Offenes Austauschformat Forum Städtepartnerschaften NRW für Städtepartnerschaftsvereine
Online | 13. Januar 2026 | 18-20 Uhr
Das 20. „Forum Städtepartnerschaften NRW“ der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften richtete sich mit seinem Zeitfenster nach Feierabend insbesondere an die Ehrenamtlichen aus der Vereinswelt.
Am 13. Januar 2026 fand das 20. Forum Städtepartnerschaften NRW als offenes digitales Austauschformat mit über dreißig Teilnehmenden statt. Ziel der Veranstaltung war es, den Austausch zwischen teilnehmenden Partnerschaftsvereinen zu fördern, aktuelle Fragestellungen aufzugreifen und praxisnahe Erfahrungen zu teilen.
Nach der Begrüßung und einer einführenden Präsentation wurde das Vorgehen für den Abend erläutert. Aufgrund der Vielzahl vorab eingereichter Themenwünsche wurde bewusst auf eine Vorstellungsrunde verzichtet. Stattdessen stand die Besprechung der gemeldeten Fragen im Mittelpunkt.
Fördermöglichkeiten und Finanzierung
Ein zentraler Schwerpunkt der Diskussion lag auf Fördermitteln für internationale Partnerschaftsarbeit, etwa für Nord-Süd-Projekte, Kulturprojekte, Reisekosten, Austauschbesuche, Veranstaltungen und Reisen bestimmter Zielgruppen wie etwa Chören. Neben den Fördermitteln der eigenen Kommune wurden zahlreiche weitere genannt.
Entwicklungszusammenarbeit mit Ländern des Globalen Südens
Wenn es um Entwicklungszusammenarbeit mit Ländern des Globalen Südens geht, sind insbesondere Engagement Global (auch mit einer Außenstelle in Düsseldorf) und dessen Servicestelle Kommunen in der Einen Welt gute Ansprechpartner. Die Mitmachzentrale (MMZ) von Engagement Global ist die zentrale Anlaufstelle für Bürgerengagement in der Entwicklungszusammenarbeit und kommunalen Partnerschaften und bietet Beratung, Finanzierungshilfe und Vernetzung, um Menschen, Kommunen und Organisationen bei entwicklungspolitischen Projekten zu unterstützen. Die GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) unterstützt und fördert Städtepartnerschaften, indem sie den Austausch von kommunalen Akteuren aus Deutschland und Partnerländern ermöglicht, um lokale Entwicklungsziele (z. B. Klimaschutz, Digitalisierung) zu erreichen und politische Reformprozesse zu begleiten, z.B. auch über ihren Fachkräftefonds für kommunale Partnerschaften weltweit. Von den Teilnehmenden genannt wurde zudem das FSI Forum für soziale Innovation gGmbH (FSI), das als gemeinnütziger Träger von Projekten zur Stärkung zivilgesellschaftlichen Engagements in den Bereichen internationale Gesinnung, Entwicklungszusammenarbeit und kulturelle Toleranz und Verständigung gegründet worden war. Lag zu Anfang der Fokus auf der entwicklungspolitischen Inlandsarbeit in NRW und der Vernetzung der afrikanischen Diaspora in NRW, wurde die Aktivität mittlerweile auf weitere Diaspora-Gruppen und Akteure mit und ohne Migrationshintergrund ausgeweitet.
Fördermittel für Kunst und Kultur
Sowohl das Goethe-Institut wie auch das Institut für Auslandsbeziehungen fördern u.a. Kontakte zwischen Künstlerinnen und Künstlern aus unterschiedlichen Staaten und Ausstellungen im Ausland. Spezifisch für deutsch-britische Projekte gibt es das Förderprogramm Cultural Bridge, hier die Website auf Englisch.
Wichtige Förderinstitutionen sind zudem Sparkassen und Genossenschaftsbanken (Volksbanken, Raiffeisenbanken), insbesondere für Projekten im sozialen, kulturellen und sportlichen Bereich. Auch Service-Clubs wie Rotary, Lions und andere sind eine wichtige Quelle für Fundraising für gemeinnützige Organisationen. Besonders hervorgehoben wurde, dass auch kleinere Beträge durch gezielte Ansprache etwa auch von lokal ansässigen Unternehmen zusammenkommen können.
Förderprogramme in NRW
Ein niederschwelliges und geeignetes Förderinstrument für städtepartnerschaftliche Projekte ist die Landesinitiative Europa-Schecks der Landesregierung. Teilnahmebedingungen, eine Kurzanleitung, ein ausführlicher Leitfaden für den Finanzierungsplan sowie ein A-bis-Z und ein FAQ finden sich hier: https://mbeim.nrw/europa-schecks. Dazu wird ein Liste bisher geförderter Projekte zur Verfügung stellt, die eine gute Inspirationsquelle darstellt, sowie eine interaktive Karte, auf der man alle Projekte geographisch auf einen Blick finden kann.
Für thematische Austausche mit Partnern aus dem entsprechenden Bereich – sei es Musik, Sport, oder weiteres – lohnt es sich, bei den entsprechenden Landesverbänden nach Fördermitteln nachzufragen, etwa beim Landesmusikrat, dem Landessportbund und so weiter. Neben dem Europa-Scheck werden auf Landesebene zudem auch der Heimat-Scheck, der Inklusions-Scheck und weitere thematisch orientierte Fördermittel angeboten. Am Tag der Städtepartnerschaften in Bielefeld 2025 wurden einige dieser Möglichkeiten vorgestellt.
Einstieg in den Förderdschungel
Einen allgemeinen Einstieg in den Förderdschungel hat die Netzwerkstelle hier zusammengestellt:, geordnet nach Förderdatenbanken, staatlichen/öffentlichen Fördermitteln auf den politischen Ebenen von Kommune über Bundesland hin zu Bund und EU, Stiftungen & Soziallotterien, sowie schließlich auch den Zugang über Dach- und Fachverbände auf Landes- und Bundesebene. Aktuelle Ausschreibungen und neue Fördertöpfe für Städtepartnerschaften werden auf der Seite „Aktuelles“ veröffentlicht. Weitere Infos gibt es in den Lesetipps der Netzwerkstelle und der Broschüre „Städtepartnerschaften. Entwickeln. Leben. Ausbauen. Finanzieren.“ (ab S. 21).
Zum Mitmachen: Bundesweite Fördermittelstudie – Befragung bis 28.01.2026 online
Die Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen (HSPV NRW – Prof. Dr. Andrea Walter) und ZiviZ im Stifterverband (Dr. Peter Schubert/Julia Bartel) führen aktuell gemeinsam eine bundesweite Studie zur Bedeutung von kleineren Fördermittelbeträgen für zivilgesellschaftliche Organisationen in Deutschland durch. Die Befragung richtet sich sowohl an Organisationen mit Rechtsstatus (Vereine, Stiftungen oder auch gemeinnützige Kapitalgesellschaften) als auch an lose Gruppen und Initiativen ohne Rechtsstatus. Ziel ist es, besser zu verstehen, wofür Organisationen die beantragten Mittel einsetzen, welche Herausforderungen sie dabei erleben und welche Verbesserungen sie sich wünschen. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, entsprechende Förderprogramme gezielter an den Bedarfen der Praxis auszurichten. Die Studie wird durch WestLotto gefördert. Hier geht’s zur Befragung https://s2survey.net/foerdermittelstudie (Teilnahme möglich bis 28. Januar 2026).
Reisen, Begegnungen und Haftungsfragen
Der Austausch zu Erfahrungen mit Bürgerreisen in Partnerkommunen nahm breiten Raum ein. Gerade mit besonderen Gruppen wie Freiwilliger Feuerwehr, Volkstanzgruppen, Chören, Sportvereinen und zu besonderen Anlässen wie etwa Karneval gäbe es meist viel Interesse und Beteiligung vor allem an Reisen.
Aus Haftungsgründen finden es viele Vereine jedoch schwierig, selbst Reisen anzubieten. Auch für die Organisation wünsche sich viele professionelle Partner. Einige Vereine arbeiten daher punktuell mit Reisebüros zusammen. Auch die Auslandsgesellschaft bietet seit Jahren über ihre Reiseabteilung nicht nur Studien-, Bildungsreisen und Bildungsurlaube, sondern auch die Planung und Durchführung von Reisen in Partnerstädte an. Dabei wird die Fahrt in Kooperation mit dem Auftraggeber konzipiert und durchgeführt. Eine frühe Kontaktaufnahme empfiehlt sich, in der Regel mindestens ein Jahr im Voraus.
- Zu einem unverbindlichen Infoabend in der Auslandsgesellschaft in Dortmund zum Thema „Reisen Sie mit uns in Ihre Partnerstadt“ laden wir für den 6. Februar 2026 ein. Weitere Informationen und Anmeldung (bis 16.01.2026) hier.
- WICHTIG: Bei der Teilnahme an dieser Veranstaltung können wir Ihre Reisewünsche für das Jahr 2027 noch berücksichtigen; für Reisen im Jahr 2026 ist der Vorlauf bereits zu knapp.
Nachwuchsgewinnung und Mitgliederentwicklung
Junge Menschen und Nachwuchs
Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage der Nachwuchsgewinnung. Viele Vereine berichteten von Schwierigkeiten, junge Menschen langfristig zu binden, auch wenn Schüleraustausche oder Jugendbegegnungen gut angenommen werden. Als erfolgreich erwiesen sich unter anderem:
- die Verknüpfung von Austauschprogrammen mit einer (temporären) Vereinsmitgliedschaft,
- sportliche, kulturelle oder praxisnahe Angebote,
- gezielte Ansprache potenzieller Mitglieder („Klinkenputzen“),
- generationenübergreifende Projekte.
Mehrere Beispiele zeigten, dass auch ältere Zielgruppen eine wichtige Rolle spielen und Reisen sowie Projekte neue Mitglieder fast jeder Altersstufe gewinnen können.
Praktika, Ausbildung und beruflicher Austausch
Sehr positiv bewertet wurden internationale Praktikumsformate im Rahmen von mehreren Wochen oder Monaten, die bereits in mehreren Städten umgesetzt werden, oft im Verein mit der Kommune, aus deren Verwaltungsstrukturen Auszubildende in die Verwaltung der Partnerkommune entsandt werden, meist über Programme wie Erasmus+, aber nicht nur. Vorgestellt wurden Erfahrungen mit kurzen und längeren Praktika in beide Richtungen, unterstützt durch kommunale (technische) Betriebe, biologische Stationen, Bildungseinrichtungen und lokale Unternehmen.
Thematische Schwerpunkte lagen unter anderem auf Umwelt, Klima, Verwaltung, Landwirtschaft und Nachhaltigkeit. Solche Formate wurden als besonders nachhaltiger Beitrag zur Partnerschaftsarbeit hervorgehoben, da die jungen Menschen hierbei intensive persönliche Kontakte in der Partnerstadt knüpfen und durch die eigene berufliche Tätigkeit auch Gelegenheit finden, diese Kontakte weiter zu pflegen und eigene Projekte auf die Beine zu stellen bzw. im Verein aktiv zu werden.
Eine besonders spannende Idee hatte ein Partnerschaftsverein, der bei seinen Jugendaustauschen in der Partnerstadt immer dort ansässige deutsche Unternehmen besucht, die auch Praktikanten aufnehmen. So kommen vielfach gute Verbindungen durch spätere Praktika zustande. Ein anderer Partnerschaftsverein unterstützt den Austausch von Auszubildenden und setzt sich in diesem Zusammenhang für die Zusammenarbeit von Berufsschulen auf beiden Seiten ein.
Jubiläen und Öffentlichkeitsarbeit
Schließlich tauschten sich die Teilnehmenden auch über Ideen zur Gestaltung von Partnerschaftsjubiläen aus. Jubiläen bieten die Möglichkeit, neue Ideen einzubringen und Projekte anzustoßen. Meist lohnt sich eine frühzeitige Vorbereitung und das Erarbeiten neuer Ansätze.
Genannt wurden unter anderem:
- die Einbettung von Jubiläen in bestehende Stadt- oder Vereinsfeste,
- Ausstellungen, Zeitzeugengespräche und Archivarbeit,
- kreative Mitmachformate wie Tombolas oder Quizaktionen,
- gezielte Öffentlichkeitsarbeit zur Sichtbarmachung der Vereinsarbeit.
Mehrere Beispiele zeigten, dass Jubiläen nicht nur Rückblick, sondern auch wirksames Instrument zur Mitgliedergewinnung sein können. Weitere Inspiration gibt es im Internet mit entsprechenden Suchanfragen, zudem können die Gründungsdaten von Städtepartnerschaften in Deutschland auf der Datenbank des RGRE abgefragt werden. Auch die Netzwerkstelle Städtepartneschaften hat schon Jubiläumsveranstaltungen ausgerichtet, etwa zur deutsch-französischen Regionalpartnerschaft von NRW 2024.
Partnerländer
Besprochen wurden bei diesem Austausch Partnerschaftsbeziehungen u.a. mit Frankreich, Großbritannien, Türkei, Israel, Russland, Honduras und Nicaragua, Marokko, Italien, China aber auch deutsch-deutsche Städtepartnerschaften sind weiterhin aktiv und waren in der Diskussion vertreten.
Austauschformate, KI und digitale Lösungen
Die Vereinsvertreter*innen unterhielten sich über digitiale Lösungen wie z.B. Webling, um die Vereinsverwaltung einfacher und praktischer zu gestalten, und berichteten von Veranstaltungen für ihre Mitglieder zum Thema künstliche Intelligenz sowie zu Experimenten mit digitalen Anmeldeprozeduren statt bisher der papiergebundenen Anmeldung zu ihren Veranstaltungen und Reisen.
Kontaktliste der Vereine
Erneut wurde bei der Diskussion der Wunsch nach einer gemeinsamen Kontaktliste geäußert, damit sich die Vereine untereinander leichter kontaktieren könnten.
Gerne stellen wir hier einen Link zur Verfügung, über den Sie uns Ihren Verein und Ihre Kontaktdaten nennen können. Wir sammeln alle Kontakte in einer gemeinsamen Liste, die wir nur den dort genannten Personen im Anschluss zukommen lassen. Wir hoffen, mit diesem Angebot eine gute Lösung für die Vernetzungs- und Austauschwünsche der Partnerschaftsvereine zu schaffen.
Fazit
Die Veranstaltung bot erneut einen lebendigen und praxisnahen Austausch. Die Vielfalt der Themen – von Fördermitteln über Nachwuchsgewinnung bis hin zu digitalen Lösungen – verdeutlichte die aktuellen Herausforderungen, aber auch die Innovationskraft der Partnerschaftsvereine. Der offene Erfahrungsaustausch wurde von den Teilnehmenden als großer Mehrwert wahrgenommen und unterstrich die Bedeutung solcher Formate für die Weiterentwicklung der Städtepartnerschaftsarbeit in NRW.
Terminankündigung
22. Forum Städtepartnerschaften NRW für Städtepartnerschaftsvereine | Online
Donnerstag, 19. März 2026 | 18-20 Uhr
Einladung folgt
Berichte zurückliegender Veranstaltungen „Forum Städtepartnerschaften NRW“ zum Nachlesen finden Sie im
–> Archiv Online Veranstaltungen Forum Städtepartnerschaften NRW
