Offenes Austauschformat Forum Städtepartnerschaften NRW für Städtepartnerschaftsvereine

Online | 26.08.2026 | 18-20 Uhr

Das 26. Forum Städtepartnerschaften NRW für Kommunen und Kreise fand am 26. August 2026 als digitale Austauschrunde am Abend statt. Zahlreiche Teilnehmende aus nordrhein-westfälischen Partnerschaftsvereinen nahmen teil. Nach der Begrüßung stellte sich die Netzwerkstelle Städtepartnerschaften vor. Im Anschluss ging es in die von den Teilnehmenden im Vorfeld eingebrachten Themenwünsche und den offenen Austausch.

Wiederbelebung von Städtepartnerschaften

Ein wiederkehrendes Thema war die Wiederbelebung eingeschlafener oder loser Partnerschaften. Ein Verein berichtete von einer reinen Städtefreundschaft mit einer Kommune auf Zypern, deren Lebendigkeit vor Ort ihn im Urlaub positiv überrascht habe – ein Anstoß, die Beziehung wieder stärker zu pflegen. Eine andere Kommune schilderte, wie eine eingeschlafene deutsch-deutsche Partnerschaft über den Besuch eines Zukunftsorts zum Thema erneuerbare Energien und die gezielte Suche nach gemeinsamen Themen neu belebt wurde; besonders Einladungen zu Stadtteil- und Nachbarschaftsfesten mit kulinarischen Beiträgen aus der Partnerstadt hätten die Beziehung spürbar gestärkt.

Aus einer Großstadt mit mehreren Partnerschaften wurde von einer der ältesten Partnerschaften NRWs berichtet, die seit rund 50 Jahren besteht und bislang ohne eigenen Städtepartnerschaftsverein auskommt; über weitere Unterstützung, etwa bei Schulpartnerschaften, würde man sich dort freuen. Ein weiteres Beispiel zeigte, wie eine zunächst vereinslose Partnerschaft durch das Engagement einer einzelnen Person neu aufgebaut wurde und inzwischen auf 50 bis 60 Mitglieder angewachsen ist – ein Beleg dafür, wie stark solche Wiederbelebungen von einzelnen engagierten Personen abhängen können.

Fördermittel

Obwohl der Fokus bei diesem Forum stärker auf der Analyse von Strukturen und auf der Nachwuchsarbeit lag, interessierten uns dennoch natürlich auch diesmal wieder die finanziellen Fördermittel für die Städtepartnerschaften. Die grundlegenden Fördermöglichkeiten bleiben unverändert wichtig und werden auch daher an dieser Stelle noch einmal zusammengefasst.

Weitere Infos zu der NRW-Landesinitiative Europa-Schecks generell und zwecks Nachfrage zu einer Übersicht über mögliche Fördermittel: Die Netzwerkstelle Städtepartnerschaften widmet dem Thema Fördermittel einen eigenen Bereich auf ihrer Website. In einer Broschüre zu Städtepartnerschaften beschäftigt sich ein eigenes Kapitel mit der Finanzierung von Städtepartnerschaften: Städtepartnerschaften: Entwickeln – Leben – Ausbauen – Finanzieren (ab S. 21). Auf Landesebene gibt es mit den „Europa-Informationen“ einen informativen Newsletter des Referats IV A 2 Europafähigkeit, Kommunen in Europa in der Staatskanzlei, Anmeldung dafür per Email. Beratung insbesondere zur Landesinitiative Europa-Schecks gibt es durch die Mitarbeitenden bei der zuständigen Bezirksregierung Münster. Für die Europa-Schecks wurde zudem auf die anstehende erste Antragsfrist hingewiesen: Anträge für 2027 können ab Oktober bis zum 1. Dezember 2026 gestellt werden.

Für den ehrenamtlichen Bereich von Städtepartnerschaften gibt es auf Landesebene die Landesservicestelle für bürgerschaftliches Engagement, auf Bundesebene die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) mit einer Förderdatenbank sowie einem Lernportal mit Online-Lernangeboten zu Vereinsstrukturen, Versicherungen und weiteren Vereinsthemen. Auf Bundesebene bietet der Rat der Gemeinden und Regionen Europas über seinen Arbeitskreis der EU- und Förderreferenten einen zweimal jährlich stattfindenden Austausch zu diesem Thema.

Bundesweite Förderung insbesondere für Partnerschaften mit dem Globalen Süden gibt es bei der Servicestelle Kommunen der Einen Welt (SKEW), die bei Engagement Global angesiedelt ist. Auch die bilateralen Jugendwerke und der Deutsch-Französische Bürgerfonds wenden sich an Projekte aus dem gesamten Bundesgebiet. Des Weiteren gibt es Förderungen durch Landesprogramme (meist in der Zuständigkeit der Ministerien). Auch die fünf Bezirksregierungen in NRW mit ihren jeweiligen Europabüros sind gute Ansprechpartner, da sie allgemein einen guten Überblick über verfügbare Fördertöpfe haben.

Auf EU-Ebene gibt es europäische Förderlinien wie etwa das Programm CERV, das Programm INTERREG, die Förderprogramme der jeweiligen Euregios oder weitere Programme aus den Europäischen Strukturfonds. Bei den EU-Programmen CERV und Erasmus+ gibt es eigene Schulungen, da Anträge sehr komplex sein können. Einen Überblick über europäische Fördermittel gibt es auf der Website des Regionalverbands Ruhr (RVR). Das Institut für europäische Partnerschaften und internationale Zusammenarbeit e.V. (IPZ e.V.) bietet Beratung und Antragsprüfung gegen Gebühr für Mitglieder.

Ergänzend wurden im Chat weitere praxisnahe Ressourcen geteilt: Berichte zu vergangenen „Coaching“-Seminaren der Netzwerkstelle für Partnerschaftsvereine finden sich hier sowie in diesem Fortbildungsbericht; alle Angebote der Netzwerkstelle zu Seminaren und Weiterbildung sind auf der Website gebündelt. Für Reisen in die Partnerstadt mit der Auslandsgesellschaft gibt es eine Übersicht; ergänzend informieren die Visitenkarte Internationaler Austausch/Städtepartnerschaften sowie die Übersicht zu Studien- und Sprachreisen der Auslandsgesellschaft. Als weiteres Beispiel für zivilgesellschaftliches Engagement rund um Städtepartnerschaften mit der Ukraine wurde das Blau-Gelbe Kreuz aus Köln genannt.

Nachwuchsgewinnung und Jugendarbeit

Einen breiten Raum nahm die Frage ein, wie sich junger Nachwuchs für die Partnerschaftsarbeit gewinnen lässt. Zum Einstieg wurde die Grundsatzfrage aufgeworfen, was „Jugend“ für die eigene Arbeit eigentlich bedeutet und welche Altersgruppe damit gemeint ist. Einigkeit bestand darin, dass es entscheidend ist, jungen Menschen Verantwortung und Freiraum zu überlassen, ihnen zu vertrauen und ihnen bewusst „die Zügel“ zu übergeben, während erfahrene Mitglieder im Hintergrund Strukturen erklären und Netzwerke aufzeigen können.

Mehrere Vereine bestätigten, dass sich Schüler*innen und jüngere Erwachsene nur schwer gewinnen lassen; eher erreichbar sei die Generation um die 40 Jahre. Ein Verein berichtete von einer gut besuchten Filmvorführung mit rund 120 Gästen, unter denen jedoch keine jungen Menschen waren. Der langjährige Vorsitz eines anderen Vereins wird inzwischen mit einer deutlich jüngeren Person geteilt; das erfordere zwar mehr Abstimmung und Energie, sei aber ein wichtiger Schritt, um schrittweise Verantwortung abzugeben.

Als besonders wirksame Erfolgsfaktoren wurden die aktive Mitgestaltung und die Übertragung von Eigenverantwortung genannt – etwa die eigenständige Betreuung von Social-Media-Kanälen durch Auszubildende bei Partnerschaftsreisen. Bewährt haben sich zudem Kooperationen mit Schulen, bei denen Schüler*innen Praktika in der Partnerstadt absolvieren, sowie mit Berufskollegs für ein- bis zweimonatige Auslandspraktika. Auch Job-Shadowing-Programme, etwa für medizinisches Fachpersonal aus einem Partnerland, sowie Kooperationen mit Universitäten und Studierendenwohnheimen, bei denen oft nur die Flugkosten anfallen, wurden als erfolgreiche Formate genannt.

Erfolgreich zeigten sich außerdem niedrigschwellige, sportliche und kulturelle Formate: internationale Kleinfeldturniere mit anschließenden Reisen in die Partnerstadt, gemeinsames Boule-Spielen, grenzüberschreitende Theaterprojekte und Chöre sowie kleine, von jungen Mitgliedern selbst organisierte Aktionen am Vereinsstand. Ein Beispiel aus dem Sport zeigte, wie zwei junge Sportlerinnen nach einer ersten gemeinsamen Reise ganz selbstständig eine neue Aufgabe für sich fanden – ein Beleg dafür, dass aus einer einmaligen Teilnahme oft eigene Initiative entsteht. Deutlich wurde auch: Auch wenn eine Partnerschaft nicht sofort einen sichtbaren Nutzen aus solchen Austauschen zieht, zeigen sich die „Früchte“ davon mitunter erst Jahre später. Empfohlen wurde daher, bei eigenen Reisen ins Ausland konsequent zu prüfen, ob jüngere Personen zur Nachwuchsförderung mitgenommen werden können.

Strukturen, Sichtbarkeit und innovative Formate

Ein Förderverein aus Gelsenkirchen stellte sein Projekt einer regelmäßigen „Sprechstunde Europa“ vor, mit dem Ziel, die eigene Arbeit und die europäischen Lebenswelten – nicht nur die wirtschaftliche Perspektive – in der Öffentlichkeit bekannter zu machen. Geplant ist eine Reihe von Themenabenden, unter anderem zu kommunaler Europaarbeit in den Bereichen Bildung und Nachhaltigkeit, zum religiösen Wandel in Europa mit wachsender religiöser Vielfalt und zunehmender Säkularisierung – verbunden mit der Idee, eine nicht mehr genutzte Kirche in einen für alle offenen Treffpunkt „Europa-Kirche“ umzuwidmen – sowie mit einem Schriftsteller aus einer polnischen Partnerstadt, der von seiner Heimatstadt berichtet.

Unter dem Motto „Europa erzählen, nicht nur aufzählen“ wurden weitere Formate vorgestellt: die Zusammenarbeit mit einer lokalen Buchhandlung als Veranstaltungsort, unterstützt von lokalen Initiativen und der Stadtspitze, sowie ein eigenes Format „Café Erzähle Europa“ in Kooperation mit einer Volkshochschule, unter anderem mit Ausstellungen. Genannt wurden zudem ein alle vier Jahre stattfindendes Filmfestival zu einer Partnerstadt sowie ein neu geschaffener, religionsübergreifender Ort der Trauer in einem Park, dessen Idee auf die Anregung ukrainischer Mitbürger*innen zurückgeht.

Im Bereich der Vereinsarbeit wurde der Wert eines regelmäßigen Austauschs der Fördervereine untereinander betont, etwa über einen eigens dafür gegründeten Partnerkreis. Für die politische Mittelbeantragung habe es sich bewährt, jährlich zu einem festen Stichtag einen gemeinsamen Programmentwurf aus allen Arbeitskreisen vorzulegen. Mehrfach wurde außerdem für Mut bei der Formulierung von Förderanträgen geworben: Auch ungewöhnliche Ideen lohnten sich häufig. Mit Blick auf die öffentliche Sichtbarkeit wünschten sich mehrere Teilnehmende, dass Städtepartnerschaften stärker im Stadtbild erkennbar sind, etwa auf Ortsschildern, und regten eine engere Zusammenarbeit mit dem städtischen Marketing an, um Europa und die Partnerschaftsarbeit wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Fazit

Der Austausch zeigte erneut die große Bandbreite städtepartnerschaftlichen Engagements in NRW – von der Wiederbelebung eingeschlafener Partnerschaften über kreative Wege der Nachwuchsgewinnung bis hin zu neuen Formaten, Europa vor Ort erlebbar zu machen. Mehrere Teilnehmende betonten, wie wertvoll der gegenseitige Austausch und die „Schwarmintelligenz“ der Engagierten aus den Vereinen und aus der Zivilgesellschaft für die eigene praktische Arbeit sind. Und zum Abschluss: Besonders gefreut haben wir uns in der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften, dass sich in unserem Online-Forum zwei Ehrenamtliche aus derselben Stadt erstmals begegnet sind – ein schönes Beispiel für ein funktionierendes Netzwerk und ein gelungenes Treffen.

Berichte zurückliegender Veranstaltungen „Forum Städtepartnerschaften NRW“ zum Nachlesen finden Sie im
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