Bericht 7. Forum Städtepartnerschaften NRW

„USA-NRW Stammtisch Städtediplomatie: Austausch NRW-Kommunen mit US-Partnerschaft“

Mit 33 Städtepartnerschaften und einer Kreispartnerschaft in Richtung USA pflegt in NRW etwa jede zehnte Kommune die transatlantische Freundschaft. Wie geht es diesen Verbindungen – entstanden etwa ab Anfang der 1950er Jahre, und mit dem neuesten Zuwachs im Jahr 2019 – heute, nach zwei Jahren Pandemie, dem Ende der Regierungsära Trump und nach einem Jahr mit der neuen Regierung Biden/Harris? Was sind aktuell Themen, Trends und Herausforderungen?

Unter den knapp zwei Dutzend Personen, die der Einladung der Netzwerkstelle zum „digitalen Stammtisch“ gefolgt waren, einer bunten Mischung aus Städtepartnerschaftsbeauftragten, Partnerschaftsvereinsmitgliedern, sowie Vertreter*innen und Multiplikator*innen aus Politik, Diplomatie und Kultur, entspann sich von Beginn an eine lebhafte Diskussion.

Die Begrüßungsworte sprach der Präsident der Auslandsgesellschaft.de e.V., Klaus Wegener, und wies auf die historische Bedeutung der transatlantischen Beziehungen für Deutschland und NRW ebenso hin wie auf die aktuelle politische und pandemische Situation, sowie wirtschaftliche und sicherheitspolitische Aspekte. 

In einem kurzen Überblick unterlegte im Anschluss die Netzwerkstelle diese Einschätzung auch mit Zahlen, nicht nur zu den Städte-, Kreis- und Regionalpartnerschaften, welche Nordrhein-Westfalen mit den USA unterhält, sondern etwa auch zu den über hundert Schulpartnerschaften und den rund 1600 US-amerikanischen Unternehmen und 14.000 US-Amerikaner*innen, die in NRW präsent sind. Deutlich wurde auch der Bezug des Veranstaltungstitels « USA-NRW Stammtisch zur Städtediplomatie » mit der Strategie des Auswärtigen Amts in Bezug auf Städtepartnerschaften einerseits und die USA andererseits. So richtet sich das Programm „Urban Diplomacy Exchange“ des Auswärtigen Amts in Kooperation mit dem Deutschen Städtetag und Engagement Global mit der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) speziell an deutsch-US-amerikanische kommunale Partnerschaften sowie an einer Zusammenarbeit interessierte Kommunen. Die gewachsene Rolle der Städte in den internationalen Beziehungen, insbesondere auch bei der Umsetzung der UN-Agenda 2030 zur Nachhaltigkeit, wird vom Auswärtigen Amt somit gewürdigt und explizit gefördert.

zur Präsentation –>

Die folgenden Beiträge von Dr. Benjamin Becker, Direktor des AmerikaHaus NRW.e.V., Elke Wirtz, Referentin der Stadt Münster u.a. für deren US-Beziehungen nach Fresno und Rochester, und Gerald Baars, Leiter der Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft in der Auslandsgesellschaft.de e.V. in Dortmund und ehemaliger Leiter des ARD-Studios in New York, fokussierten denn auch auf unterschiedliche Perspektiven der deutsch-amerikanischen Beziehungen, nämlich die einer Stadtverwaltung, eines Kulturinstituts und eines Partnerschaftsvereins. Allen dreien gemeinsam ist dabei die persönliche Erfahrung mit internationalen Austauschen und Begegnungen, und die große persönliche Faszination für die USA, die damit auch ein wesentlicher Bestandteil und Fundament des heutigen eigenen Engagements für die deutsch-US-amerikanischen Beziehungen bildet.

Bereichert wurden die Impulse der drei Referent*innen durch die Beiträge und teilweise direkten Antworten der US-Generalkonsulin in Düsseldorf, Pauline Kao, welche sich ebenso wie Dr. Sabine Engel von der University of Minnesota und Marius Korte vom Deutschen Städtetag aktiv in den Austausch einbrachte.

AmerikaHaus NRW e.V.

Dr. Becker stellte zunächst das AmerikaHaus NRW e.V. vor, welches, als eines von 12 aktuellen Instituten die Nachfolge der etwa 50 in der Nachkriegszeit deutschlandweit errichteten sogenannten „Amerikahäuser“ angetreten hat. Seit 2007 gibt es damit in NRW wieder eine Anlaufstelle für den transatlantischen Dialog. Ein Initiativkreis aus Unternehmen und Persönlichkeiten fördert den Verein bis heute ideell und finanziell, darüberhinaus erhält er öffentliche Zuwendungen. Mit jährlich über 50 Veranstaltungen und Projekten zu transatlantischen Themen werden über 5.000 Besucher im gesamten Bundesland angesprochen. Über seine Kuratoriumsmitglieder – darunter zahlreiche Oberbürgermeister von Städten in NRW – ist das AmerikaHaus NRW e.V. über viele kommunale Verbindungen in die USA im Bilde und nimmt punktuell bis regelmäßig an ihren Aktivitäten teil, so etwa bei der Partnerschaft Dortmund-Buffalo, der freundschaftlichen Verbindung Dortmund-Pittsburgh, und den Partnerschaften Köln-Indianapolis oder Aachen-Arlington. Auch beim Deutschlandjahr USA 2018/2019, einer vom Auswärtigen Amt organisierten Kultur- und Kommunikationskampagne, nahm das AmerikaHaus NRW gemeinsam mit den anderen deutschen „Amerikahäusern“ mit einem Verbandantrag teil und konnte dadurch mittelbar auch Projekte mit Fokus auf Städtepartnerschaften fördern. In der Pandemie entdeckte das AmerikaHaus NRW einen der Vorteile der Virtualität in der plötzlichen Reichweitenvergrößerung bei seinen digitalen Veranstaltungen. Gleichzeitig kann das AmerikaHaus NRW dadurch auch selbst mehr Präsenz bei den digitalen Veranstaltungen Anderer zeigen, wie etwa in der vorliegenden Veranstaltung der Netzwerkstelle.

Stadt Münster – Beziehungen mit Fresno, CA und Rochester, MN

Elke Wirtz, im „Büro Internationales“ der Stadt Münster, u.a. verantwortlich für die Beziehungen nach Fresno in Kalifornien (seit 1986) und Rochester in Minnesota (seit 2019), ging auf die beiden Aktivitäten ein und sprach von den jeweils unterschiedlichen Gründen, die zur Aufnahme der Beziehungen geführt hatten. So ist die Beziehung mit Fresno eine klassische Partnerschaft, die auf amerikanischer Seite insbesondere über das „sister city committee“ und engagierte Privatpersonen funktioniert, der Kontakt mit dem dortigen Stadtrat bleibt jedoch ausbaufähig. In Münster besteht seit 35 Jahren ein Partnerschaftsverein Münster-Fresno, der die Verankerung in die Zivilgesellschaft darstellt, und der sich traditionell um Schulaustausche und Bürgerreisen kümmert.

Die Beziehung nach Rochester hingegen ist als Klima- und Projektpartnerschaft im Rahmen der Initiative „Climate-Smart Municipalities“ entstanden, die jeweils sechs Städte aus Minnesota und NRW miteinander verbindet, welche in einem intensiven Fachaustausch zu Klimafragen zusammenarbeiten.

  • Hier konnte Dr. Sabine Engel von der University of Minnesota, direkt aus den USA zugeschaltet, als Architektin der CSM-Intiative noch weitere Hintergründe zu diesem vom deutschen Bundeswirtschaftsministerium sowie auch von der EU geförderten Programm erläutern. So verbinde das Projekt nicht nur die sechs Städte Warren, Morris, Duluth, Elk River, Rochester und White Bear Lake in Minnesota mit ihren jeweiligen Partnern in NRW Saerbeck, Münster, Iserlohn, Arnsberg, Lüdenscheid und Siegen, sondern trage auch wesentlich und in sehr positiver Weise zur Kommunikation der amerikanischen Städte untereinander bei, denn, so Dr. Engel, „diese Städte sprechen ja sonst auch nicht miteinander“. Aus den monatlichen Treffen zwischen der Städtegruppe seien schon viele gute Ideen entstanden, und es wäre eine schöne Sache, wenn dieser Austausch auch noch weiter ausgeweitet werden könnte.  

Generell, so Elke Wirtz, hatte für die münsteraner US-Partnerschaften die Pandemie eher anspornende als hemmende Auswirkungen: es finden regelmäßige digitale Netzwerktreffen statt und auch die Polizeipräsidien tauschen sich mittlerweile aus – demnächst auch wieder auf einer „richtigen“ Delegationsreise in die USA.

Große Bedeutung für die Stadt Münster hat der Aufbau von Beziehungen zwischen den Verwaltungen der Partnerstädte; über das private Engagement hinaus sollen sie für Beständigkeit in den Beziehungen sorgen. Auf der Suche nach Unterstützung kam dann auch der Kontakt der Stadt Münster mit dem US-Generalkonsulat in Düsseldorf zustande.

  • US-Generalkonsulin in Düsseldorf, Pauline Kao, bestätigte, dass das Generalkonsulat städtepartnerschaftliche Anliegen mit großem Interesse und Wohlwollen sieht und sie soweit möglich gern unterstützt.
Deutsch-Amerikanische Gesellschaft in der Auslandsgesellschaft.de e.V. in Dortmund

Bei der Vorstellung der städtepartnerschaftlichen Situation in Dortmund konnten Gerald Baars, Leiter der Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft in der Auslandsgesellschaft.de e.V. in Dortmund, und Fabian Zeuch, Koordinator Globale Städte-Diplomatie der Stadt Dortmund, einander die Bälle zuwerfen: so gibt es ähnlich wie in Münster eine historische „klassische“ Städtepartnerschaft mit Buffalo, NY, die bereits seit 1977 besteht und insbesondere von der Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft in Dortmund gepflegt wird. Bereits 1957 gegründet und seit 2007 von Gerald Baars geleitet, der zuvor (2000-2006) ARD-Studioleiter in New York war, hat die Deutsch-Amerikanische Gesellschaft die Verbindungen mit Buffalo über die Jahrzehnte und bis heute durch Studienreisen, HighSchool-Austausche mit Leben gefüllt bzw. in den Pandemiejahren mit einem digitalen „Transatlantischen Stammtisch“ am Leben erhalten.

Neben der Partnerschaft mit Buffalo gibt es seit etwa zwanzig Jahren auch eine freundschaftliche Verbundenheit mit der Stadt Pittsburgh in Pennsylvania, die aufgrund eines Projekts der TU Dortmund zum Strukturwandel im Ruhrgebiet entstand; beide Städte verbindet die Bergbauerfahrung, entsprechend steht hier auch der Fachaustausch im Vordergrund.

Beide Verbindungen sind bis heute lebendig: so war das 40-jährige Partnerschaftsjubiläum mit Buffalo im Jahr 2018 für die Dortmunder Delegation ein willkommener Anlass, auch in Pittsburgh vorbeizuschauen und der Fahrt auch den Charakter einer Wirtschafts- und Wissenschaftsreise zu verleihen. In den letzten Jahren wurde gerade der klimapolitische Dialog um die Beziehung mit Vancover in Kanada erweitert, so gab es bereits trilaterale Veranstaltungen zum Thema Klimafreundliche Ernährung. Auch im Rahmen des International Urban Cooperation programme (IURC), welches von der EU gefördert wird, stehen weitere Projekte der Stadt Dortmund im Bereich Nachhaltigkeit sowie gegenseitige Delegationsbesuche mit Pittsburgh auf dem Programm.

Ideen und Projekte

Bei den zahlreichen Fragen und Wortmeldungen der Teilnehmenden kamen sehr viele Themen und Aspekte zur Sprache. So etwa die Perspektive der Stadt Billerbeck (knapp 12.000 Einwohner), die mit ihrer etwa gleichgroßen Partnerstadt in Ohio, Englewood, seit 1983 einen sehr aktiven Austausch unterhält, aber nicht auf die gleichen Ressourcen zurückgreifen kann die viele der wesentlich größeren Städte in NRW, die eine US-Partnerschaft pflegen. Oder die der Stadt Essen, die bislang noch keine US-amerikanische Partnerschaft hat, aber aktiv auf der Suche danach ist. Auch Fragen zum Programm „Urban Diplomacy Exchange“ konnten durch den Projektverantwortlichen Marius Korte vom Deutschen Städtetag direkt beantwortet werden. Mehrere Städte in NRW äußerten Interesse an einer Teilnahme daran.

Ob ein Treffen anlässlich des „American Sports Day“ in Münster, ein Austausch im Rahmen des Projekts „Urban Diplomacy Exchange“ oder gar ein gemeinsam städteübergreifend organisiertes Thanksgiving-Dinner: klar wurde, dass viele Anknüpfungspunkte und Ideen für gemeinsame Projekte vorhanden sind, so dass es auf jeden Fall eine Neuauflage des « USA-NRW Stammtisch Städtediplomatie » noch in diesem Jahr geben wird.

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Die Festigung der Städtepartnerschaften in Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit Kommunen und Zivilgesellschaft steht im Mittelpunkt unseres Projekts.

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