„Ferien vom Krieg: Ferienfreizeiten in NRW für ukrainische Kinder““

Im Projekt „Reallabor Kommunaler Aufbaupartnerschaften NRW-Ukraine“ bietet die Netzwerkstelle Städtepartnerschaften der Auslandsgesellschaft.de e.V. engagierten Kommunen und Kreisen in NRW eine Plattform zu Austausch und Vernetzung bei ihrer Ukraine-Hilfe. Dabei wechseln sich die Formate „Fachaustausch“ und „Kollegialer Austausch“ monatlich ab.

Der vierte Fachaustausch widmete sich dem Thema Veranstaltung „Ferien vom Krieg: Ferienfreizeiten in NRW für ukrainische Kinder“. Über dreißig Teilnehmende aus fünf Kreisen, vierzehn kleineren und sechs Großstädten belegten das große kommunale Interesse an diesem Format.  

Austausch Schülerinnen und Schüler Bergisch Gladbach – Butscha

Arne Meinhardt vom Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Bergisch Gladbach – Butscha e.V. stellte vor, wie der Verein im Mai 2023 zum ersten mal den Besuch von Jugendlichen aus der ukrainischen Stadt Butscha in Bergisch Gladbach organisiert hatte. –> zur Präsentation

Wie zahlreiche deutsch-ukrainische Städtepartnerschaften ist die Partnerschaft zwischen Bergisch Gladbach und der nahe Kiew gelegenen ukrainischen Kleinstadt Butscha noch neu. Sie entstand, noch vor Butscha durch die Medienberichterstattung zum Symbol russischer Kriegsgräuel wurde, zunächst als eine trilaterale Partnerschaft mit der polnischen Partnerstadt Pszczyna. Humanitärer Hilfe folgte die Gründung eines schnell wachsenden Partnerschaftsvereins.

Die Projektidee, Jugendlichen aus Butscha eine Ferienfreitzeit in Bergisch Gladbach zu bieten, sollte pragmatische Unterstützung der Partnerstadt mit langfristigen Visionen verbinden. Notwendig dazu war die Bereitschaft aller städtischer Akteure, sich auf das Projekt einzulassen, für das es weder Blaupause noch Erfahrungswerte, jedoch umso mehr Unsicherheiten und Herausforderungen gab. Meinhardt schilderte, wie das Organisationsteam des Vereins vorgegangen war, um eine Schule in Bergisch Gladbach und – mit etwas mehr Aufwand – eine in Butscha zu finden, die am Projekt Interesse hatten, und mit welchen finanziellen Ressourcen dieses schließlich umgesetzt werden konnte. Wichtig war dem Verein, dass die Schulen künftig den Austausch weiterführen würden. Hierzu wurde insbesondere die Schulpflegschaft eingebunden. Der Verein hingegen unterstützte mit finanziellen und organisatorischen Ressourcen.

Die Rahmenbedingungen – Zeitraum, Dauer und Umfang der Ferienfreizeit, Unterbringung in Gastfamilien, Logistik, Programmablauf, offizielle Empfänge und Grillnachmittage für den Austausch – wurden sorgfältig besprochen und geplant, mit Hinblick auf kulturelle Unterschiede ebenso wie auf die Bedürfnisse aller Teilnehmenden. Unternehmenskontakte halfen, optimale Lösungen für die An- und Rückreise der ukrainischen Teilnehmenden sowie auch die Transportfragen der deutsch-ukrainischen Gruppe vor Ort zu finden.

Mithilfe der lokalen Presse wurde die Stadtgesellschaft eng miteingebunden und Raum für Begegnung geschaffen, um das Netzwerk weiter auszubauen, etwa durch Spendenaufrufe, Weihnachtskonzerte, etc. Strategisch wichtig war, so Meinhardt, gleich während des Austauschs die Perspektiven für zukünftige Begegnungen miteinander zu diskutieren und damit den Grundstein zu legen für die nächsten konkreten Projekte – im Fall von Butscha und Bergisch Gladbach mit Bezug zu den jeweils ähnlichen Karnevalstraditionen vor Ort.


Fragerunde – praktische Aspekte, Fördermittel

In der anschließenden Fragerunde kamen vor allem praktische Aspekte zur Diskussion, wie die Frage der Nützlichkeit von Begleitschreiben an der Grenze, der Versicherungssituation der ukrainischen Gäste im Fall von Krankheit oder Unfall, Visafragen, aber auch die nach Fördermitteln.

Informationen zu Fördermitteln explizit für Städtepartnerschaften mit der Ukraine hat die Netzwerkstelle in einem Handout bereits zusammengetragen. Zudem werden in einer speziellen Rubrik auf der Website der Netzwerkstelle weitere Fördermittel und neue Ausschreibungen dazu jeweils ergänzt. Einen Blick wert ist auch die Informationsseite der Netzwerkstelle zu Fördermitteln für Städtepartnerschaften allgemein.

Stiftung West-Östliche Begegnungen        

Die Stiftung West-Östliche Begegnungen fördert Begegnungsprojekte zivilgesellschaftlicher Institutionen mit ihren Partnerländern, u.a. auch der Ukraine, wie etwa Jugendbegegnungen, die Zusammenarbeit von Initiativen und Vereinen, Schulprojekte, und weitere. Sie berät Fördersuchende dabei, ihre Begegnungsmaßnahmen nachhaltig zu planen, Finanzierungen zu finden sowie Fördermittel zu beantragen. Weitere Informationen:

Stiftung West-Östliche Begegnungen| Nicolaihaus | Brüderstr. 13 | 10178 Berlin
Tel.: 030 2044840 | Mob.: 01512 9503173 | Fax: 030 20647646 | Mail: info@stiftung-woeb.de

Deutsches Kulturforum östliches Europa  

Das Deutsche Kulturforum östliches Europa e.V. wurde im Dezember 2000 vom Bund und dem Land Brandenburg als gemeinnütziger Verein mit Sitz in Potsdam gegründet und von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gefördert. Es engagiert sich für die zukunftsorientierte Vermittlung deutscher Kultur und Geschichte des östlichen Europa und will mit einer lebendige Erinnerungskultur Brücken bauen zwischen Deutschland und diesen Regionen. Dank zahlreicher Partner bildet es eine Schnittstelle zu unterschiedlichen Themen, Ausschreibungen, Stipendien und Förderungen.  

Deutsches Kulturforum östliches Europa e.V. | Berliner Straße 135 | Haus K1 | D-14467 Potsdam
T. +49 (0)331 20098-0 | E-Mail: deutsches@kulturforum.info |www.kulturforum.info


Vertreterinnen aus Münster sowie Billerbeck berichteten über eigene Erfahrungen mit Ferienfreizeiten für ukrainische Jugendliche.

Die Solidaritätspartnerschaft der Stadt Münster mit der ukrainischen Stadt Winnyzja besteht seit dem 9. März 2023. Im Juli 2023 waren über vierzig Kinder aus Winnyzja eine Woche in Münster zu Gast, organisiert vom Büro Internationales der Stadt. Dabei gab es viele Ähnlichkeiten zur Ferienfreizeit in Bergisch Gladbach: auch nach Münster waren die ukrainischen Gäste mit einem Bus aus der Ukraine angereist, auch hier waren zur Betreuung und Begleitung der Kinder ukrainische Lehrerinnen von der Schule der Kinder mitgekommen, manche davon mit explizit psychotherapeutischer Kompetenz. Anders als in Bergisch Gladbach erfolgte die Unterkunft allerdings nicht in Gastfamilien, sondern im Jugendgästehaus. Verwaltung, Zivilgesellschaft, aber auch Institutionen vor Ort wie die Universität Münster brachten sich auf verschiedene Weise in Finanzierung und Programmgestaltung ein. Gefördert wurde die Kinderfreizeit u.a. von Engagement Global mit Mitteln des BMZ. An die Ferienfreizeit gekoppelt fand parallel auch ein Fachaustausch zum Thema Kindergesundheit statt, es wurde über die Möglichkeit von künftigen Schulpartnerschaften gesprochen. Im August 2023 waren dann bei den „Twin City Games“, einer multinationalen Jugendbegegnung mit jungen Leuten aus Münsters Partnerstädten in Münster, auch Jugendliche aus Winnyzja dabei. Neben dem gemeinsamen sportlichen Interesse stand hier der Austausch zum Thema Frieden im Mittelpunkt, Thema war „375 Jahre Westfälischer Friede“.

Billerbeck kam über die Städtepartnerschaft mit dem lettischen Iecava im Rahmen eines Besuches der Bürgermeisterin im Juni 2022 in Kontakt mit dem Bürgermeister der ukrainischen Stadt Malyn. Der persönliche Kontakt führte zu Hilfs- und Unterstützungsangeboten, aus denen eine Ferienfreizeit für Kinder aus der Stadt Malyn entwickelt wurde. So konnten bereits im Juli 2022 neunzehn Kinder in zehn Gastfamilien aus Billerbeck und Umgebung aufgenommen werden. Daraus entstand in der Folge die „Elterninitiative Malyn“ und Spendenaktionen für den Ankauf von Notstromaggregaten und Öfen für Malyn und deren Transport in die Ukraine. Die Ferienfreizeit für Kinder aus Malyn wurde im August 2023 wiederholt – diesmal außerhalb der NRW-Ferienzeit, um den Billerbecker Gastfamilien die Teilnahme zu erleichtern.

Vielfach beschäftigte die Teilnehmenden die Frage nach dem Umgang mit möglichen Traumata der Kinder und Jugendlichen und wie man dafür einen sicheren, professionellen Rahmen schaffen kann. Auch die Auswahl von Kindern und Jugendlichen für eine solche Ferienfreizeit sowie auch die Frage der Auswahl von Gastfamilien vor Ort wurde angesprochen. In den Kommunen, die hierzu bereits Erfahrungen gesammelt hatten, hatte man sich dieselben Gedanken gemacht und auf verschiedene Weise versucht, hier Lösungen zu finden, etwa durch die Unterstützung von ukrainischer Seite bei der Auswahl der Kinder und Jugendlichen für das Programm, durch einen hohen Betreuungsschlüssel und den Kindern bereits bekannte Betreuer*innen mit entsprechenden Fachkompetenzen, sowie auch engen Kontakt im Vorfeld mit den ukrainischen Kindern und Jugendlichen und ihren Eltern, etwa über Messenger-Gruppen. Einig war man sich, dass selbst eine sehr gute Vorbereitung zwar keine Garantie dafür sei, alle möglichen Ereignisse oder Folgen abschätzen oder vorhersagen zu können. Dennoch hatte es überall bislang nur positive Erfahrungen gegeben, und die bisherigen Erfahrungen, Ergebnisse und Erfolge würden zum Weitermachen ermutigen. Einhellig war das Angebot, die eigenen Erfahrungen gern mit Kommunen, die ähnliche Projekte planten, zu teilen.


Veranstaltungsberichte für vergangene Veranstaltungen des „Reallabors Ukraine“

Im Rahmen des „Reallabors Kommunaler Aufbaupartnerschaften NRW – Ukraine“ bietet die Netzwerkstelle eine Informationsreihe zu Themenbereichen an, die für die aktuelle und zukünftige Zusammenarbeit mit den ukrainischen Partnern von Nutzen sein können. Veranstaltungsberichte für vergangene Veranstaltungen finden Sie auf unserer Website –> Reallabor Ukraine Veranstaltungen sowie regelmäßig auch in unserem Newsletter (https://staedtepartnerschaftennrw.org/unser-newsletter). Wenn Sie in unseren Verteiler aufgenommen werden sollen, wenden Sie sich gern an Dagmar Becker: becker@auslandsgesellschaft.de.