Gemeinsam mehr erreichen: Nachhaltigkeit als Gewinner-Thema für Städtepartnerschaften
Online-Abschlussveranstaltung
Dienstag, 15. September 2026 | 10-12 Uhr | Online


Unter dem Titel „Gemeinsam mehr erreichen – Nachhaltigkeit als Gewinnerthema für Städtepartnerschaften“ lud die Netzwerkstelle Städtepartnerschaften am 15. September 2026 zur Abschlussveranstaltung im Rahmen des von der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen geförderten Projekts ein. Rund 40 Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen, Kreisen und Partnerschaftsvereinen und Umwelt- und Klimaschutzorganisationen kamen zusammen, um über die Verbindung von Klimaschutz, globaler Verantwortung und städtepartnerschaftlichem Engagement zu diskutieren.
Im Zentrum standen ein Vortrag der Kernbefunde der durchgeführten Umfrage-Ergebnisse, eine Gesprächsrunde mit Experten aus dem Bereich Umwelt- und Klimaschutz und „Netzwerk Nachhaltigkeit“ sowie zwei Best-Practice Impulsbeiträge aus den Städtepartnerschaften. Abgeschlossen wurde die Veranstaltung mit einer Gesprächsrunde zu Erfolgsfaktoren und Hürden, zu Praxisbeispielen aus nordrhein-westfälischen Kommunen und einem anschließenden Austausch im Forum zu Projektideen und möglichen Kooperationspartnern.
Die Kernbefunde der Umfrage-Ergebnisse, ergänzt um die Interviews
Der Projekt-Abschlussbericht mit den vollständigen Umfrage-Ergebnissen und den durchgeführten Interviews wird in Kürze auf der Website der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften veröffentlicht. Untenstehend finden Sie die Präsentation mit den Kernbefunden aus der Abschlussveranstaltung.
Klimapartnerschaften als Erweiterung städtepartnerschaftlichen Engagements: Allgemeines und Besonderheiten in den Partnerschaften
Den Auftakt bildete ein Gesprächsbeitrag von Thomas Brose, Geschäftsführer des Klima-Bündnis Europa. Zentrale These war, dass bestehende Partnerschaften um eine inhaltliche Komponente erweitert werden können, die eine globale Lösung erfordert – getragen von der gemeinsamen Verantwortung, die alle Kommunen weltweit teilen. Auf diesem Weg können auch neue Partnerschaften entstehen, etwa indem versucht wird, Partnerschaften mit indigenen Gemeinschaften in bestehende Städtepartnerschaften einzubeziehen. Besondere Relevanz bekam an dieser Stelle der Punkt der „Partnerschaften auf Augenhöhe“, sowie die Bedeutung der eigenen „Kritikfähigkeit“, wenn es um die Reflexion der Aufgaben, Perspektiven und Ideen geht. Im Gesprächsverlauf wurde nun von Moritz Schmidt, Bereichsleitung Beratung und Qualifizierung bei der LAG 21, unter anderem die Idee der „Dreieckspartnerschaften“ vorgestellt: In einigen europäischen Ländern – etwa Frankreich, Spanien, dem Vereinigten Königreich und Portugal – bestehen oft bereits umfangreich gewachsene Kontakte und Partnerschaften in den Globalen Süden. Hier können bestehende deutsche Städtepartner als dritter Partner hinzukommen und so von den etablierten Beziehungen profitieren. Wichtig ist bei der Analyse dieser gewachsenen Beziehungen stets die historische Dimension – unter der besonderen Berücksichtigung der kolonialen Vergangenheit – und somit das Bewusstsein für die notwendige Sensibilität. Sowohl Herr Brose als auch Herr Schmidt betonten in diesem Kontext: Oftmals bedürfen die Prozesse große Anstrengung und sind nicht immer leicht umzusetzen – die Motivation und das Durchhaltevermögen, sich den arbeitsintensiven Aufgaben in sensiblen Kontexten zu stellen, werden am Ende aber durch die „Partnerschaften auf Augenhöhe“ oftmals belohnt.
Auf die Frage, wie kleinere Kommunen in dieses Themenfeld einsteigen können, wurde von beiden Gesprächspartnern empfohlen, auf die bereits vorgestellten Angebote zurückzugreifen. Wichtig sei dabei, dass Reisen stets mit einem konkreten Ziel verbunden sind und keine reinen Besuchsreisen darstellen; eigene Probleme und Ziele der Kommunen und Vereine sollten nach Möglichkeit mit in die Reise einbezogen und mitgelöst werden. Ergänzend wurde berichtet, dass die Mehrzahl der Mitgliedskommunen des vorgestellten Klimabündnisses und der LAG 21 ohnehin kleinere Kommunen sind. Als konkretes Beispiel diente das deutsch-französische Projekt „Tandem“ zur Zusammenarbeit in den Bereichen Klima und Energie; insgesamt bietet das gesamte „Netzwerk Nachhaltigkeit“ vielen kleineren Kommunen Austausch und bei Bedarf auch (städte-)partnerschaftsähnliche Elemente als Dienstleistung an.
–> Präsentation transkribierte Interviews LINK NN
Erfolgsfaktoren und Herausforderungen
Auf die Frage, was Klimapartnerschaften erfolgreich ans Laufen bringt, wurde deutlich: Vor der Struktur stehen die Menschen. Eine stützende Zivilgesellschaft ist ebenso notwendig wie ein politischer Wille, das Thema aktiv aufzugreifen. Zudem müsse ein Nachhaltigkeitsprojekt im wörtlichen Sinne „nachhaltig“, also auf Dauer angelegt sein.
Aus der praktischen Arbeit wurde berichtet, dass es eine hohe Frustrationstoleranz braucht: Kulturelle Unterschiede, Probleme und Herausforderungen sollten nicht idealisiert, sondern gezielt angesprochen werden; man müsse bereit sein, auch kritisch mit ihnen umzugehen. Bestätigt wurde zudem, dass erfahrene Akteurinnen und Akteure hier als Vermittler helfen können und dass es wichtig ist, die Erwartungshaltungen auf allen Seiten vorab realistisch einzuschätzen.
Best Practice-Beispiele aus den Kommunen
Dortmund und Kumasi (Ghana): Claudia Schütz (Stadt Dortmund) stellte die kommunale Klimapartnerschaft mit Kumasi vor, die sich vor allem am Nachhaltigkeitsziel SDG 17 („Partnerschaften zur Erreichung der Ziele“) orientiert, darüber hinaus aber an mehrere SDGs angedockt ist. Das Programm der Kommunalen Klimapartnerschaften hat beide Städte in 2011 miteinander gematcht; die Beziehung wurde zwischenzeitlich unterbrochen und 2020 erneuert. Das Programm kommunaler Fachaustausch NRW-Ghana ab 2022 war grundlegend für die Weiterentwicklung der Partnerschaft, die seit 2024 als formelle Städtepartnerschaft besteht. Ein konkretes Projekt ist faire Arbeitskleidung aus Ghana: Die Stadt Dortmund plant, künftig nachhaltig und fair produzierte Dienstkleidung u.a. aus ihrer Partnerstadt Kumasi zu beziehen und damit die dortige Textilwirtschaft sowie faire Arbeitsbedingungen zu stärken. Unterstützt wird das Vorhaben von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), die die Zusammenarbeit und nachhaltige Beschaffung begleitet. Betont wurde, dass Partnerschaft auch Begegnung bedeutet: Neben der Frauenförderung und der Stärkung von Frauen in Führungspositionen wird dem Aufbau lokaler Vernetzung ein eigenes Workshop-Format vor Ort gewidmet, ein weiterer Termin ist bereits geplant. Zudem entsteht aktuell ein Kinderbuch, das den kulturellen Austausch für Völker-verständigung in Dortmund ermitteln soll.
–> Präsentation der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften: Best Practice-Beispiel Stadt Dortmund
Bochum und Nordhausen: Luisa Braun Yildirim (Stadt Bochum) stellte die deutsch-deutsche Städtepartnerschaft Bochum-Nordhausen vor. In Bochum trägt der zuständige Partnerschaftsverein die Beziehung erheblich mit; am vorangegangenen Wochenende war eine Delegation aus Nordhausen zu Gast beim Bochumer Musiksommer. Beide Städte treten zudem bei der Fairen Woche gemeinsam auf, unter anderem mit einem gemeinsamen Banner „Fairtrade-Städte Bochum & Nordhausen“; die aktuelle Faire Woche findet vom 11. bis 25. September 2026 statt.
–> Präsentation der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften: Best Practice-Beispiel Stadt Bochum
Aus dem anschließenden Austausch zum Netzwerk
Aus Hamm wurde von der Stelle für kommunale Entwicklungspolitik berichtet, die anderen Kommunen eine Kontaktmöglichkeit anbietet. Bei weiteren Nachfragen kann die Netzwerkstelle hier gerne die entstandenen Kontakte und/oder Anfragen nach Hamm vermitteln.
Auch in Köln ging die Beschäftigung mit dem Thema Nachhaltigkeit von der Zivilgesellschaft aus und nicht von den Städtepartnerschaftsvereinen selbst. Eine Teilnehmerin dankte der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften ausdrücklich dafür, das Thema aufzugreifen, wies aber zugleich auf den kommunalen Sparzwang hin: Der Druck aus der Zivilgesellschaft lasse aktuell leider nach, während ein politischer Rechtfertigungsdruck beziehungsweise entsprechende Gründe vorgegeben werden müssten. Hier könnten Städtepartnerschaftsvereine unterstützend wirken, indem sie das Thema Nachhaltigkeit aufgreifen.
Ein Thema im Fokus: Nachwuchsgewinnung und Engagement junger Menschen
Ein wiederkehrendes Thema war die Überalterung der Vereinsstrukturen. Aus einem Verein wurde berichtet, dass junge Menschen bislang kaum für die Partnerschaftsarbeit zu gewinnen sind, obwohl versucht wird, jedes Thema aufzugreifen, um die Jugend anzusprechen. In der Runde wurde daher gezielt nach Praxisbeispielen aus anderen Vereinen gefragt.
Als Beispiele wurden unter anderem ein in Planung befindliches Projekt mit vier Partnerstädten genannt, im Rahmen dessen sich Jugendliche aus den beteiligten Ländern in Brüssel treffen sollen, sowie das Bündnis „Demokratie gemeinsam leben“ in Coesfeld. Dort fand im Mai im Schlosspark ein „Freiheitstag“ statt, bei dem Jugendliche Zeitzeug*innen des Zweiten Weltkriegs befragen konnten.
Als besonders gelungenes Praxisbeispiel wurde eine Jugend-Steuerungsgruppe im Rahmen einer Fairtrade-Town-Initiative vorgestellt, die ebenfalls zunächst mit einer überalterten Mitgliederstruktur zu kämpfen hatte. Durch ein Jugendforum in jedem Stadtteil sowie niedrigschwellige Anreize – etwa ein kostenloser vegetarischer Döner oder eine als Fairtrade-Banane verkleidete Person auf einem Firmenlauf – gelang es, gezielt für konkrete Veranstaltungen zu werben; drei Jugendliche durften die Initiative anschließend zur Fairtrade-Konferenz nach Brüssel begleiten.
Einen anderen Ansatz zeigte ein Kirchenkreis mit einer britischen Partnerschaft: Dort wird gezielt Nachwuchs aus der Gruppe junger Ruheständler*innen (60 Jahre und älter) gewonnen, die sich als sehr interessiert am Klimaschutz erwiesen. Die Partnerstadt stellte ihr Programm vor, unter anderem mit einer Fahrt zum Hambacher Forst; ein Fachbeitrag zum Thema Entwässerung bei Starkregen kam bei den Gästen ebenfalls sehr gut an.
Weiterführende Hinweise und Ressourcen
Zum Thema Förderung wies Moritz Schmidt darauf hin, dass sich der SKEW-Kleinprojektefonds ausschließlich an Kommunen richtet. Vereine, Stiftungen und ähnliche Träger wenden sich für eine entsprechende Förderung in NRW stattdessen am besten an die Schmitz Stiftungen.
Am 29. September 2026 bietet die SKEW zudem die Online-Veranstaltung „Kommunale Entwicklungspolitik erfolgreich kommunizieren: Strategien und Argumente“.
Zur rechtlichen Einordnung wurde außerdem die Publikation „Dialog Global Nr. 49 – Rechtliche Aspekte der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit im Ausland“ empfohlen.
Auf Nachfrage wurde zudem auf die Website der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften staedtepartnerschaftennrw.org verwiesen, auf der unter anderem laufend über Termine und Veranstaltungen informiert wird.
Fazit und Ausblick
Die Abschlussveranstaltung zeigte eindrücklich, wie sich Nachhaltigkeit und Klimaschutz als verbindende Zukunftsthemen in die städtepartnerschaftliche Arbeit einfügen lassen – von der Erweiterung bestehender Partnerschaften um eine globale Komponente über neue Formate wie Dreieckspartnerschaften bis hin zu kreativen Wegen der Nachwuchsgewinnung über diese Themen. Deutlich wurde zugleich, dass tragfähige Klima- und Nachhaltigkeitspartnerschaften Zeit, realistische Erwartungen und einen langen Atem brauchen – getragen von einer stützenden Zivilgesellschaft und einem verlässlichen politischen Willen vor Ort.
Aus der abschließenden Runde wurde deutlich, wie sehr Nachhaltigkeit und Entwicklungszusammenarbeit derzeit unter (politischem und monetärem) Druck stehen und wie wichtig es deshalb ist, konkrete Erfolgsbeispiele städtepartnerschaftlicher Arbeit sichtbar zu machen. Ein Teilnehmer brachte es mit einem Bild auf den Punkt: „Wenn in der eigenen Straße über Schlaglöcher geklagt wird, lässt sich das Thema aufgreifen und zeigen, dass durch den Klimawandel derzeit vielerorts der Asphalt schmilzt“ – ein Bereich, in dem viel vom Globalen Süden gelernt werden kann.
Als Idee für künftige Formate wurde angeregt, Städtepartnerschaften und Nachhaltigkeit stärker im Rahmen von zum Beispiel Großveranstaltungen wie Konferenzen zu thematisieren. Für eine Fortführung der inhaltlichen Verknüpfung von Städtepartnerschaften mit dem Thema der Nachhaltigkeit gab es viele Fürsprecher; viele wiesen so auf eine ausgewiesen lohnende Realisierung von Folgeformaten hin.
Zahlreiche Teilnehmende bedankten sich am Ende für die informative und gelungene Veranstaltung. Der Dank der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften gilt allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die sich für die gemeinsamen Themen einsetzen: Vielen Dank für Ihre Unterstützung! Ohne Sie wären diese Formate nicht möglich, das Netzwerk lebt nur Dank Ihres Einsatzes. Ein weiterer großer Dank geht in diesem Zusammenhang an die LAG 21, an das Klima Bündnis Europa, an die Faire Metropole Ruhr, an die Vertreterinnen der Stadt Dortmund und der Stadt Bochum für ihre Beiträge, für die Gespräche und Unterstützung!
–> Präsentation der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften
„Gemeinsam mehr erreichen: Nachhaltigkeit als Gewinner-Thema für Städtepartnerschaften“

