Offenes Austauschformat Forum Städtepartnerschaften NRW
Online | 28. April 2026 | 11-13 Uhr
Das 23. Forum Städtepartnerschaften für Kommunen und Kreise fand am 28. April 2026 als digitale Austauschrunde in der Mittagszeit statt. Zahlreiche Teilnehmende aus nordrhein-westfälischen Kommunen und Kreisen nahmen daran teil, erfreulicherweise auch einige, die erstmals dabei waren. Die Veranstaltung bot wie gewohnt Raum für Erfahrungsaustausch, Fragen aus der Praxis sowie Informationen zu aktuellen Fördermöglichkeiten. Nach einer kurzen Vorstellung von Auslandsgesellschaft und Netzwerkstelle Städtepartnerschaften ging es direkt in den Austausch.
Fördermittel
Wie zumeist standen zunächst die finanziellen Mittel für die Städtepartnerschaften im Mittelpunkt. Eine Schwierigkeit für die Finanzierung stellen meist Jubiläumsveranstaltungen dar, die ihren Schatten lange voraus werfen; hier ist eine langfristige Planung notwendig, die gezielt und strategisch Fördermittel für das in der Zukunft liegende Jubiläum akquiriert.
Auf die Frage, ob es für die Kommune denn eine einzige Anlaufstelle gebe, die zu sämtlichen Fördermitteln Beratung anbieten könnte, gab es leider keine positive Antwort. Doch auch ohne zentrale Anlaufstelle für eine Rundumberatung kamen beim gemeinsamen Brainstorming sehr viele hilfreiche und nützliche Tipps und Informationsquellen zusammen.
Die Netzwerkstelle Städtepartnerschaften widmet dem Thema Fördermittel einen eigenen Bereich auf ihrer Website. In einer Übersichtsbroschüre zu Städtepartnerschaften beschäftigt sich ein eigenes Kapitel mit der Finanzierung von Städtepartnerschaften: Städtepartnerschaften: Entwickeln – Leben-Ausbauen – Finanzieren (ab S.21).
Für den ehrenamtlichen Bereich von Städtepartnerschaften gibt es auf Landesebene die Landesservicestelle für bürgerschaftliches Engagement, auf Bundesebene die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) mit einer Förderdatenbank.
Auf Bundesebene bietet der Rat der Gemeinden und Regionen Europas über seinen Arbeitskreis der EU- und Förderreferenten einen zweimal jährlich stattfindenden Austausch zu diesem Thema.
Bundesweite Förderung insbesondere für Partnerschaften mit dem Globalen Süden gibt es bei der Servicestelle Kommunen der Einen Welt (SKEW), die bei Engagement Global angesiedelt ist. Auch die bilateralen Jugendwerke und der Deutsch-Französische Bürgerfonds wenden sich an Projekte aus dem gesamten Bundesgebiet.
Auf Landesebene gibt es mit den „Europa-Informationen“ einen hervorragenden Newsletter des Referats IV A 2 Europafähigkeit, Kommunen in Europa in der Staatskanzlei, Anmeldung per Email. Beratung insbesondere zur Landesinitiative Europa-Schecks gibt es durch die Mitarbeitenden bei der zuständigen Bezirksregierung Münster. Eine besondere Beratungsveranstaltung für die neue Ausschreibung findet am 05.05.2026 um 17 Uhr online statt.
Des weiteren gibt es Förderungen durch Landesprogramme (meist in der Zuständigkeit der Ministerien). Auch die fünf Bezirksregierungen in NRW mit ihren jeweiligen Europabüros sind gute Ansprechpartner, da sie allgemein einen guten Überblick über verfügbare Fördertöpfe haben.
Auf EU-Ebene gibt es europäische Förderlinien wie etwa das Programm CERV, das Programm INTERREG, die Förderprogramme der Euregios oder weitere Programme aus den Europäischen Strukturfonds. Bei den EU-Programmen CERV und Erasmus+ gibt es eigene Schulungen, da Anträge sehr komplex sein können. Einen Überblick über europäische Fördermittel gibt es auf der Website des Regionalverbands Ruhr (RVR). Das Institut für europäische Partnerschaften und internationale Zusammenarbeit e.V. (IPZ e.V.) bietet Beratung und Antragsprüfung gegen Gebühr für Mitglieder. Mehrere Teilnehmende sind bereits Mitglieder und empfehlen sowohl den sehr gehaltvollen Newsletter wie auch die hervorragende Beratung des IPZ.
Jugendbegegnungen
Aus den im Vorfeld der Veranstaltung eingereichten Themenwünschen betraft einer Jugendprojekte /-begegnungen zwischen Partnern und welche Formate bislang denn von den anderen Kommunen dafür genutzt werden.
Spontan stellte die Vertreterin der Stadt Bocholt das dortige bereits seit Jahrzehnten erfolgreich praktizierte Format vor. Das Bocholter europäische Jugendcamp findet jährlich jeweils in den Sommerferien im dortigen Tagungshotel Europa-Haus Bocholt statt. Organisiert wird es von Seiten der Stadt, besucht wird es von Jugendgruppen aus allen befreundeten Partnerstädten, meist sind des um die 60 Teilnehmende im Alter von 14-17 Jahren aus den Partnerstädten in verschiedenen Ländern. Als Campsprache ist Englisch etabliert. Die Vorbereitung schließt jeweils auch die Mitarbeit der verschiedenen Städtepartnerschaftsvereine Bocholts mit ein, die sich als Begleitgruppe im Vorfeld trifft. Das Camp wird durch das Programm Erasmus+ Jugend gefördert, dazu gibt es eine Förderung von 15 Euro/ Tag seitens der Stadt, des weiteren bringen auch alle Teilnehmenden einen Eigenanteil ein, so dass die Durchführung für die Stadt sehr kostengünstig bleibt. Allerdins sind die Erasmus+ Mittel durchaus komplex in der Beantragung, insbesondere wenn auch Teilnehmende aus Ländern wie Albanien und Ukraine dabei sind (für solche nicht-EU-Länder können nur bis zu 20% der EU-Mittel genutzt werden. Die Jugendleitungen beim Jugendcamp aus Bocholt sind ehrenamtlich tätig (Zertifikation durch Juleica). Jedes Jahr widmet sich das Jugendcamp einem besonderen Schwerpunktthema, etwa aus dem Bereich Sport, Kultur oder Musik. Weitere Informationen gibt es auf persönliche Nachfrage.
Weitere Beispiele für Jugendbegegnungen und Jugendfreizeiten gibt es etwa bei der Stadt Essen oder auch in Bergisch Gladbach oder Billerbeck, wo in den vergangenen Jahren insbesondere Kinderfreizeiten für Kinder aus den ukrainischen Partnerstädten angeboten wurden. Ferner organisiert die Stadt Münster regelmäßig die sogenannten „Twin City Games“, eine multinationale Jugendbegegnung mit jungen Leuten aus Münsters Partnerstädten.
Deutschland – deutsch-deutsche Städtepartnerschaften
Innerdeutsche Städtepartnerschaften sind bei den Veranstaltungen der Netzwerkstelle immer wieder Thema (so etwa bereits im Februar 2026). Es existiert aktuell keine Übersicht innerdeutsche Städtepartnerschaften, die Liste des RGRE umfasst ausschließlich die internationalen Städtepartnerschaften. Hingegen gibt es umfangreiche historische Literatur zu deutsch-deutschen Städtepartnerschaften. Auf über 800 Partnerschaften insgesamt wird die Zahl der ost-west-deutschen Partnerschaften geschätzt in der Broschüre „Im Blick: Deutsch-Deutsche Städtepartnerschaften: Der Beitrag der Kommunen im Einheitsprozess: Begleitband zur Ausstellung.“ (Hrsg.: Freie Hansestadt Bremen Taschenbuch – 1. September 2010). Eine ganze Reihe davon müsste in Nordrhein-Westfalen zu finden sein – aktuelle Untersuchungen dazu liegen jedoch nicht vor. Dennoch berichten regelmäßig Kommune und Kreise von ihren deutsch-deutschen Partnerschaften, fragen nach möglichen Fördermitteln und denken über die Zukunft und weitere Ausgestaltung dieser Partnerschaften nach. Eine dieser Fragen wurde von einer NRW-Gemeinde eingereicht, die Partnerschaften nach Brandenburg und Sachsen unterhält. Innerhalb der Partnerschaft kommt immer wieder der Vorschlag eines Schüleraustausches auf und wird kontrovers diskutiert. Die Frage ist immer die Sinnhaftigkeit eines solchen Austausches zwischen Städten des gleichen Landes (und eben nicht mit dem Ausland). Nach ihren eigenen Erfahrungswerten gefragt, meldeten sich gleich mehrere Kommunen, die gleichfalls Partnerschaften in den östlichen Bundesländern unterhalten. Im Rahmen dieser Partnerschaften finden durchaus Austausche statt – etwa gehen Auszubildende im Rahmen der Ausbildung für ein paar Wochen in die ostdeutsche Partnerstadt, zudem gibt es regelmäßige Dezernentenaustausch auf Arbeitsebene. Auch Partnerschaften zwischen den Jugendfeuerwehren und im Sportbereich gibt es.
Ukraine
Weiterhin sind NRW-Kommunen sehr engagiert in ihren Städtepartnerschaften mit der Ukraine. So gibt es auch hierzu immer wieder neue Fragen und Themen. Eine Frage betrifft den Umgang der NRW-Kommunen mit der Ausfuhr von Altkleiderspenden in die Ukraine um (s. SENT) – eine Stadt berichtete davon, dass Hilfstransporte gebrauchte Kleidung über Polen in die Ukraine bislang zwar kein Problem darstellten, aber seit dem 17. März 2026 nun anmeldepflichtig seien mit genauer Spezifikation des Inhalts, es gebe keine Ausfuhrgarantie. Das bedeutet für die Kommune viel Aufwand für die Spediteure, außerdem drohen Bußgelder. Eine einfache Antwort gab es auf diese Frage nicht; verwiesen wurde an die Kölner Hilfsorganisation Blau-Gelbes Kreuz, deren Gründerin Linda Mai seit Herbst 2025 zur Honorarkonsulin der Ukraine ernannt wurde. Das BGK unterstützt bereits seit 2014 die Entwicklung einer freien, demokratischen Ukraine auf vielfältige Weise, und hat sich insbesondere seit 2022 zu einem herausragenden Logistiker für Hilfslieferungen in die Ukraine entwickelt. Weitere Ansprechpartner könnten sein der in Dortmund ansässige Hilfsverein Grenzenlose Wärme, ebenso ein Logistik-Experte für Hilfsgüterlieferungen, sowie der Verein Städtepartnerschaft Bergisch Gladbach-Butscha, der ebenfalls große Erfahrung mit Hilfslieferungen hat, und auch die entsprechende Initiative in Billerbeck.
Polen
Ein Landkreis möchte eine neue Partnerschaft mit einem Landkreis in Polen beginnen und fragte in die Runde, wie am besten vorzugehen sei und auch was im Partnerschaftsvertrag stehen sollte. Zwar gibt es bereits eine Partnerschaft zwischen zwei kreisangehörigen Städten zwischen beiden Kreisen, jedoch existiert noch kein Verein für die Kreispartnerschaft, da die Initiative aus der Verwaltung kommt. Die polnischen Partnerschaften sind in NRW nach denen mit Frankreich und dem Vereinigten Königreich die drittmeisten – entsprechend fanden sich schnell mehrere Teilnehmende, die bereits eine polnische Partnerschaft pflegen. Insgesamt gibt es in NRW rund ein Dutzend Kreispartnerschaften mit Polen – da ist also viel Vergleichtspotential und Gelegenheit zum Austausch und Netzwerken. Eine Liste der NRW-polnischen Partnerschaften kann in der Datenbank des RGRE aufgerufen werden. Kommunen, deren Partnerschaft dort noch nicht aufgeführt ist, können sie selbst mithilfe des Buttons „Neue Partnerschaft hinzufügen“ in die Datenbank einbringen. Des weiteren kann ein Merkblatt zu neuen Partnerschaften mit der Ukraine genutzt und die Tipps etwa zur Vorgehensweise oder zu Musterverträgen ggf. auch auf andere neue Partnerschaften übertragen werden. Ein großartiges Hintergrunddokument zu deutsch-polnischen Städtepartnerschaften ist ferner die Studie des dpi „Suchen, was uns verbindet. Entwicklung, Chancen und Herausforderungen deutsch-polnischer Städtepartnerschaften“ von 2020. Die Verbindungen zwischen den NRW- und polnischen Kommunen sind sehr vielfältig – im einen Ort begann es mit einer Krankenhauspartnerschaft, an einem anderen durch einen Choraustausch. Vielfach wird berichtet, dass gerade der Austausch auf Verwaltungsebene als sehr aktiv und gewinnbringend empfunden wird, und dass es viele gemeinsame Themen gibt – insbesondere bei der aktuellen politischen Weltlage – und auch zahlreiche Fahrten in beide Richtungen. Als Auftakt für eine neue Partnerschaft kann immer die Einrichtung eines Runden Tisches empfohlen werden. Aber auch weitere Akteure im deutsch-polnischen Feld sollten mit ins Boot geholt oder können für weitere Informationen und Vernetzung angesprochen werden – so z.B. das Deutsch-Polnische Jugendwerk, das Deutsche Polen-Institut oder auch das Haus Schlesien in Königswinter.
Sonstiges – Grenzüberschreitendes
Gesprächsthema war zudem die am Jahresende anstehende Grenzlandkonferenz, die bereits zum achten mal zwischen NRW und den Niederlanden stattfindet, am 2. Dezember 2026 ganztägig in Bocholt. Sie richtet sich an alle, die sich den Niederlanden verbunden fühlen; etwa Schulen, Kommunen und Vereine, aber auch die Ministerebene. Eine guten Gelegenheit auch zum Netzwerken.
Schlussfolgerung
Insbesondere die Teilnehmenden, die zum ersten mal dabei waren, gaben an, vom heutigen Austausch viel mitnehmen zu können für ihre praktische Arbeit. Die „Schwarmintelligenz“ der Städtepartnerschaftsverantwortlichen in den Kommunen kann viel Hilfreiches zutage fördern zur Förderlandschaft und zur Vernetzung.
Die kommenden Termine werden zeitnah über unsere Website veröffentlicht und per Einladung versendet.
Die Berichte der zurückliegenden Veranstaltungen der Reihe finden Sie zum Nachlesenfinden hier:
–> Archiv Forum Städtepartnerschaften NRW
