29.-30. November 2024 | Gustav-Stresemann-Institut, Bonn

Städtepartnerschaftsvereine sind etwas Besonderes in der Vereinswelt:

  • sie sind für die deutsch-deutsche Einheit, das europäische Friedensprojekt oder gar den Weltfrieden gegründet worden und international aktiv,
  • sie schauen auf ein oft jahrzehntelanges Engagement in ihrer Heimatstadt und deren Partnerstadt zurück,
  • sie haben beim Organisieren von Jugendaustauschen und Delegationsbesuchen erfahren, wie kleinteilig die europäische Bürokratie sein kann und dennoch nie aufgegeben,
  • sie wissen, welche enormen Verdienste sich das Instrument der Städtepartnerschaft auf der internationalen Bühne erworben hat,
  • sie sind hochmotiviert, all ihre Erfahrungen weiterzugeben.

Damit dieses wertvolle Engagement auch in Zukunft weitergehen kann, entwickelte die Netzwerkstelle Städtepartnerschaften ein Fortbildungsangebot, um Städtepartnerschaftsvereine in ihrem Engagement zu unterstützen.

Denn Städtepartnerschaftsvereine ringen heute um Mitglieder und Nachwuchs, sie müssen sich mit mehr und mehr bürokratischen Anforderungen im Ehrenamt herumplagen, ihre Botschaften hip und medienwirksam an die Frau und den Mann bringen und sich überlegen, wie eigentlich ihre Strategie aussieht, damit ihr Verein und die dazugehörige Partnerschaft auch in fünf, zehn oder dreißig Jahren noch existiert.

Ein einem anderthalbtägigen Seminar mit Übernachtung im GSI in Bonn waren die Vertreterinnen und Vertreter von Städtepartnerschaftsvereinen in NRW eingeladen, sich mit der Seminarleitung und anderen Gleichgesinnten über die Herausforderungen auszutauschen, denen sie sich gegenübersehen. Geschaut werden sollte aufs große Ganze, aber auch ins Detail der unterschiedlichen Themengebiete.  

Das Interesse war riesig; fast dreimal so viele Personen hatten sich anmelden wollen als Plätze zur Verfügung standen. Insgesamt 25 Vertreterinnen und Vertreter von Städtepartnerschaftsvereinen konnte ein Platz im Seminar angeboten werden, um sich in vertraulicher Runde auszutauschen und gemeinsam an den Herausforderungen zu arbeiten.

Die Themenpalette umfasste Förderprogramme, Nachwuchsgewinnung, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, Strategieentwicklung, Vereinsführung und Vereinskultur, Vernetzung und die Zusammenarbeit mit dem Partnerverein. In handliche Themenpakete zerlegt, wurden gemeinsam auf kreative Weise Ansätze zur Problemlösung entwickelt. Das Programm umfasste die folgenden Punkte:

  • Vorstellung und Kennenlernen
  • Themenpaket 1: Förderprogramme – welche gibt es und wie kommen wir da ran?
  • Themenpaket 2: Best practices: was hat wo in welchem Bereich bereits geklappt?
  • Themenpaket 3 Strategie: wo stehen wir, wohin wollen wir?
  • Themenpaket 4: Mitgliedergewinnung
  • Nachklang: (Deine) nächste(n) Schritte

Zum einen wurden den Teilnehmenden durch Vorträge zu ausgewählten Themengebieten Wissen vermittelt (Input zum Themenpaket 1 „Förderprogramme“, Input zum Themenpaket 4 „Mitgliedergewinnung“ jeweils mittels einer Präsentation und anschließender Fragerunde). Zum anderen diente das Seminar dazu, die Teilnehmenden mit verschiedenen Methoden vertraut zu machen, die sie im Folgenden für ihre eigene Arbeit nutzen konnten, aber vor allem waren die dazu geeignet, um konkret die nächsten Schritte der eigenen Vereinsarbeit zu erarbeiten. Dazu zählten u.a.:

  • Vorstellungsspiel in Dreiergruppen, bei denen es darum ging, Gemeinsamkeiten zu finden und sie visuell in einem Dreieck auf Flipchartpapier festzuhalten.
  • Das Themenpaket 3 „Strategien“ wurde beispielsweise mithilfe der Methode der „Kollegialen Beratung“ angegangen. Dabei schildert eine Person als „Fallgeber“ ein Problem, während eine Gruppe von „Beratern“ ohne Zwischenfragen lauscht. Nun werden zunächst Verständnisfragen geklärt, bevor die „Berater“ ihre Lösungsideen mitteilen – ohne Kommentare des „Fallgebers“. Fall und Lösungsvorschläge werden auf Flipchartpapier notiert. Am Ende bewertet der „Fallgeber“ die vorgestellten Lösungsideen.
  • Im Nachklang wurde mit einer „Ideenwerkstatt“ gemeinschaftlich in mehreren Stufen – allein, zu zweit, in 4er Gruppen sowie in der großen Gruppe – gesammelt und dokumentiert, welche Ideen für konkrete Aktionen die Teilnehmenden mitnehmen wollten. Dieses Vorgehen erlaubte einen breiteren Feedbackhorizont sowie  eine weitere Vernetzung der Teilnehmenden.
  • Mit einer „Blitzlichtrunde“ am Ende wurde anschließend Feedback zum Seminar, sowohl zum Inhalt wie zur Logistik, in großer Runde abgefragt.

Nach zwei intensiven und inspirierenden Tagen nahmen Organisatoren wie Teilnehmende viele neue Erkenntnisse und Ideen mit nach Hause.

Fotos: Dagmar Becker