Offenes Austauschformat Forum Städtepartnerschaften NRW
Online | 24. September 2026 | 11-13 Uhr
Das 27. Forum Städtepartnerschaften NRW für Kommunen und Kreise fand am 24. September 2026 als digitale Austauschrunde in der Mittagszeit statt. Zahlreiche Teilnehmende aus nordrhein-westfälischen Kommunen und Kreisen nahmen teil. Nach einer kurzen Vorstellung von Auslandsgesellschaft und Netzwerkstelle Städtepartnerschaften ging es direkt in den Austausch, der diesmal besonders intensiv um Fragen der Fördermittel und Finanzierung von Städtepartnerschaften kreiste. Allen Teilnehmenden wird im Anschluss ein Veranstaltungsbericht mit der Präsentation und den relevanten Links zugesandt.
Fördermittel und Finanzierung
CERV Town Twinning: Die aktuelle Ausschreibungsrunde für „Town Twinning“ im Rahmen des EU-Programms CERV ist gerade ausgelaufen; die Antragstellung gilt als recht umfangreich. Für Rückfragen zur Antragstellung steht die CERV-Kontaktstelle in Bonn zur Verfügung. Für 2027 wird die Town-Twinning-Förderlinie voraussichtlich nicht geöffnet sein, 2028 soll sie nach aktuellem Stand wieder zur Verfügung stehen.
Angesichts angespannter kommunaler Haushalte wurde deutlich, dass Drittmittel zunehmend aktiv akquiriert werden müssen. Die relevanten Fördertöpfe sind vielen Teilnehmenden grundsätzlich bekannt, eine vertiefte Auseinandersetzung mit den jeweiligen Details steht bei einigen jedoch noch aus.
Deutsch-Französischer Bürgerfonds: Gerade bei Haushaltssperren, von denen aktuell viele Kommunen betroffen sind, kann der Deutsch-Französische Bürgerfonds eine wichtige Alternative für deutsch-französische Partnerschaften sein: Mittel bis zu 50.000 Euro können laufend beantragt werden, bei Beträgen bis 5.000 Euro ist die Abwicklung besonders schnell. Aus der Praxis wurde von durchweg positiven Erfahrungen berichtet. So arbeitet eine Deutsch-Französische Gesellschaft in Duisburg erfolgreich mit dem Bürgerfonds; neben einem jährlichen Sportaustausch mit der Partnerstadt engagiert sie sich zudem ehrenamtlich in einem grenzüberschreitenden Gedenk- und Friedensmarsch. Ergänzend gab es aus Duisburg eine Anfrage von Berufskollegs zur Einbindung in die Friedensarbeit im Rahmen der Partnerschaft.
Als weitere positive Entwicklung wurde vermerkt, dass britische Partnerstädte ab 2027 wieder im Rahmen von Erasmus+ teilnehmen können.
Jubiläen 2029/2030: Die Stiftung Aufarbeitung wies darauf hin, dass sich Kommunen bereits jetzt Gedanken zu den Jubiläen „40|40: Geteilte Geschichte – Gemeinsame Gegenwart“ in den Jahren 2029 und 2030 machen sollten, um passende Konzepte und Fördermittel frühzeitig vorzubereiten.
Europa-Schecks: Die neue Bewerbungsrunde für Projekte im Jahr 2027 startet im Oktober 2026, die erste Antragsfrist ist der 1. Dezember 2026. Weitere Informationen zu den Europa-Schecks sowie Beispiele bereits realisierter Projekte stehen online zur Verfügung.
Auf EU-Ebene gibt es europäische Förderlinien wie etwa das Programm CERV, das Programm INTERREG, die Förderprogramme der Euregios oder weitere Programme aus den Europäischen Strukturfonds. Bei den EU-Programmen CERV und Erasmus+ gibt es eigene Schulungen, da Anträge sehr komplex sein können. Einen Überblick über europäische Fördermittel gibt es auf der Website des Regionalverbands Ruhr (RVR). Das Institut für europäische Partnerschaften und internationale Zusammenarbeit e.V. (IPZ e.V.) bietet Beratung und Antragsprüfung gegen Gebühr für Mitglieder. Mehrere Teilnehmende sind bereits Mitglieder und empfehlen sowohl den sehr gehaltvollen Newsletter wie auch die hervorragende Beratung des IPZ.
Stifterpreis StädteRegion Aachen: Für Kommunen aus der StädteRegion Aachen wurde zudem auf einen Stifterpreis für grenzüberschreitendes Engagement mit einem Preisgeld von 10.000 Euro hingewiesen; Vorschläge konnten noch bis zum 30. September eingereicht werden.
Umsatzsteuererstattung bei Sachspenden ins Ausland: Für Sachspenden, die im Rahmen von Partnerschaftsprojekten in Drittländer ausgeführt werden, kann unter bestimmten Voraussetzungen die Umsatzsteuer erstattet werden; ein entsprechendes Merkblatt der SKEW steht zum Download bereit. Ergänzend wurde im Chat klargestellt, dass es dabei um die Nettoförderung geht – die Mehrwertsteuer muss gegebenenfalls separat über das zuständige Finanzamt erstattet werden.
Weitere Finanzierungswege: Als Praxistipps wurden genannt: Vereine ohne eigene Räumlichkeiten können durch eine Mitgliedschaft bei einem anderen Verein dessen Räume kostenfrei mitnutzen; je nach Thema – etwa zur Vermittlung französischer oder rumänischer Kultur – lassen sich zudem ganz unterschiedliche, themenbezogene Förderquerschnitte erschließen. Auch gut vernetzte Pfadfinderverbände, die in den Bereichen Jugend und Umwelt aktiv sind, wurden als erfahrene und kreative Partner bei der Fördermittelakquise für Jugendbegegnungen genannt; als Ansprechpartner wurden die Bergheimer Georgspfadfinder e.V. (Duisburg) empfohlen.
Unterstützung bei Ukraine-Partnerschaften: Für Kommunen mit einer Partnerschaft in der Ukraine wurde erneut empfohlen, sich mit dem Verein Blau-Gelbes Kreuz e.V. in Köln in Verbindung zu setzen.
Ergänzend verweist die Netzwerkstelle Städtepartnerschaften auf ihre Broschüre zu Städtepartnerschaften mit einem eigenen Kapitel zur Finanzierung sowie auf aktuelle Materialien rund um Reisen in die Partnerstadt, die Visitenkarte Internationaler Austausch/Städtepartnerschaften und die Übersicht zu Studien- und Sprachreisen der Auslandsgesellschaft.
Partnerschaftspflege und Vernetzung
Aus einer kleineren Kommune wurde von einer neuen Partnerschaft mit einer Stadt in Katalonien berichtet: Im Rahmen eines bestehenden, traditionsreichen Stadtfests waren erstmals Gäste aus der katalanischen Partnerstadt zu Besuch, was einen intensiven Kontakt mit der Bevölkerung ermöglichte und den Gästen einen guten Einblick in den Ort gab. Im Bereich Sport wurde zudem ein neuer Austausch mit neuen Gastfamilien angeregt.
Diskutiert wurde außerdem, wie sich der Kontakt zwischen den Partnerstädten auch zwischen den offiziellen Terminen lebendig halten lässt. Als niedrigschwelliges Beispiel wurde eine gemeinsame WhatsApp-Gruppe mit Mitgliedern aus der Bürgerschaft beider Partnerstädte genannt. Empfohlen wurde zudem, sich innerhalb der eigenen Kommune stärker mit anderen Gesellschaften zu vernetzen – etwa der Volkshochschule oder den deutsch-französischen beziehungsweise deutsch-britischen Gesellschaften – und sich auch auf Bundesebene auszutauschen, um über aktuelle Entwicklungen informiert zu bleiben.
Abschließend wurde an die Umfrage sowie die Abschlussveranstaltung zum diesjährigen Themenschwerpunkt Nachhaltigkeit erinnert; insbesondere die besondere Bedeutung von Klimapartnerschaften für die städtepartnerschaftliche Arbeit wurde dabei noch einmal hervorgehoben.
Fazit
Der heutige Austausch machte deutlich, wie wichtig eine aktive und strategische Fördermittelakquise für die städtepartnerschaftliche Arbeit ist – von europäischen Programmen wie CERV und Erasmus+ über den Deutsch-Französischen Bürgerfonds bis hin zu kommunalen und regionalen Preisen. Gleichzeitig zeigte sich, dass eine lebendige Partnerschaft ebenso von kleinen, niedrigschwelligen Formaten der Vernetzung lebt. Die Netzwerkstelle bedankt sich bei allen Teilnehmenden für den regen Austausch.
Die kommenden Termine werden zeitnah über unsere Website veröffentlicht und per Einladung versendet.
Die Berichte der zurückliegenden Veranstaltungen der Reihe finden Sie zum Nachlesenfinden hier:
–> Archiv Forum Städtepartnerschaften NRW
