Gemeinsam mehr erreichen: Nachhaltigkeit als Gewinner-Thema für Städtepartnerschaften


Umfrage und Experteninterviews im Dialog – Ergebnisbericht
– September 2026 –
Über das Projekt
Städtepartnerschaften verbinden Menschen, Kommunen und Kulturen – seit Jahrzehnten, oft über politische Gräben hinweg. Doch wie steht es um ein wahrhaft globales Thema, dessen Beachtung die Welt heute so dringend braucht: Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Klimafolgenanpassung? Wir stellen uns die Frage: Wie verhält es sich mit der Verbindung der beiden Themenkomplexe?
Genau das wollten wir in der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften gemeinsam mit Ihnen herausfinden. Mit einer landesweiten Umfrage im August 2026 unter kommunalen Partnerschaftsbeauftragten und Städtepartnerschaftsvereinen in Nordrhein-Westfalen sowie drei vertiefenden Gesprächen mit landesweit aktiven Organisationen ist ein belastbareres Bild der Lage in NRW entstanden: Wo steht die Praxis heute? Was hält (Städte-)Partnerschaften davon ab, Nachhaltigkeit und z.B. Klimaschutz noch stärker aufzugreifen? Was meinen wir eigentlich, wenn wir von „Nachhaltigkeit“ im Kontext der Städtepartnerschaften sprechen? Was sagen diejenigen dazu, die täglich mit genau diesem Thema arbeiten? Und schlussendlich: Welcher Auftrag und welche Aufgabe lassen sich daraus für uns alle – als ein nachhaltig wirkendes Netzwerk Städtepartnerschaften – formulieren.
Anbei finden Sie den Projektbericht, den Veranstaltungsbericht zur Abschlusssitzung am 15.09.2026 sowie die genutzten Präsentationsfolien.
Durch den Veranstaltungsbericht und die Präsentation bekommen Sie einen Einblick in die Online-Abschlussveranstaltung der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften am 15.09.2026, die zur Präsentation der Kernbefunde der Ergebnisse aus den Umfragen und den Interviews diente und darüber hinaus ganz im Prozessgedanken des Netzwerks und des Austauschs stand.
Der Projekt-Bericht stellt dann beide Perspektiven bewusst nebeneinander: die Zahlen der Umfrage und die Stimmen aus den Interviews. Er schließt mit einer kurzen Einschätzung der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften und einem Blick nach vorn.
Unsere Interpretation
Was an den Ergebnissen am meisten überrascht hat, ist nicht, dass Nachhaltigkeit in der Partnerschaftsarbeit nicht maßgeblich als Priorität angekommen ist – das war angesichts der bisherigen Nachrichtenlage und politischen Großwettersituation zu erwarten. Überraschend ist vielmehr, wie konsistent sich drei ganz unterschiedlich aufgestellte Organisationen – eine kommunale Nachhaltigkeits-Beratungsagentur, ein europäisches Klimaschutz und- Städtenetzwerk und ein zivilgesellschaftliches und kommunales Fair-Trade-Netzwerk einig – sind. Es ist selten der fehlende Wille engagierter Akteure, sondern meistens die fehlende Struktur: Zu wenig politisches Bewusstsein und mangelnder Durchsetzungsdruck verhindern bislang noch den Aufbau einer passenden und konstruktiven Verwaltung im Sinne unseres Ziels „Gemeinsam mehr zu erreichen“ und „Nachhaltigkeit als Gewinner-Thema für Städtepartnerschaften“ über unser Netzwerk hinaus zu etablieren.
Besonders bemerkenswert ist der in allen drei Interviews unabhängig bestätigte Befund, dass Nachhaltigkeit und internationale Partnerschaften in den Kommunen oft organisatorisch getrennt verankert sind – ohne dass die zuständigen Personen überhaupt voneinander wissen. Das ist eine stille, aber wirkungsvolle Hürde, die in keiner Umfrage sichtbar wird, wenn man nicht gezielt nachfragt. Gleichzeitig macht das Beispiel Dortmund Mut: Wo beide Themen in einer gemeinsamen Abteilung zusammenlaufen, entstehen sichtbar tragfähige Kooperationen.
Die vielfach bestätigte Bedeutung des BMZ/ SKEW-Klimapartnerschaftsprogramms – von allen drei Interviews und zusätzlich von zwei unabhängigen Umfrageantworten genannt – liest sich als klares Signal: Hier existiert bereits ein funktionierendes Modell, das noch zu wenig bekannt ist. Ein zentraler Ansatzpunkt für die Netzwerkstelle Städtepartnerschaften wird sein, genau dieses Wissen aktiver in das vorhandene Netzwerk hineinzutragen.
Und schließlich: Der in der Umfrage gemessene starke Rücklauf und die in den Interviews immer wieder betonte Kapazitätsknappheit aller Akteure im Kontext „Nachhaltigkeit“ erzählen dieselbe Geschichte aus zwei Blickwinkeln – und betonen damit gleichzeitig die Bedeutung von Partnerschaften. Wir bedanken uns an dieser Stelle bei allen für das große Interesse an der Umfrage, für die Bereitschaft der Organisationen zu den Interviews, für die viele (ehrenamtliche) Arbeit, und für die große Unterstützung aller Beteiligten. Hürden überwinden wir nur gemeinsam und jede Unterstützung, die wir als Netzwerkstelle Städtepartnerschaften anbieten können, muss niedrigschwellig und zeitsparend ansetzen – nicht als zusätzliche Aufgabe, sondern als Erleichterung.
Der Wunsch nach Fortsetzung der Bearbeitung des Themas „Nachhaltigkeit und Städtepartnerschaften“ wurde oft im Kontext des Projektes geäußert – und die Ergebnisse der Umfrage und der Interviews zeichnen ein ähnliches Bild: Lassen Sie uns gemeinsam für eine nachhaltige Zukunft einsetzen.
Das Projekt “Gemeinsam mehr erreichen: Nachhaltigkeit als Gewinner-Thema für Städtepartnerschaften” wird durchgeführt von der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften am Institut für politische Bildung der Auslandsgesellschaft.de e.V. und gefördert durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen.

