Interview mit Thorsten Klute

Mitglied des Landtags von Nordrhein-Westfalen

© Joanna Walas-Klute

Thorsten Klute war u.a. von 2013 bis 2017 Staatssekretär für Integration beim Minister für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen. Seit dem 1. März 2018 ist er ehrenamtlich als Beauftragter für die in Nordrhein-Westfalen lebenden polnischstämmigen Bürgerinnen und Bürger sowie Polinnen und Polen im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration tätig. Klute war bereits von 2014 bis 2017 Polonia-Beauftragter des Landes Nordrhein-Westfalen. Seit Januar 2022 ist Thorsten Klute Mitglied im Beirat der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften und seit Mai 2022 Mitglied des Landtags von Nordrhein-Westfalen.

In welchem Verhältnis steht unser östliches Nachbarland Polen zu seinem östlichen Nachbarn Ukraine und was bedeutet das aktuell für den Krieg in der Ukraine ?

Polen ist direktes Nachbarland zur Ukraine. Bereits seit Jahren, lange vor dem ersten Angriff Russlands auf die Ukraine im Jahr 2014 hatte Polen die Rolle des Brückenbauers für die Ukraine übernommen, auch wenn man im Westen zunächst nicht so engagiert den gemeinsamen ukrainischen und polnischen Rufen gefolgt war, wie heute. Beide Staate einen aus der Geschichte heraus äußerst schwierige Erfahrungen mit Russland und auch mit Deutschland. Zugleich waren Polen und Ukrainer in ihrer Geschichte nicht immer so nah beieinander, wie es heute der Fall ist. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte die Ukrainische Aufständische Armee UPA gegen die polnische Heimatarmee AK. Der Name des damaligen ukrainischen Nationalistenführers Stepan Bandera war viele Jahre eine Reizfigur für die polnisch-ukrainischen Beziehungen. So ist die heutige polnisch-ukrainische Freundschaft auch ein Beispiel für Aussöhnung und Entwicklung von Partnerschaft.

Welche Rolle spielen deutsch-polnische Städtepartnerschaften derzeit, im Hinblick auf die Ukraine?

Es gibt viele so wunderbare Beispiele für deutsch-polnische Städtepartnerschaften, in denen die deutsche Seite ihre polnischen Freundinnen und Freunde bei der Aufnahme von Geflüchteten unterstützen und zugleich über diese polnischen Städte Hilfsgüter in die Ukraine bringen. Stellvertretend für viele möchte ich hier die Stadt Paderborn nennen. Deren polnische Partnerstadt Przemyśl direkt an der Grenze zur Ukraine stand und steht im Zentrum des Flüchtlingsgeschehens. Paderborn brachte über Przemyśl dringendst benötigte Notstromaggregate und andere Güter in die Ukraine. Ohne die polnischen Partner hätte Paderborn das nicht so ohne Weiteres geschafft. Ohne Paderborn hätte Przemyśl aber vielleicht auch diese wichtigen Hilfsgüter nicht so einfach erhalten und in die Ukraine bringen können.

Eindrücke von der Fahrt nach Przemyśl (Polen):
v.l.n.r.: Joanna Szymanska (Info-Point-Polregio), Thorsten Klute (Poloniabeauftragter NRW), Josef Neumann (Landtagsabgeordneter Solingen), Uli Preuss (Friedensdorf International)

© Thorsten Klute

Hat der Ukraine-Krieg das deutsche Verhältnis zu Polen verändert ?

Ich spreche lieber von Russlands Krieg gegen die Ukraine. Aber das ist eine rein sprachliche  Frage. Das Verhältnis zu Polen hat sich in Deutschland in jedem Fall verändert. Nach der ablehnenden Haltung Polens zur Geflüchtetenaufnahme im Jahr 2015 hat sich das Land nun in Deutschland großen Respekt durch die Aufnahme immens vieler Ukraine-Flüchtlinge erarbeitet. Zudem hat Polen bei der Frage der Reaktion der NATO und der EU auf Russlands Krieg gegen die Ukraine eine führende Rolle eingenommen.

Inwiefern verändert der Ukraine-Krieg auch die deutsch-polnischen Städtepartnerschaften ?

Natürlich hätten wir alle uns viel schönere Anlässe gewünscht, um den vielen deutsch-polnischen Städtepartnerschaften nach der schweren Corona-Zeit neue Aufgaben zu geben. Aber dieser schreckliche Krieg schweißt Deutsche und Polen eben näher zusammen. Und damit auch deutsch-polnische Städtepartnerschaften.

© Thorsten Klute

Eindrücke von der Fahrt nach Przemyśl (Polen) –
v.l.n.r.: Josef Neumann (Landtagsabgeordneter Solingen), Thorsten Klute (Poloniabeauftragter NRW)

Interview: Beate Brockmann

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