-deutsche Städtepartnerschaftsvereine. Über 800 deutsch-deutsche Städtepartnerschaften gibt es in der Bundesrepublik, viele davon haben sich um die Zeit des Mauerfalls und der Wiedervereinigung gegründet. Die Fachliteratur beschäftigte sich durchaus mit der Rolle der innerdeutschen Partnerschaften, so etwa eine Publikation „Im Blick: Deutsch-Deutsche Städtepartnerschaften: Der Beitrag der Kommunen im Einheitsprozess: Der Beitrag der Kommunen im Einheitsprozess. Begleitband zur Ausstellung.“ (Hrsg.: Freie Hansestadt Bremen Taschenbuch – 1. September 2010), die die Ausstellung Blick / Wechsel begleitetet, welche sich diesem besonderen Kapitel der deutsch-deutschen Geschichte widmet. Weitere Literatur dazu kann in den allgemeinen Publikationen zu Städtepartnerschaften gefunden werden, welche die Netzwerkstelle in ihrer Leseliste bereitstellt. Die Auslandsgesellschaft organisierte anlässlich des Jubiläums, 30 Jahre Deutsche Einheit, am 7. Oktober 2020 online einen Erfahrungsaustausch zu den deutsch-deutschen Städtepartnerschaften – in NRW sollen es über 150 sein, mit Städten in allen neuen Bundesländern, aber starker Konzentration auf Brandenburg und Sachsen. Beispiele, wie diese innerdeutschen Partnerschaften auch heute aktiv sind, finden sich in unserer Datenbank von Projekten erfolgreicher städtepartnerschaftlicher Arbeit online.

Öffentlichkeitsarbeit

Zu den regelmäßigen Themen des Austauschs zählen die Öffentlichkeitsarbeit und die Gewinnung junger Mitglieder und Aktiver. Hierzu trugen die teilnehmenden Ehrenamtlichen zusammen, was in ihren Städten erfolgreich stattfindet sowie auch welche Herausforderungen bestehen. So berichtete man aus Paderborn von der im Zusammenhang mit den Europa-Schecks bereits erwähnten Aktion auf Instgram „PaderBolton“. In Coesfeld soll ein PubQuiz zu Städtepartnerschaften junge Leute ansprechen – kooperiert wird dafür mit der örtlichen Kirche und deren Jugendtreff.  In Köln gibt es ein neues Projekt gemeinsam mit der Freiwilligenagentur, bei dem die Jugendlichen direkt angesprochen werden mit einer Umfrage zu ihrem Engagement. Was brauchen junge Menschen, um sich engagieren zu wollen und zu können, so die Fragestellung.

Multiplikatoren, neue Partner, neue Aktionen – das sind gute Zutaten für das Ansprechen junger und neuer Zielgruppen. Julia Müller von der VDFG konnte aus eigener Erfahrung weitere Punkte ergänzen: so sollten die vorgeschlagenen Aktivitäten sich auch in die Lebenswirklichkeit der Zielgruppe einpassen können; etwa wenn Berufstätige angesprochen werden sollen, wären insbesondere Abendveranstaltungen gefragt. Auch müssten Vereine sich mit diesem Bewusstsein der eigenen Sichtbarkeit widmen: gibt es eine Website? Was sind die Inhalte? Findet man leicht Informationen dazu, wie man sich einbringen kann? Werden Mitglieder als „Gesichter des Vereins“ sichtbar gemacht,  Erfahrungsberichte veröffentlicht? Auch Freiwilligenagenturen und Such-Inserate bei letsact  können hilfreich sein. Der Aspekt des „service learning“ findet Freiwillige dadurch, dass sie beim Engagement für soziale Projekte auch selbst wichtige Kompetenzen erlernen können. Ein weiterer Tipp ist die Ansprache von Jugendkomitees und Jugendbeiräte, so in der Kommune vorhanden.  Auch hier stellt die VDFG Praxisleitfäden zum Thema Mitgliedergewinnung bereit.

Da unter den Teilnehmenden bei diesem Austausch auch mehrere „Neulinge“ im Städtepartnerschaftsengagement waren, wurde auch dieser Aspekt näher beleuchtet: welche Motivation steht denn hinter einem Engagement?  Motive verstehen ist der erste Schritt, neue Engagierte zu finden. Ist es „Tradition“, ist es ein Gefühl der Einsamkeit oder des Gebrauchtwerdens, ist es die Begeisterung oder Sorge für Europa, die Aktive antreibt? Besonders wichtig für die Ansprache neuer Personen sind die privaten Netzwerke. So seien Fotos auf dem eigenen privaten WhatApp-Status eine hervorragende Möglichkeit, Menschen im eigenen Umfeld sein Engagement und Aktivitäten des Vereins näher zu bringen.

Erwähnt wurden Studien zur Jugendbeteiligung, die explizit die Motive junger Menschen analysieren – vorgestellt u.a. bei einer Veranstaltung der Netzwerkstelle mit dem Thema „Dabei, aber nicht beteiligt? – Partizipation von Jugendlichen heute. Eine weitere kürzlich erschienene Studie stellt die Ergebnisse einer Befragung junger Menschen, Fachkräfte und Träger der Jugendarbeit im deutsch-britischen Jugendaustausch vor. Die Untersuchung wurde von People Dialogue and Change im Namen von IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e. V. durchgeführt. Die Befragung erfolgte im Rahmen der deutsch-britischen Zusammenarbeit unter der Schirmherrschaft von UK-German Connection.

Schließlich wurde auch die Frage des Engagements von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte erwähnt. Auch hierzu hat die Auslandsgesellschaft eine Publikation herausgebracht: Migration und Integration als Thema von Städtepartnerschaften.

Publikationen

Ein interessantes Thema kam auf bei der Frage der eigenen Veröffentlichungen zu Städtepartnerschaften. Eine Erfahrungsabfrage ergab, dass die CologneAlliance vor einigen Jahren sehr gute Erfahrung damit gemacht hatte. Gemeinsam mit den Partnerschaftsvereinen hatte CologneAlliance einen Reiseführer zu den 22 Kölner Partnerstädten entwickelt und mit dem Erlös die Partnerschaftsvereine unterstützt. Darin gab es je eine Doppelseite zu jeder Partnerschaft, gespickt mit den heißesten Tipps der profundesten Städtekenner – und zwar den jeweiligen Partnerschaftsvereinsvorsitzenden. Der Reiseführer stelle seinen Nutzen unter Beweis nicht nur beim Ehrenamtstag, aufgrund des typischen ansprechenden Marco-Polo Covers, sondern erhöhte generell die Sichtbarkeit der Partnerschaften. Julia Müller von der VDFG nannte ein weiteres Beispiel einer Publikation, einen „Alternativen Reiseführer“, der zu Koblenz und seinem französischen Partner veröffentlicht wurde: Große SemaineGuide Grosse Semaine – Koblenz

Partnerschaftsreisen mit der Auslandsgesellschaft

Die Auslandsgesellschaft ist seit langem als Reiseanbieter mit vielfältigem Programm über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Einige der Studienreisen sind als Bildungsurlaub anerkannt. Auf dem Programm stehen dabei Ziele mit historischen, kulturellen und gesellschaftspolitischen Bezügen, Ziele von aktueller Bedeutung – aber auch Ziele, die auf besonderen Wunsch einer Gruppe mitaufgenommen werden. Dazu zählen auch Städtepartnerschaftsreisen: maßgeschneiderte Studienreisen, etwa in die Partnerstadt sowie die umliegende Region, aber auch themenbasierte Fahrten etwa zu Europa, dabei wird die Fahrt in Kooperation mit dem Auftraggeber konzipiert und durchgeführt. Weitere Informationen: https://auslandsgesellschaft.de/studienreisen-jugendaustausch/

Kunst & Kultur

Ein weiterer Punkt auf der Tagesordnung betraf die Zusammenarbeit, den Austausch und Gemeinsamkeiten mit Kunstvereinen/Künstlern aus den Partnerstädten. Auch hierzu kamen aus den verschiedenen Vereinen zahlreiche gute Best practice Beispiele und Ideen zusammen. Übereinstimmend wurden Kunst, Musik und Kultur als wichtige Elemente des Austauschs genannt. Oft kommen sie ohne Sprachkenntnisse aus. In manchen Städten gibt es einen Austausch von Galerien, in vielen einen Austausch von Musikgruppen bei Musikveranstaltungen.

Bei derEuro Rock etwa, einem Duisburger Musikprojekt, das für internationalen Kulturaustausch steht, kommen jährlich Gruppen aus verschiedenen Ländern zusammen. Weitere derartige Beispiele finden sich auch im Veranstaltungsbericht zum Jubiläum NRW-Hauts-de-France.  Die Gruppen kommen beispielsweise aus Nijmegen (NL), Vilnius (Litauen), Krywyi Rih (Ukraine). Der Städtepartnerschaftsverein Köln – Istanbul e.V. berichtete von einer Fotoausstellung der Reisegruppen in die türkische Partnerstadt. Diese wurde in allen Stadtbezirken gezeigt und erhielt sehr große Resonanz. Vor zwei Jahren wurde sie sogar in Istanbul präsentiert. Entwickelt wurde sie ursprünglich von einer Reisegruppe. In Coesfeld gibt es alle zwei Jahre einen Ateliersrundgang mit Künstlern aus der niederländischen Partnerstadt De Bildt.

Auch Förderungen gibt es einige für Austausch von Kunst und Kultur. So fördert etwa das Institut für Auslandsbeziehungen u.a. Kontakte zwischen Künstlerinnen und Künstlern aus unterschiedlichen Staaten und Ausstellungen im Ausland. Es bietet Unterstützung für engagierte Menschen weltweit, die sich für Menschrechte und Konfliktbewältigung einsetzen sowie für deutsche Minderheiten im Ausland. Die Stadt Dortmund hat ein eigenes Programm für den Kunst- und Kulturaustausch mit den Partnerstädten eingerichtet.

Selbst nach zwei Stunden intensivem Austausch waren die Themen noch nicht erschöpft – für das nächste mal stehen bereits weiter Punkte auf der Liste.

Die kommenden Termine werden zeitnah per Email versendet und über unsere Website veröffentlicht.

Die Berichte der zurückliegenden Veranstaltungen „Forum Städtepartnerschaften NRW“ zum Nachlesen finden Sie unter diesem –> Link