Die Kurzporträts nordrhein-westfälisch-ukrainischer Partnerschaften bieten einen Überblick, Tipps, Best Practices – nutzen Sie sie als Ideenfundgrube für eigene Projekte, oder als Anstoß zu Austausch und Vernetzung.

Interview mit Fabian Zeuch, Stadt Dortmund

1. Wie sind Sie zusammengekommen, woher stammte der Erstkontakt?
Die Stadt Dortmund hat zeitnah nach Beginn des russischen Angriffskrieges ukrainische Städte bestmöglich und voller Überzeugung unterstützt. Neben anderen Städten wurden auch Hilfslieferung nach Schytomyr gesandt, so dass hierdurch eine erste offizielle Kontaktaufnahme erfolgte. Es entstand bei beiden Städten der Wunsch, eine Partnerschaft einzugehen.

2. Was waren die Auswahlkriterien und Motive? Gab bzw. gibt es Ansätze für gemeinsame Projekte?
Ausschlaggebend für die Auswahl einer ukrainischen Partnerstadt war insbesondere der Fokus der ukrainischen Stadt, wie sie ihre Zukunft gestalten möchte. Hierbei verfolgen Dortmund und Schytomyr ähnliche Ansätze, insbesondere darauf gerichtet, eine smarte digitale und nachhaltige Stadt unter der Beteiligung der Bürger*innen zu gestalten. Ein Austausch auf Augenhöhe ist von beiden Seiten aus gewünscht.

3. Hatten Sie im Vorfeld Kontakt mit anderen Kommunen / sonstigen Akteuren? Leisten Sie Nothilfe und sind darüber hinaus eine Solidaritätspartnerschaft eingegangen?
Dortmund hat vor dem Kontakt zu Schytomyr andere Städte wie insbesondere Mykolajiw mit Hilfslieferungen unterstützt. Seit Beginn der Solidaritätspartnerschaft mit Schytomyr fokussiert sich die Unterstützung und Zusammenarbeit auf unsere Partnerschaft, wenngleich bei Bedarf darüber hinaus Güter aus Dortmund, die in Schytomyr nicht benötigt werden, in andere ukrainische Städte geliefert werden.

4. Was waren bisherige Erfolge Ihrer Partnerschaft?
Neben den vielen teils aufwändig erfolgten Hilfslieferungen konnten bereits zahlreiche persönliche Austausche stattfinden. Insbesondere der Besuch in Schytomyr im Juni 2023, aber auch der Gegenbesuch im September 2023 kann hier genauso wie die Unterzeichnung des Solidaritätspartnerschaftsvertrags beider Oberbürgermeister als wichtiger Meilenstein der Partnerschaft bezeichnet werden. Der Plan ist, dass aus der Solidaritätspartnerschaft im nächsten Jahr, also 2025, eine offizielle Städtepartnerschaft wird.

    5. Ihr Tipp an andere Kommunen und Kreise: was sind gute Wege, um Fördermittel / Spenden zu erhalten?
    Die SKEW war und ist hierbei eine sehr verbindliche und zuverlässige Partnerinstitution.

    6. Wie steht es mit den personellen Mitteln für die Partnerschaftsbetreuung?
    Die Betreuung erfolgt bei uns im Team Internationale Beziehungen, allerdings zu Lasten anderer Projekte, die aufgrund des zeitlichen Aufwandes nicht fortgeführt bzw. angefangen werden können.

    7. Inwieweit sind kommunale Versorger in die Partnerschaft eingebunden?
    Bei den Hilfslieferungen gab es eine enorme Bereitschaft auch der Stadttöchter, welche bspw. Busse oder medizinische Güter zur Verfügung gestellt haben. Wenn der Fokus nun mehr und mehr auf thematische Austausche gesetzt wird, werden wir versuchen die kommunalen Versorgungsunternehmen weiter mit ins Boot zu holen.

    8. Wie ist die Zivilgesellschaft Ihrer Kommune eingebunden?
    Insbesondere die Einbindung bzw. die Zusammenarbeit mit lokalen Vereinen wie Grenzenlose Wärme ist sehr ausgeprägt. Mit der weiteren Entwicklung der Partnerschaft ist geplant, die Zivilgesellschaft stärker einzubinden.

    9. Konnten Sie im Rahmen von Kooperationen mit anderen NRW-Kommunen/ Kreisen Synergien nutzen oder planen Sie solche?
    Ja, es war gerade zu Beginn, aber auch jetzt noch zwei Jahre nach Kriegsbeginn sehr hilfreich mit anderen Kommunen so gut vernetzt zu sein. Viele Städte haben den gleichen oder zumindest einen ähnlichen Stand bzgl. der Partnerschaft. So gibt es immer Städte, die bereits etwas gemacht haben, was man selber auch vorhat und sich daher ein Austausch immer lohnt.

    10. Inwieweit sind Ihre anderen internationalen Partnerschaften in die Partnerschaft mit der Ukraine eingebunden?
    Zum ersten Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine haben wir gemeinsam mit unseren internationalen Partnern ein Video veröffentlicht, um damit die uneingeschränkte Solidarität zu zeigen. Darüber hinaus versuchen wir alle Netzwerke und Partner mit in die Partnerschaft einzubeziehen, wie bspw. zuletzt das estnische Außenministerium, welches in der Region Schytomyr ebenfalls aktiv ist.

    11. Sind auf Seiten Ihrer Stadt Personen aus der ukrainischen Auslands-Community und / oder Geflüchtete aus der Ukraine in der Partnerschaft aktiv?
    Aufgrund unserer Aktivitäten mit Schytomyr und der damit einhergehenden Medienarbeit sind Bürger*innen aus Dortmund auf uns zu gekommen, die in Schytomyr geboren sind, aber schon lange in Dortmund ihre neue Heimat gefunden haben. Von hier aus gab es sehr positive Rückmeldung zu der Partnerschaft. Ein Bürger fährt regelmäßig in seinen Geburtstort und transportiert Spenden. So hat er auch vom Gesundheitsamt nicht mehr benötigte medizinische Güter zu Krankenhäusern in Schytomyr transportiert.

    12. Gibt es weitere Akteure in der Partnerschaft, oder weitere Bereiche, in denen Kontakte bestehen und Austausch stattfindet (z.B. zwischen Schulen, Hochschulen, Kliniken, Unternehmen, im Bereich Kultur, Sport etc.)?
    Wir wollen die Partnerschaft auf möglichst breite Füße stellen, das heißt in allen möglichen Bereichen zumindest einen potentiellen Austausch anbieten. Mal wird es gut funktionieren, mal nicht, das ist aber normal bei einer Partnerschaft und vollkommen ok. Da wir uns aktuell noch in einer Solidaritätspartnerschaft befinden, liegt der Fokus erstmal darauf zu schauen, wie wir Schytomyr unterstützen können. Mit Eingehen der offiziellen Städtepartnerschaft im nächsten Jahr werden wir neben der Unterstützung schauen, in welchen Bereichen wir zielgerichtete Austausche durchführen können. Hierbei wird uns unsere geplante Delegationsreise nach Schytomyr im Juni dieses Jahres sicherlich weiterbringen.


    Herr Zeuch, wir danken Ihnen für das Interview.

    Das Interview führte Beate Brockmann

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    Fotos: pixabay