Offenes Austauschformat Forum Städtepartnerschaften NRW
Online | 16. Juli 2026 | 11-13 Uhr
Das 25. Forum Städtepartnerschaften für Kommunen und Kreise fand am 16. Juli 2026 als digitale Austauschrunde in der Mittagszeit statt. Zahlreiche Teilnehmende aus nordrhein-westfälischen Kommunen und Kreisen nahmen daran teil, erfreulicherweise auch einige, die erstmals dabei waren. Die Veranstaltung bot wie gewohnt Raum für Erfahrungsaustausch, Fragen aus der Praxis sowie Informationen zu aktuellen Fördermöglichkeiten. Nach der persönlichen Vorstellung des Referenten Roman Kurth, der Beate Brockmann während ihrer Elternzeit in der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften vertritt, ging es nach einer kurzen Vorstellung von Auslandsgesellschaft und Netzwerkstelle Städtepartnerschaften direkt in den Austausch.
Länderspezifisch
Gesprächsthema war zuerst die Frage: Hat eine Kommune eine befristete Solidaritätspartnerstadt in der Ukraine, und, falls ja, wird sie fortgesetzt oder in eine formelle Städtepartnerschaft umgewandelt? Es gab darauf die Antwort einer Kommune, dass sie sich aufgrund der Möglichkeiten des gelebten Austauschs in der Praxis gerade noch dagegen entschieden haben, und die Partnerschaft vorerst als Solidaritätspartnerschaft fortgesetzt wird, der Plan aber durchaus für die Zukunft ist, eine unbefristete Partnerschaft anzustreben. Eine weitere Kommune gibt an, eine Partnerschaft im Gegensatz dazu direkt als feste Städtepartnerschaft geplant zu haben: Hier gibt es einen regen Austausch (Hilfstransporte, ukrainische Kinder für Ferienaufenthalte in deutsche Gastfamilien, direkte Beziehungen in die Bevölkerung hinein) und besonders positive Erfahrungen.
Fördermittel
Wie zumeist standen am Anfang die finanziellen Mittel für die Städtepartnerschaften im Mittelpunkt. Zunächst ging es um die Möglichkeiten und Bedingungen der Europa-Schecks. Mehrere Teilnehmende berichteten über den recht benutzerfreundlichen und niederschwelligen Zugang.
Weitere Infos zu der NRW-Landesinitiative Europa-Schecks generell und zwecks Nachfrage zu einer Übersicht über mögliche Fördermittel: Die Netzwerkstelle Städtepartnerschaften widmet dem Thema Fördermittel einen eigenen Bereich auf ihrer Website. In einer Broschüre zu Städtepartnerschaften beschäftigt sich ein eigenes Kapitel mit der Finanzierung von Städtepartnerschaften: Städtepartnerschaften: Entwickeln – Leben-Ausbauen – Finanzieren (ab S.21). Auf Landesebene gibt es mit den „Europa-Informationen“ einen hervorragenden Newsletter des Referats IV A 2 Europafähigkeit, Kommunen in Europa in der Staatskanzlei, Anmeldung per Email. Beratung insbesondere zur Landesinitiative Europa-Schecks gibt es durch die Mitarbeitenden bei der zuständigen Bezirksregierung Münster.
Über den Chat wurde gegen Ende der Diskussion die Frage nach „kurzfristigen Fördermöglichkeiten“ eingebracht. In dem genannten Beispiel ging es um einen Vorlauf für eine Veranstaltung von ca. 6 Wochen. Eine Schwierigkeit – vor allem für kleinere Vereine und Initiativen – in der Finanzierung stellen meist die langen Planungszeiten dar, die ihren Schatten weit voraus werfen; hier ist eine langfristige Planung notwendig, die gezielt und strategisch Fördermittel akquiriert.
Für den ehrenamtlichen Bereich von Städtepartnerschaften gibt es auf Landesebene die Landesservicestelle für bürgerschaftliches Engagement, auf Bundesebene die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) mit einer Förderdatenbank.
Auf Bundesebene bietet der Rat der Gemeinden und Regionen Europas über seinen Arbeitskreis der EU- und Förderreferenten einen zweimal jährlich stattfindenden Austausch zu diesem Thema.
Bundesweite Förderung insbesondere für Partnerschaften mit dem Globalen Süden gibt es bei der Servicestelle Kommunen der Einen Welt (SKEW), die bei Engagement Global angesiedelt ist. Auch die bilateralen Jugendwerke und der Deutsch-Französische Bürgerfonds wenden sich an Projekte aus dem gesamten Bundesgebiet.
Des Weiteren gibt es Förderungen durch Landesprogramme (meist in der Zuständigkeit der Ministerien). Auch die fünf Bezirksregierungen in NRW mit ihren jeweiligen Europabüros sind gute Ansprechpartner, da sie allgemein einen guten Überblick über verfügbare Fördertöpfe haben.
Auf EU-Ebene gibt es europäische Förderlinien wie etwa das Programm CERV, das Programm INTERREG, die Förderprogramme der Euregios oder weitere Programme aus den Europäischen Strukturfonds. Bei den EU-Programmen CERV und Erasmus+ gibt es eigene Schulungen, da Anträge sehr komplex sein können. Einen Überblick über europäische Fördermittel gibt es auf der Website des Regionalverbands Ruhr (RVR). Das Institut für europäische Partnerschaften und internationale Zusammenarbeit e.V. (IPZ e.V.) bietet Beratung und Antragsprüfung gegen Gebühr für Mitglieder. Mehrere Teilnehmende sind bereits Mitglieder und empfehlen sowohl den sehr gehaltvollen Newsletter wie auch die hervorragende Beratung des IPZ.
Jugendbegegnungen
Der Erfahrungsaustausch zeigte, dass niedrigschwellige Formate wie ein Europa-Quiz dank unkomplizierter Fördermittel zwar leicht zu beantragen sind, klassische Werbewege an Schulen und auf Social Media jedoch oft zu wenig Resonanz bei Jugendlichen führen. Um junge Menschen besser zu erreichen, erweisen sich die aktive Mitgestaltung und die Übertragung von Eigenverantwortung als entscheidende Erfolgsfaktoren. So hat es sich bei neuen Auszubildenden-Austauschen in die Partnerkommune oder den Partnerkreis bewährt, den Teilnehmenden zum Beispiel die eigenständige Gestaltung und Betreuung des zugehörigen Instagram-Kanals zu überlassen.
Auch in der Kommunalverwaltung lässt sich der Nachwuchs am besten gewinnen, indem Schulpraktikantinnen und -praktikanten gezielt in den Büros für Internationales eingesetzt und eigene Auszubildende direkt über projektbezogene Aufgaben in die Partnerschaftsarbeit eingebunden werden. Ein strukturierter Austausch, bei dem Jugendliche aus den Partnerstädten Praktika in lokalen Betrieben oder Verwaltungen absolvieren und im Gegenzug eigene Auszubildende ins Ausland reisen, stärkt diese Verbindung nachhaltig. Als besonders effektiv für Partnerschaftsvereine erweist sich die Kooperation mit Berufskollegs bei der Vermittlung von ein- bis zweimonatigen Auslandspraktika. Junge Menschen, die über diesen Weg den Kontakt zum Verein finden, bleiben langfristig aktiv, wenn man ihnen den Freiraum für eigene Ideen überlässt. Ein konkretes Erfolgsbeispiel hierfür ist die selbstständige Organisation von Pub-Quizzen durch junge Neumitglieder, wodurch erfolgreich ein neues, jugendliches Publikum erschlossen wurde.
Abschließend wurde festgehalten, dass erfahrene Akteurinnen und Akteure bei eigenen Reisen konsequent prüfen sollten, ob sie jüngere Personen zur Nachwuchsförderung direkt mitnehmen können.
Strukturen, Finanzierung und innovative Formate
Der Austausch zeigte, dass Städtepartnerschaften auch ohne Vereinsstrukturen erfolgreich direkt über die Kommunalverwaltung laufen können, was zwar arbeitsintensiver ist, aber die Kooperation erleichtert, insbesondere wenn auch im Ausland keine Vereine existieren sollten.
Bei der Finanzierung internationaler Jugendcamps über Erasmus+ kam es durch kurzfristige Mittelkürzungen zu Absagen für Teilnehmende aus Drittstaaten, weshalb für diese künftig alternative Stiftungsanträge geprüft werden sollten. Zudem wurde deutlich, dass Kleinprojekteförderungen wie z.B. der Europa-Scheck für nicht-öffentliche Jugendbegegnungen aufgrund von Schutzanforderungen oft ungeeignet sind.
Für anstehende Partnerschaftsjubiläen und Großveranstaltungen wurden verschiedene Interaktions- und Kulturformate diskutiert, um den europäischen Gedanken für die Bevölkerung erlebbar zu machen. Erfolgreiche Praxisbeispiele reichen von kulinarischen Meilen und Koch-Weltmeisterschaften über Bürgerpicknicks bis hin zum Kneipenquiz (Pub Quiz) und zu Auftritten internationaler Bands. Um den Gästen die Weltoffenheit der eigenen Kommune zu zeigen und den Austausch untereinander zu stärken, bewährt sich die Organisation eines mehrtägigen Programms mit Besuchen lokaler Kultur- und Sport-Highlights. Da Unterbringung und Betreuung internationaler Delegationen für die Gäste aus Partnerstädten oft kostspielig sind, übernehmen einladende Kommunen diese Aufwendungen soweit möglich direkt selbst.
Zur Unterstützung bei der Programmgestaltung und z.B. Bandakquise im Ausland können bestehende Ländergesellschaften vor Ort gezielt eingebunden werden. Für die Finanzierung größerer Feste und Jugendprojekte wurde zudem die Nutzung spezieller Landesförderungen oder kommunaler Förderprogramme für Kinder- und Jugendpartizipation empfohlen. Abschließend wurde deutlich, dass die enge Verzahnung von städtischen Vertreter*innen in den Vorständen lokaler Europavereine die Planung solcher Großevents erheblich erleichtert.
Fazit
Insbesondere die Teilnehmenden, die zum ersten Mal dabei waren, gaben an, vom heutigen Austausch viel mitnehmen zu können für ihre praktische Arbeit. Die „Schwarmintelligenz“ der Städtepartnerschaftsverantwortlichen in den Kommunen kann allgemein viel Hilfreiches zutage fördern zur Förderlandschaft und zur Vernetzung.
Die kommenden Termine werden zeitnah über unsere Website veröffentlicht und per Einladung versendet.
Die Berichte der zurückliegenden Veranstaltungen der Reihe finden Sie zum Nachlesenfinden hier:
–> Archiv Forum Städtepartnerschaften NRW
