Sie mögen sich einfach….

Gedanken zur deutsch-amerikanischen Städtepartnerschaft von Gerald Baars:

Was nicht geht, geht nicht. Reisen ist zurzeit nicht möglich. Doch Not macht erfinderisch. Austauschschüler und Gasteltern treffen sich dann halt im Online Dialog. Die Corona-Pandemie, Rassismus oder die amerikanischen Wahlen werden virtuell diskutiert, direkt und miteinander. Und es stellt sich schnell heraus, wie viele Gemeinsamkeiten uns verbinden.

Wenn Byron Brown, der Bürgermeister von Buffalo, als Rezept gegen Rassismus in der Polizei uns empfiehlt, was er selbst macht, nämlich möglichst viele Schwarze oder Latinos in der Polizei einzustellen, können wir Deutschen davon lernen, denn auch bei uns gibt es leider rassistische Tendenzen in den Strafverfolgungsbehörden.

Politik ist normalerweise kein Gesprächsthema zwischen Freunden und Nachbarn in den USA. Schließlich soll die Stimmung nicht getrübt werden. Aber selbst Trump-Anhänger verstehen, dass die Tweets und Sprüche ihres Ex-Präsidenten in Deutschland irritiert haben, zum Teil verstörend wirkten. Übrigens auch bei einer Vielzahl von Amerikanern. Und auch Trump-Wähler fanden das nicht alles gut.

Foto: Pixabay

In jedem Fall waren sich aber alle in der Videokonferenz einig: das war ein gutes Gespräch, es war schön, sich wiederzusehen, das müssen wir wiederholen. Egal, wer gerade an der Regierung ist: unsere Freundschaft hat damit nichts zu tun.

Die ältesten Städtepartnerschaften sind schließlich fast 75 Jahre alt, gleich nach dem Krieg gegründet. Und Dortmund-Buffalo hat auch bald 45 Jahre Bestand. Die Initiative ging übrigens meist von Amerikanern aus, in Buffalo von Deutschstämmigen, die ihre Kultur im Austausch pflegen und bewahren wollten. Und es wurden von Jahr zu Jahr mehr Aktive mit der wachsenden Zahl von Austauschschülerinnen der -studenten.

Greg und Lynn Engle zum Beispiel waren selbst im Schüleraustausch in Dortmund, lernten sich dabei kennen und lieben, sind heute verheiratet und halten als Präsident und Austauschorganisatorin das Sister-City-Committee Buffalo-Dortmund maßgeblich mit lebendig.

Besonders beliebt sind die viermonatigen High-School-Programme mit ihren Exkursionen natürlich zu den Niagara Fällen und nach New York City.

Und was störte es den BVB-Fanclub-Buffalo, was Trump gerade über die Europäer twitterte. Hauptsache, Borussia gewinnt das Revier-Derby. Da waren sich die Buffalonian Fans und die Dortmunder uneingeschänkt einig.

Natürlich ist eine transatlantische Städtepartnerschaft nicht so einfach lebendig zu halten, wie eine deutsch-französische, wo sich Freunde in ein paar Autostunden gegenseitig immer wieder besuchen können. Doch fast 2.000 Jugendliche aus Dortmund haben mittlerweile schon an einem Austauschprogramm in Buffalo teilgenommen, und etliche sind später wieder privat hingeflogen, um ihre Freunde zu besuchen. Eine Austauschmutter, Joan McGuire, gibt all ihren jungen Gästen stets bei der Abreise einen Hausschlüssel mit, damit sie wissen, dass sie jederzeit wiederkommen dürfen und bei ihr ein Zuhause haben.

Die Universitäten, Schulen, Kirchengemeinden halten die Freundschaft lebendig, vorallem aber die Menschen, die an den Programmen selbst teilgenommen und es als Bereicherung ihres Lebens empfunden haben.

Donald Trump hat zwar in vier Jahren als Präsident reichlich Porzellan in den politischen Beziehungen zerschlagen, aber die Kontakte zwischen den Menschen in Dortmund und Buffalo sind deshalb nicht abgebrochen worden. Vielleicht sind nicht so viele neue in dieser Zeit hinzugekommen, weil manch einer sich nicht wohl gefühlt hat, unter Trump in die USA zu reisen. Doch Amerika war und wird immer ein Sehnsuchtsziel junger Deutscher bleiben, und sie werden dort nach wie vor herzlich mit offenen Armen empfangen. Präsident Biden wird in kurzer Zeit auch das politische Vertrauen zwischen den Regierungen wiederherstellen. Er ist auf dem besten Wege dahin. Selbst wenn Trump noch nicht aufgibt und versuchen wird, die republikanische Partei als Marionette am Gängelband zu führen. Amerika wird sich immer auf seine demokratischen Werte besinnen und sich dagegen zur Wehr setzen.






Foto: Pixabay

Das zwischenmenschliche Vertrauen zwischen Buffalonians und Dortmundern gab es jedenfalls ohne Unterbrechung. Denn Amerikaner und Deutsche teilen dieselben grundlegenden Werte, Weltanschauungen und Sympathien.
Sie mögen sich einfach.

Gerald Baars: Ab 2000 leitete Baars sechs Jahre lang das ARD-Studio in New York, danach war er Leiter des WDR Studios in Dortmund. Seit 2006 leitet er die Deutsch-Amerikanische Gesellschaft in der Auslandsgesellschaft.de e.V.

Veröffentlicht von Netzwerkstelle Städtepartnerschaften

Netzwerkstelle Städtepartnerschaften | Auslandsgesellschaft.de e.V.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s