Die Kurzporträts nordrhein-westfälisch-ukrainischer Partnerschaften bieten einen Überblick, Tipps, Best Practices – nutzen Sie sie als Ideenfundgrube für eigene Projekte, oder als Anstoß zu Austausch und Vernetzung.

Interview mit Zita Wirtz, Kreis Heinsberg

1. Wie sind Sie zusammengekommen, woher stammte der Erstkontakt?
Auf der Suche nach einem Kreis in der Ukraine, sind wir durch die Partnerschaftsbörse des Rates der Gemeinden und Region Europas (RGRE) auf den Rajon Nikopol aufmerksam geworden. Die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) hat uns bei der Kontaktaufnahme unterstützt und einen gedolmetschten Onlineaustausch organisiert.

2. Was waren die Auswahlkriterien und Motive? Gab bzw. gibt es Ansätze für gemeinsame Projekte?
Wir haben uns aus den folgenden Gründen für den Rajon Nikopol entschieden:

  • Die Einwohnerzahl und die Größe der beiden Kreise sind ungefähr vergleichbar.
  • Das Land NRW und der Oblast Dnipropetrowsk haben ebenfalls eine Partnerschaft begründet, weswegen sich ggf. mehrere Akteure unterstützen und austauschen können.
  • Der Rajon Nikopol ist wie der Kreis Heinsberg ländlich gelegen und von der Landwirtschaft geprägt. Außerdem haben beide eine gemeinsame Vergangenheit, was den Bergbau betrifft.

3. Hatten Sie im Vorfeld Kontakt mit anderen Kommunen / sonstigen Akteuren? Leisten Sie Nothilfe und sind darüber hinaus eine Solidaritätspartnerschaft eingegangen?
Wir haben im Vorfeld an diversen Informations- und Austauschplattformen der SKEW, der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften der Auslandsgesellschaft.de e.V. oder der Staatskanzlei Düsseldorf teilgenommen, die uns ein kleines „Kommunikationsnetzwerk“ aus unterschiedlichen Akteuren verschafft haben.
Bei der Hilfeleistung steht der Rajon Nikopol zunächst im Vordergrund. Hierbei kommuniziert der Vorsitzende des Bezirksrates von Nikopol mit den kreisangehörigen Städten und Gemeinden und fragt die entsprechenden Bedarfe im Bezirksgebiet ab. (Dies ist wahrscheinlich auch einer der Unterschiede zu den Städtepartnerschaften.) Sofern dort kein Bedarf besteht, können bereitgestellten Hilfsmittel theoretisch auch an andere ukrainische Regionen geliefert werden.

4. Was waren bisherige Erfolge Ihrer Partnerschaft?
Obwohl der Kontakt zum Rajon Nikopol erst seit einigen Monaten besteht, konnten bereits zwei Projekte in Form von Fahrzeug- und Computerspenden umgesetzt werden.
Während des Besuches einer ukrainischen Delegation Ende April 2024 konnte endlich der Solidaritätspartnerschaftsvertrag unterzeichnet werden, welcher ein wichtiger Meilenstein der Partnerschaft darstellt.

Unterzeichnung des Solidaritätspartnerschaftsvertrags

v.l.n.r.: Zita Wirtz (Haupt- und Personalamt, Kreis Heinsberg), Erwin Dahlmanns (1. stellv. Landrat Kreis Heinsberg), Andriy Voloshyn (Abgeordneter des Stadtrates, Stadt Marganets), Philipp Schneider (Allgemeiner Vertreter des Landrates, Kreis Heinsberg), Hennadiy Borovik (Bürgermeister der Stadt Marganets), Frank Stassen (stellv. Haupt- und Personalamtsleiter Kreis Heinsberg), Dmytro Bychkov (Vorsitzender des Bezirksrates, Rajon Nikopol)

v.l.n.r.: Olesya Schmidt (Blau-Gelbes Kreuz e.V.), Zita Wirtz (Haupt- und Personalamt, Kreis Heinsberg), Erwin Dahlmanns (1. stellv. Landrat Kreis Heinsberg), Hennadiy Borovik (Bürgermeister der Stadt Marganets), Frank Stassen (stellv. Haupt- und Personalamtsleiter Kreis Heinsberg), Philipp Schneider (Allgemeiner Vertreter des Landrates, Kreis Heinsberg), Dmytro Bychkov (Vorsitzender des Bezirksrates, Rajon Nikopol), Andriy Voloshyn (Abgeordneter des Stadtrates, Stadt Marganets)

Fotos: Kreis Heinsberg

5. Ihr Tipp an andere Kommunen und Kreise: was sind gute Wege, um Fördermittel / Spenden zu erhalten?
Mittlerweile gibt es viele verschiedene Projekte auf EU-, Bundes- oder Landesebene, um eine Förderung zu erhalten. Bisher haben wir beispielsweise sehr gute Erfahrungen mit der Engagement Global GmbH gemacht. Die Abwicklung und die Zusammenarbeit haben immer reibungslos funktioniert.
Generell können wir allen Kommunen empfehlen an Austausch- und Informationsveranstaltungen teilzunehmen und sich in den E-Mailverteiler aufnehmen zu lassen. So ist man immer auf dem aktuellen Stand und wird über neue Förderprogramme informiert.

6. Wie steht es mit den personellen Mitteln für die Partnerschaftsbetreuung?
Die Betreuung der Solidaritätspartnerschaft mit dem Rajon Nikopol stellt eine zusätzliche Aufgabe im Sachgebiet „Büro des Landrates“ dar. Der zeitliche Aufwand ist daher leider begrenzt. Wir versuchen jedoch mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, möglichst viele Hilfsprojekte umzusetzen.

7. Inwieweit sind kommunale Versorger in die Partnerschaft eingebunden?
Tochtergesellschaften des Kreises sind darüber informiert, dass abgeschriebene Fahrzeuge (z.B. Rettungsfahrzeuge oder Personentransporter) für eine Spende in den Rajon Nikopol in Frage kommen könnten und deswegen zurückzuhalten sind.
Außerdem haben wir während der Delegationsreise einige der Tochtergesellschaften besichtigt, sodass ein Fachaustausch durchgeführt werden konnte.

8. Wie ist die Zivilgesellschaft Ihrer Kommune eingebunden?
Aktuell hat noch keine Einbindung der Zivilgesellschaft stattgefunden.

9. Konnten Sie im Rahmen von Kooperationen mit anderen NRW-Kommunen/ Kreisen Synergien nutzen oder planen Sie solche?
Ein richtiges „Kooperationsprojekt“ haben wir bisher noch nicht mit anderen Kommunen durchgeführt. Aber der Austausch mit anderen NRW-Kommunen in jeglicher Hinsicht war sehr hilfreich. Letztlich sitzen wir alle „im selbem Boot“ und können nur voneinander lernen. Wir sind sehr dankbar für den Input anderer Kommunen und freuen uns, wenn wir wiederum anderen Kommunen mit unseren Erfahrungen weiterhelfen können.

10. Inwieweit sind Ihre anderen internationalen Partnerschaften in die Partnerschaft mit der Ukraine eingebunden?
Das ist derzeit noch nicht der Fall.

11. Sind auf Seiten Ihrer Stadt Personen aus der ukrainischen Auslands-Community und / oder Geflüchtete aus der Ukraine in der Partnerschaft aktiv?
Nein, bisher noch nicht.

12. Gibt es weitere Akteure in der Partnerschaft, oder weitere Bereiche, in denen Kontakte bestehen und Austausch stattfindet (z.B. zwischen Schulen, Hochschulen, Kliniken, Unternehmen, im Bereich Kultur, Sport etc.)?
Ein weiterer Akteur unserer Partnerschaft ist der Verein „Blau-Gelbes Kreuz Deutsch-Ukrainischer Verein e.V.“ aus Köln. Wir sind sehr dankbar für die bisherige Zusammenarbeit. Das Blau-Gelbe Kreuz arbeitet mit sehr vielen Kommunen im Bereich Partnerschaften in der Ukraine zusammen und verfügt daher über eine Menge Erfahrungen. Das Blau-Gelbe Kreuz e.V. ermöglicht uns die humanitäre Hilfe in den Rajon Nikopol zu transportieren. Dafür könnten wir weder die personellen Ressourcen aufbringen, noch verfügen wir über ein derartiges Know-How, wie es das Blau-Gelbe Kreuz hat.


Frau Wirtz, wir danken Ihnen für das Interview.

Das Interview führte Beate Brockmann

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Fotos: pixabay