Offenes Austauschformat Forum Städtepartnerschaften NRW
Online | 29. April 2025 | 18-20 Uhr
Mit dem „Forum Städtepartnerschaften“ nehmen wir unsere gleichnamige in den Vorjahren gut angenommene Veranstaltungsreihe in leicht geänderter Ausführung wieder aufnehmen. Anders als in den Jahren 2021-2024 gibt es daher keine Themeninputs; dafür steht der offene Austausch im Vordergrund.
Das 14. „Forum Städtepartnerschaften NRW“ der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften brachte bei einem Abendtermin rund 40 Personen aus der Städtepartnerschaftslandschaft zusammen, davon rund drei Viertel Vereinsvertreter*innen.
Auch bei diesem Online-Treffen stand der offene Austausch im Vordergrund. Die Themenabfrage vorab hatte als Hauptanliegen die Themenbereiche Fördermittel, Vereinsfragen, Öffentlichkeitsarbeit, Nachwuchs sowie die weltpolitische Situation ergeben. Entsprechend strukturierte sich die Diskussion nach diesen Themen.
Kontakt, Städtepartnerschaft und Städtefreundschaft: Sinn und Zweck verschiedener Stufen kommunalen Verbindungen
Den Auftakt machte jedoch die Frage, was denn der Unterschied zwischen einer Städtepartnerschaft und einer Städtefreundschaft sei, die eine spannende Diskussion darüber auslöste, wie wichtig solche Formalitäten für den Alltag und die Projekte einer kommunalen Verbindung ist. Eine Definition der „Beziehungsgrade“ einer kommunalen Verbindung findet sich auf der Website des RGRE: https://www.rgre.de/partnerschaft/datenbank. Die Mehrheit der Teilnehmenden, so ergab eine kurze Umfrage, vertraten „klassische“ Städtepartnerschaften, die auf einem Partnerschaftsvertrag beruhten. Je formaler sie angelegt ist, desto mehr Verbindlichkeit hat eine Verbindung; Verträge und Vereinbarungen stellen eine sichtbare Verkörperung des Willens einer Stadtgesellschaft dar, über ihre gewählten Vertreter*innen im Stadtrat eine (internationale) Partnerschaft einzugehen und zu pflegen, und zwar über politische Mehrheitswechseln hinweg, die ja über eine Reihe von Wahlperioden möglich und wahrscheinlich sind. Zwar sind diese Verträge kaum „einklagbar“, dennoch können sie ein wichtiges Instrument darstellen, auf das z.B. die Zivilgesellschaft oder die Verwaltung sich berufen kann, um von der Politik Strukturen und Unterstützung für städtepartnerschaftliche Strukturen einzufordern. Den Schlusssatz zur spannenden Diskussion sprach Roland Schäfer, Ehrenpräsident des Deutschen Städte- und Gemeindebunds sowie des Städte- und Gemeindebunds NRW und ehemaliger Bürgermeister der Stadt Bergkamen, der von seinen eigenen Erfahrungen der verschiedenen „Verbindungsformen“ berichtete. Weitere Infos dazu finden sich ab S. 6 in der Broschüre „Städtepartnerschaften. Entwickeln. Leben. Ausbauen. Finanzieren.“
Fördermittel – welche Faktoren entscheiden über Förderquote und Förderhöhe?
Bei den Fördermitteln wurden diesmal insbesondere die für Jugendaustausche und für die Niederlande, UK und Frankreich besprochen. Einen Überblick über bilaterale Jugendwerke gibt es hier https://staedtepartnerschaftennrw.org/foerdermittel-des-bundes/ sowie auf S. 6. in der Broschüre „Städtepartnerschaften. Entwickeln. Leben. Ausbauen. Finanzieren.“
- Deutsch-Niederländisches Jugendwerk: https://www.dnjw.eu/
- Deutsch-Französisches Jugendwerk: www.dfjw.or
- UK-German Connection: https://ukgermanconnection.org/de/home-de/
Im deutsch-niederländischen Grenzgebiet kann zudem der Interreg-Kleinprojektefonds genutzt werden : https://www.euregio.eu/de/foerderungen/bis-25000-euro/.
Oft stellt sich die Frage nach den Bedingungen und Kriterien, nach denen sich Förderquote und Förderhöhe jährlich bestimmen. Warum kann ein Förderantrag in einem Jahr erfolgreich sein und mit hoher Fördersumme bedacht werden, derselbe Förderantrag im Folgejahr aber leer ausgehen? Dafür können unterschiedliche Faktoren verantwortlich sein. So haben Förderinstitutionen nicht für jedes Jahr das gleiche Budget zur Verfügung – das bemisst sich etwa nach den staatlichen Zuschüssen (z.B. für Jugendwerke), bei Stiftungen nach den jeweiligen Kapitalerträgen ihrer Geldanlagen, oder sonstigen Einnahmen. Auch können jährlich Umschichtungen bei den Förderprogrammen vorgenommen werden, neue Schwerpunkte gesetzt und bisherige aufgegeben werden. Dann kann es sein, dass etablierte Programme einen hohen Bekannheitsgrad erreichen, viele Anträge erhalten und dann entweder nur wenige Antragsteller Erfolg haben (die Förderquote sinkt dann) oder aber die Förderquote erhalten bleibt, aber das vorhandene Fördergeld sich auf mehr Antragssteller verteilt – dann sinken die Fördersummen. Fördermittelgeber können auch einen Akzent auf die Erstförderung eines Projekts setzen, und dann eben in Folgejahren weniger großzügig sein. Eine gute Idee ist es immer, wo möglich auf die Fördermittelgeber und die jeweilige Person, die für die Bewilligung zuständig ist, mit diesen Fragen zuzugehen, um sich mit solchem Hintergrundwissen besser auf künftige Antragsrunden vorbereiten zu können.
Einen Einstieg in den Förderdschungel gibt es hier: https://staedtepartnerschaftennrw.org/finanzierung, geordnet nach Förderdatenbanken, staatlichen/öffentlichen Fördermitteln auf den politischen Ebenen von Kommune über Bundesland hin zu Bund und EU, Stiftungen & Soziallotterien, sowie schließlich auch den Zugang über Dach- und Fachverbände auf Landes- und Bundesebene. Aktuelle Ausschreibungen und neue Fördertöpfe für Städtepartnerschaften werden auf der Seite „Aktuelles“ veröffentlicht. Weitere Infos gibt es in den Lesetipps der Netzwerkstelle und der Broschüre „Städtepartnerschaften. Entwickeln. Leben. Ausbauen. Finanzieren.“ (ab S. 21).
Interessant insbesondere für Vereine ist ferner die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE). Sie bietet eine Förderdatenbank, Beratung sowie eigene Förderprogramme an: https://www.deutsche-stiftung-engagement-und-ehrenamt.de/geld-akquirieren/
Auf Landesebene steht den Vereinen die Landesservicestelle für bürgerschaftliches Engagement zur Verfügung, die eine kostenfreie Beratung anbietet: https://www.engagiert-in-nrw.de/landesservicestelle/servicehotline-und-e-mail-beratung
Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit
Wie können Städtepartnerschaftsvereinen innerhalb einer Stadt oder in der näheren Nachbarschaft, Städtepartnerschaftsvereine mit anderen Vereinen vor Ort, und auch ihrer kommunalen Verwaltung besser zusammenarbeiten und sich vernetzen und bekannter werden? Diesmal gab es zahlreiche weitere spannende Ideen zur Vernetzungsfrage.
Ein positives Beispiel war die CologneAlliance, die Gesellschaft zur Förderung der Städtepartnerschaften der Stadt Köln e.V. in Köln, die als Dachverband der Kölner Städtepartnerschaftsvereine gegründet wurde und so als eigene Struktur für Vernetzung und Sichtbarkeit sorgt. Zu den Satzungszwecken gehört u.a. explizit das Entwickeln und Umsetzen von PR- und Marketingkonzepten und -maßnahmen, die Förderung der Zusammenarbeit der Kölner Städtepartnerschaftsvereine untereinander und mit der Stadt Köln, das Einwerben finanzieller Unterstützung durch private und juristische Personen, das Beantragen öffentlicher Mittel, sowie das Beraten der angeschlossenen Vereine in diesen Fragen. https://www.colognealliance.org/satzung_colognealliance/
In Wuppertal hat man für dieselbe Idee einen anderen Weg gefunden: der Verein „Der Grüne Weg e.V.“ fühlt sich der Heimatstadt Wuppertal und den Wuppertaler Partnerstädten ebenso verbunden wie dem Fahrrad und besucht daher Wuppertaler Partnerstädte per Fahrrad über grüne Wege. Das Konzept kann man hier nachlesen: https://der-gruene-weg.de/category/das-konzept/. Die Touren werden über lokale und regionale Medien und die Sozialen Medien beworben und begleitet und schaffen so eine breite Öffentlichkeit. Dazu trägt auch eine spezielle Artikelserie „Aus unserer Partnerstadt“ bei.
Der Dinslakener Partnerschaftsverein wiederum hat neben den üblichen Bürgerreisen, Vorträgen und Film-Matinéen verschiedene feste jährliche Termine im Kalender und stellt auf diese Weise Aufmerksamkeit und Interesse der Öffentlichkeit für die Partnerschaft etwa mit dem französischen Agen sicher. Dazu gehört etwa das Frankreichfest mit französischen Händlern auf dem Altmarkt, oder die jährliche Beaujolais-Verkostung im November. Dazu kommen Kooperationen mit der örtlichen Volkshochschule.
In anderen Städten denkt man über die Stadtgrenzen hinaus: welche weiteren Partnerschaftsvereine für Türkei-Partnerschaften gibt es etwa in der näheren Umgebung? Aachen und Herne etwa sind jeweils mit einem Stadtteil von Istanbul verpartnert, Köln direkt mit Istanbul; da macht ein Austausch über die jeweiligen Aktivitäten und Pläne, Herausforderungen und Ideen viel Sinn und es können sich viele Synergien ergeben.
Noch weiter in der geographischen Vernetzung ging man bei einem Projekt in Übach-Palenberg, als man zu einer großen Veranstaltung nicht nur die eigenen Partnerstädte, sondern auch noch deren Partnerstädte einlud.
Weitere best practice Beispiele der Vernetzung sind nachzulesen im Veranstaltungsbericht zum 13. Forum https://staedtepartnerschaftennrw.org/bericht-13-forum-staedtepartnerschaften-nrw/ sowie in der Broschüre „Städtepartnerschaften. Entwickeln. Leben. Ausbauen. Finanzieren.“ ab S. 14.
Die Nachwuchsfrage
Der Generationswechsel und die Werbung neuer Mitglieder sind besonders große Herausforderungen in den Städtepartnerschaftsvereinen. Eine besondere Erfolgsgeschichte kam diesmal aus Weilerswist. Da ist in der Coronazeit der letzten Jahre das Kunststück gelungen, für die Reise in die französische Partnerstadt zwanzig Jugendliche zu begeistern – bei kaum 20.000 Einwohnern sind das beachtliche Zahlen, insbesondere, weil der Erfolg sich seitdem fortgesetzt hat und sich seitdem monatliche Treffen der jungen Mitglieder des Partnerschaftsvereins in Weilerswist etabliert haben, sowie neue Formate wie digitale Schnitzeljagden. https://www.pg-weilerswist.de/
Auch aus dem Partnerschaftsverein Aachen-Sarıyer kam eine berührende Erfolgsgeschichte: wie über eine spontane und unentgeltliche Beratung von türkischstämmigen Kindern in Aachen zu Schulfragen insbesondere im Übergang Grundschule-weiterführende Schule ein Coaching-Programm entstand in einer Größenordnung und mit einer Strahlkraft, die u.a. auch Aufmerksamkeit und Förderung der Bertelsmann-Stiftung erfuhr, und im Laufe der Jahre dazu führte, dass die geförderten Kinder und Jugendliche heute den Vereinsvorstand weiterführen und sich engagieren. https://eurotuerk.com/nurhan-karacak/
Weltpolitische Situation
Schließlich wurde auch die aktuelle internationale Situation diskutiert, und die Schwierigkeiten, die sich daraus für die Aktivitäten von Städtepartnerschaften ergeben. Insbesondere die Kommunen und Vereine mit Partnerschaften in die USA, nach Großbritannien, Israel und in die Türkei sprachen von den Herausforderungen, denen sie sich aufgrund der aktuellen Entwicklungen gegenüber sehen. Lösungen von der Stange für alle gibt es dabei leider nicht. Im Gegenteil ist gerade die Vielfalt der Lösungsansätze die große Stärke der städtepartnerschaftlichen Bewegung, und der Austausch dazu inspirierend für andere Kommunen und Vereine, ja sogar auch von großem Interesse für übergeordnete politische Ebenen wie Land und Bund.
Israel
Für Städtepartnerschaften mit Israel gibt es auf Landesebene einen Ansprechpartner, das Büro des Landes in Israel, das bei der Staatskanzlei angesiedelt ist: https://mbeim.nrw/buero-des-landes-israel/staedtepartnerschaften.
USA
Städtepartnerschaften mit den USA finden ein Austauschforum u.a. in der Webplattform zum NRW-USA-Jahr 2024: https://nrw-usa.nrw/. Auch die Netzwerkstelle hat Veranstaltungen zur Vernetzung der NRW-US-amerikanischen Städtepartnerschaften angeboten, und widmet sich diesem Anliegen auch in Zukunft: https://staedtepartnerschaftennrw.org/veranstaltungshinweise-usa.
Großbritannien
Städtepartnerschaften mit Großbritannien sind die zweitmeisten in NRW. Mit dem politischen Lenkungsausschuss ist 2022 ein Koordinierungsgremium für die Beziehungen zwischen NRW und Großbritannien ins Leben gerufen worden, der insbesondere im Bildungsbereich für verstärkten Austausch sorgen soll: https://www.schulministerium.nrw/presse/pressemitteilungen/nordrhein-westfalen-und-das-vereinigte-koenigreich-staerken sowie https://www.schulministerium.nrw/foerderung-von-begegnungsmassnahmen-mit-dem-vereinigten-koenigreich.
Auch die Netzwerkstelle hat Veranstaltungen zur Vernetzung der NRW-US-amerikanischen Städtepartnerschaften angeboten und bleibt dem Thema weiterhin verbunden: https://staedtepartnerschaftennrw.org/veranstaltungshinweise-vereinigtes-koenigreich.
Türkei
Gerade in NRW sehr zahlreich sind die Städtepartnerschaften mit der Türkei, auch zu diesen Beziehungen gibt es Veranstaltungsberichte der Netzwerkstelle: https://staedtepartnerschaftennrw.org/veranstaltungshinweise-tuerkei/ sowie https://staedtepartnerschaftennrw.org/veranstaltungsbericht-aktuelle-situation-in-der-tuerkei-bedeutung-fuer-staedtepartnerschaften/.
Im Landtag NRW gibt es zudem in den Parlamentariergruppen weitere Ansprechpartner zum Thema:
- Israel: https://www.landtag.nrw.de/home/der-landtag/europa-und-internationales/parlamentariergruppen/israel.html
- Großbritannien: https://www.landtag.nrw.de/home/der-landtag/europa-und-internationales/parlamentariergruppen/grobritannien.html
- USA: https://www.landtag.nrw.de/home/der-landtag/europa-und-internationales/parlamentariergruppen/usa.html
- Türkei: https://www.landtag.nrw.de/home/der-landtag/europa-und-internationales/parlamentariergruppen/turkei.html
Nach zwei Stunden lebhafter Diskussion endete der Austausch. Die kommenden Termine werden zeitnah über unsere Website veröffentlicht.
Die kommenden Termine werden zeitnah über unsere Website veröffentlicht.
Die Berichte der zurückliegenden Veranstaltungen „Forum Städtepartnerschaften NRW“ zum Nachlesen finden Sie unter diesem –> Link
