Offenes Austauschformat Forum Städtepartnerschaften NRW
Online | 10. Februar 2026 | 11-13 Uhr
Das 21. Forum Städtepartnerschaften für Kommunen und Kreise fand am 10. Februar 2026 als digitale Austauschrunde statt. Zahlreiche Teilnehmende aus nordrhein-westfälischen Kommunen und Kreisen nahmen daran teil, erfreulicherweise auch einige, die erstmals dabei waren. Die Veranstaltung bot wie gewohnt Raum für Erfahrungsaustausch, Fragen aus der Praxis sowie Informationen zu aktuellen Fördermöglichkeiten. Nach einer kurzen Vorstellung von Auslandsgesellschaft und Netzwerkstelle Städtepartnerschaften ging es direkt in den Austausch.
Personalsuche für Städtepartnerschaften
Zum Auftakt stand das Thema Personalsuche und Stellenbeschreibungen bzw. Stellenbewertungen für Angestellte, die Städtepartnerschaftsarbeit in ihrem Aufgabenfeld haben, im Mittelpunkt. In einer kurzen Vorstellungsrunde kamen unterschiedliche Modelle aus der kommunalen Praxis zur Sprache. Deutlich wurde dabei, dass Städtepartnerschaften in vielen kommunalten Verwaltungen nur einen kleinen Teil des Aufgabenportfolios einer Stelle ausmachen. Häufig liegen sie als Zusatzaufgabe bei verschiedenen Stellen – etwa im Büro der Bürgermeisterin oder des Bürgermeisters, in Kultur- oder Presseabteilungen, im Stadtmarketing oder bei Europa- beziehungsweise Internationalen Beauftragten. Der zeitliche Anteil schwankte in den Berichten der Teilnehmenden zwischen etwa zehn und fünfzig Prozent der jeweiligen Stelle, in einigen Fällen sogar darüber hinaus. Nur wenige Kommunen verfügen über eine Stelle, die ausschließlich für die Partnerschaften zuständig ist.
Mehrfach wurde darauf hingewiesen, dass Stellenbeschreibungen entweder sehr alt sind oder ganz fehlen. Einige Teilnehmende berichteten, dass sie Aufgaben von Vorgängerinnen oder Vorgängern übernommen hätten, ohne dass eine formale Beschreibung vorliege. Gleichzeitig haben sich die Inhalte der Arbeit vielerorts stark verändert. Neben klassischen Begegnungen und Jubiläen stehen heute vermehrt Fördermittelakquise, grenzüberschreitende Projekte, Online-Formate sowie Kooperationen mit Schulen und Vereinen im Vordergrund. In mehreren Kommunen liegt die internationale Zusammenarbeit vollständig bei einer einzigen Person, die als zentrale Ansprechstelle für alle Themen fungiert. Eine Quelle für Stellenbeschreibungen mit Städtepartnerschaftszuständigkeit findet sich bei Interamt, dem Karriereportal des öffentlichen Dienstes.
Überalterung von Städtepartnerschaftsvereinen
Auch die Rolle der Zivilgesellschaft wurde intensiv diskutiert. Viele Partnerschaften werden heute maßgeblich von Vereinen, Schulen oder Initiativen getragen. Während dies in einigen Kommunen zu einer lebendigen Partnerschaftsarbeit führt, berichteten andere von überalterten Vereinsstrukturen oder sogar Auflösungen. Der Aufbau neuer zivilgesellschaftlicher Träger stellt sich oft als schwierig heraus, insbesondere wenn es an finanziellen oder personellen Ressourcen fehlt. Gleichzeitig wurde betont, wie wichtig es ist, junge Menschen einzubinden, etwa durch Jugendräte oder schulische Austauschprogramme. Auch über das Themenangebot können junge Menschen gezielt erreicht werden, so etwa zu Themen wie Nachhaltigkeit oder ähnlichen. Weitere Hinweise, Veranstaltungsberichte, Förderinformationen speziell für die Einbindung junger Menschen finden sich auf der entsprechenden Themenseite der Netzwerkstelle. Weitere Praxistipps, etwa zum Deutsch-Französischen Jugendausschuss, finden sich hier.
Auslandspraktika über Städtepartnerschaften
Zum vorigen Punkt gehört die Idee, über die eigenen Städtepartnerschaften den Jugendlichen Praktika im europäischen Ausland anzubieten. Auf diese Weise könnten junge Menschen eigene Erfahrungen mit den Partnerstädten sammeln, eigenen Verbindungen und Freundschaften aufbauen, und diese dann in ihre zukünftige berufliche und/oder ehrenamtliche Tätigkeit einbringen.
Eine Veranstaltung zum Thema „Städtepartnerschaften: Sprungbrett ins Auslands für Azubis?“ hat die Netzwerkstelle im Juli 2025 organisiert.
Finanzierung von Städtepartnerschaften während Haushaltssicherung / bei Inaktivität
Ein weiterer Schwerpunkt des Forums lag auf der Finanzierung von Partnerschaftsprojekten, insbesondere in Zeiten angespannter Haushaltslagen. Vorgestellt wurden verschiedene Fördermöglichkeiten, darunter Programme der Euregios, Landesprogramme, Stiftungen, Jugendwerke sowie europäische Förderlinien wie etwa über das Programm CERV, INTERREG oder weitere Programme aus den Europäischen Strukturfonds. Einen Überblick über europäische Fördermittel gibt es auf der Website des Regionalverbands Ruhr (RVR). Angebote der Landesregierung sind etwa die Europa Schecks, aber auch weitere, die sich in breiteren Allianzen von Zielgruppen oder Themen ergeben könnten, wie etwa Inklusions-Scheck oder Heimatscheck. Wichtig ist auch, einzubeziehen, wer sich für Fördermittel bewerben kann – eventuell lohnt sich der Zusammenschluss im Rahmen eines Projetks mit einem Verein oder einer Bildungseinrichtung, die auf andere Fördermittel Zugriff haben können als eine Kommune oder ein Kreis. Mehrere Teilnehmende berichteten von eigenen Projekten, etwa Jugendkonferenzen oder Austauschmaßnahmen, die mit Hilfe von Fördermitteln umgesetzt werden konnten. Dabei wurde deutlich, dass eine Kombination verschiedener Förderquellen oft notwendig ist, um Projekte zu realisieren, idealerweise mit einem Fördertopf, der keine Eigenmittel erfordert.
Broschüre zum Download mit einem eigenen Kapitel zur Finanzierung von Städtepartnerschaften: Städtepartnerschaften: Entwickeln – Leben-Ausbauen – Finanzieren
Innerdeutsche Städtepartnerschaften
Auch innerdeutsche Partnerschaften wurden thematisiert. Es existiert aktuell keine Übersicht innerdeutsche Städtepartnerschaften, die Liste des RGRE umfasst ausschließlich die internationalen Städtepartnerschaften. Hingegen gibt es umfangreiche historische Literatur zu deutsch-deutschen Städtepartnerschaften, etwa die Publikation „Im Blick: Deutsch-Deutsche Städtepartnerschaften: Der Beitrag der Kommunen im Einheitsprozess. Begleitband zur Ausstellung. Hrsg.: Freie Hansestadt Bremen Taschenbuch – 1. September 2010“_. Für innerdeutsche Kooperationen stehen soweit bekannt aktuell keine speziellen Förderprogramme zur Verfügung, sodass daher meist auf allgemeine Stiftungs- oder Projektmittel zurückgegriffen werden muss. Interessant für mögliche Projektmittel ist die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE), die immer wieder relevante Förderprogramme im Angebot hat.
Die Auslandsgesellschaft hat gemeinsam mit der Ruhr-Universität Bochum am 7. Oktober 2020 eine Veranstaltung zu innerdeutschen Städtepartnerschaften angeboten mit dem Titel „30 Jahre Deutsche Einheit – Zukunft der deutsch-deutschen Städtepartnerschaften. Viele dieser Partnerschaften sind auch heute noch aktiv, sie schaffen weiterhin eine lebendige Verbindung zwischen Ost und West, aber auch manchmal zwischen benachbarten Bundesländern ohne den Ost-West-Bezug. Angesichts der großen Zahl weiterhin existenter Ost-West-Partnerschaften in den NRW-Kommunen wäre das Thema wert, einmal intensiver behandelt zu werden.
Weiterführende Berichte zu innerdeutschen Städtepartnerschaften:
–> Bericht Ost-Westdeutsche Partnerschaften_07.10.2020_AG_Rub_4p
–> Auslandsgesellschaft.de | das magazin | Ausgabe 01/ 2021 | 1990-2020: 30 Jahre Deutsche Einheit
–> Bundeszentrale für politische Bildung: Deutsch-deutsche Begegnungen. Die Städtepartnerschaften am Tag der Deutschen Einheit – Constanza Calabretta, 2015
Projektideen / Europa-Schecks der Landesregierung
Eine Übersichtskarte in den letzten Ausschreibungsrunden vergebener Europa-Schecks ermöglicht es, sich best practice Beispiele der Vergangeneheit anzusehen und sich davon inspirieren zu lassen.
Eine Projektdatenbank mit Beispielen städtepartnerschaftlicher Projekte aus NRW gibt es zudem hier.
Feedbackrunde
In der abschließenden Feedbackrunde wurde die Veranstaltung von den Teilnehmenden durchweg positiv bewertet. Insbesondere Kolleginnen und Kollegen, die erst seit kurzem im Bereich Städtepartnerschaften tätig sind berichteten, dass ihnen der Austausch wertvolle Einblicke und Anregungen gegeben habe. Viele betonten, wie hilfreich es sei, von den Erfahrungen anderer Kommunen zu hören und sich über ähnliche Herausforderungen austauschen zu können. Gleichzeitig wurde deutlich, dass der geringe Stellenanteil für Städtepartnerschaften in vielen Verwaltungen als Problem wahrgenommen wird. Mehrere Teilnehmende äußerten den Wunsch, das Thema in künftigen Haushaltsrunden stärker zu verankern.
Das Forum zeigte einmal mehr, dass Städtepartnerschaften trotz begrenzter personeller Ressourcen eine wichtige Rolle für den internationalen Austausch auf kommunaler Ebene spielen. Der Bedarf an Vernetzung, praktischen Beispielen und Informationen zu Fördermöglichkeiten bleibt weiterhin groß, weshalb die regelmäßigen Austauschrunden von den Teilnehmenden sehr geschätzt werden.
Die kommenden Termine werden zeitnah über unsere Website veröffentlicht und per Einladung versendet.
Die Berichte der zurückliegenden Veranstaltungen der Reihe finden Sie zum Nachlesenfinden hier:
–> Archiv Forum Städtepartnerschaften NRW
